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© dpa Lupe
Peter Eisenman ist der Architekt des Holocaust-Mahnmals.
Getrübtes Mahnmal-Jubiläum
Fünf Jahre Stelenfeld in Berlin
2711 Stelen auf 19.000 Quadratmeter: Das ist die in Beton gegossene Leistung unserer demokratischen Erinnerungskultur. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Ein Mahnzeichen fortwährender Aufklärung - und Stein des Anstoßes.
"Kranzabwurfstelle" oder "Steinerner Schlussstrich" schimpften Skeptiker, als das Holocaust-Mahnmal in Berlin 2005 eingeweiht wurde.Inzwischen sollen geschätzte acht Millionen Menschen die Gedenkstätte besucht haben. Doch wer hat sie gezählt? Nun, zum Jubiläum, betonte Bundestagspräsident Norbert Lammert, das Stelenfeld des US-Architekten Peter Eisenman sei eine der wichtigesten Adressen für Berlin-Besucher.

17 Jahre Streit liegen zwischen Idee und Fertigstellung des Mahnmals. Lange schon zeigt es Narben. Die Debatte über die angemessene Form des Gedenkens hört nicht auf. Jetzt meldet sich der ungarische Schriftsteller Péter Nádas zu Wort. Er sagt, die Ermordeten würden hier "kollektiv zum Objekt des Werks gemacht" und seien noch einmal so wehrlos wie am Ende ihres Lebens: "Das Problem hat mit dieser Steinwüste zu tun: Wenn wir ein Denkmal für die Hingerichteten Juden erstellen, dann sondern wir die Juden ab. Von wem darf ich fragen? Natürlich von allen anderen Opfern. Und dann müssen wir auch allen anderen Opfern ein Denkmal setzen. Dann sind wir beim Nazigedanken. Dann ist es reiner Rassismus. Mit dieser Absonderung der Juden bin ich nicht einverstanden."

Absolution für vergangene Taten
Für Nádas symbolisiere dieses Mahnmal nur eines: Jetzt werde alles gut. Die Absolution für vergangene Taten, sozusagen. Und die Verewigung des Mahnmalbauers Peter Eisenman selbst. "Er hat diesen Auftrag gehabt. Architekten können nichts anderes machen als sich selbst darzustellen. Das Problem liegt aber woanders: Es hat kein Zutun mit der Realität des Zweiten Weltkrieges." Fest steht aber auch trotz aller Einwände: Mit dem Holocaust-Mahnmal hat die Bundesrepublik europäischen Juden im Land der Täter eine zentrale Gedenkstätte gegeben. Und die symbolisiert weder eine politische Abschlussgeste des Gedenkens noch schreibt sie vor, wie man sich erinnern soll. Und das will Berlin feiern.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Schwerpunkt
© APDas Mahnmal, der Holocaust und die Deutschen
Fotogalerie
Ansichten des Holocaust-Mahnmals in Berlin