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Kulturzeit heute
24. Mai 2013
Moderatoren
Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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Die 300 Jahre alte Wiener Porzellanmanufaktur Augarten will zeitgenössischer Kunst eine Plattform bieten.
Graffiti trifft Porzellan
Die Augarten-Manufaktur fördert junge Kunst
Die 300 Jahre alte Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist trotz aller Tradition am Puls der Zeit. In den 1920er und 30er Jahren ließ sie den Architekten und Designer der österreichischen Moderne, Josef Hoffmann, für sich gestalten. Heute lädt sie Wiener Graffiti-Künstler ein, exklusives Geschirr zu gestalten.
Maskierte Gestalten brechen bei Nacht ins Wiener Augartenschloss ein und sprayen alles voll. Festgehalten in einem Video, strapaziert der Film auf Facebook gekonnt ein weitverbreitetes Klischee: Graffiti-Künstler sind alle Anarchisten. Die Täter in dem von einer Agentur initiierten Film sind die Mitglieder des Künstlerkollektivs Butterflies and Bunnyrabbits aus den Bereichen Street Art, Hip Hop und Video. "Street Artists richten sich nicht nach dem Kunstmarkt oder Tendenzen der Modernen Kunst, sondern es ist eine sehr unabhängige und freie Kunstform", sagt der Künstler Bernhard Blum.

Streitbare Kunst
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Alexander Schönburg von der "Agentur 4E7"
Claudia Uth ist die Marketingleiterin der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten und hat das Projekt in Auftrag gegeben. "Wir machen Kunst, und Kunst ist streitbar", sagt sie. Das Image der 300 Jahre alten Manufaktur gilt als ein wenig verstaubt. Was also tun? Schließlich hat man auch moderneres Design im Sortiment. Also holt man sich eine der angesagtesten Kunstrichtungen an Bord: Street Art. Schließlich hat Augarten eine lange Tradition in der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern, wie etwa dem österreichischen Architekten und Designer Josef Hoffmann.

Neu ist, dass die Werbeaktion eines Traditionshauses ausschließlich über das soziale Netzwerk Facebook läuft. Die eigens gegründete Facebook-Gruppe "Paint The City" sammelt mit Einträgen zum Thema Street Art innerhalb von zwei Wochen 1600 Fans. "Die Fans, die wir auf 'Paint The City' haben, haben 128.000 Menschen direkt erreicht", sagt Alexander Schönburg von der Agentur 4E7. Am Höhepunkt der Beliebtheit werden Graffiti-Künstler aufgerufen, bei einem Wettbewerb Dekor-Entwürfe auf digitalen Vorlagen einzureichen. "Augarten brennt" ist der zugkräftige Titel für die Aktion. Das täuschend echte Einbruchsvideo als Werbung für den Wettbewerb garantiert den erwünschten "Augarten ist cool"-Effekt.

Imagewechsel für Augarten
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Das Künstlerkollektiv Butterflies and Bunnyrabbits
"Diese Geschichte war natürlich etwas hardcore für Augarten", so Claudia Uth. "Aber die Marke braucht einen Imagewechsel, sie braucht ein junges Publikum, ein Zielpublikum, das sagt: 'Ich nähere mich über die Kunst, über das Design an eine 292-jährige Manufaktur an.'" Eine Jury, der auch der Direktor des Wiener Museums Moderner Kunst angehört, wählt aus rund 100 Einsendungen drei Gewinner des Wettbewerbes aus. Sie bekommen die Gelegenheit, in der Manufaktur wie echte Mitarbeiter Hand anzulegen. "Das wird alles mit der Hand gemacht, jede Linie auf den Tassen", so die Künstlerin Joy. "Das ist sehr beeindruckend. Ich schätze das jetzt viel mehr."

"Meine erste Reaktion war, dass ich nicht mit machen werde", sagt der Künstler SiD. "Ein Freund hat mich nach einer Woche überredet." Die Entwürfe der jungen Künstler gehen zwar nicht in Serie, sie werden jedoch im Wiener Dorotheum versteigert, und je ein Stück jedes Künstlers kommt in die Sammlung der Augartenmanufaktur. Eine bloße Marketingaktion soll "Augarten brennt" aber nicht sein. Hier wäscht eine Hand die andere. Street-Art-Künstler können sich nicht nur auf Porzellan austoben. Sie bekommen auch "legale Wände" im Augartenschloss zur Vefügung gestellt, das derzeit komplett renoviert wird.

Symbiose zwischen Kunst und Kommerz
"Das Projekt zeigt auch, dass, sobald sich die Geister etwas öffnen und man aufeinander zugeht, die Symbiose-Effekte großartig sind", sagt Bernhard Blum. "Die Sprayer haben Platz zum Malen, die Manufaktur hat zusätzlichen Input, was neuartige Kunst betrifft." Street Art, Musik und Videokunst - auf allen Fronten kämpft das Kollektiv Butterflies and Bunnyrabbits für seine Mission: die Graffitikunst aus der Vandalismus-Ecke herausholen. Die Kritik, das private Netzwerk Facebook und Street Art für kommerzielle Zwecke zu benutzen, lassen alle Beteiligten nicht gelten. Die Manufaktur Augarten will Porzellan verkaufen, das ist klar. Gleichzeitig beweist sie ihren Mut, Kunst zu fördern, die noch nicht zum Establishment gehört.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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