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© dpa Lupe
"Es geht immer nur ums Geld", so Jörg Sundermeier.
Der Kampf auf dem Buchmarkt
Das Buch wird vom Kultur- zum Konsumgut
Die großen Buchhandelsketten wie Thalia oder Hugendubel bestimmen den Büchermarkt und zwingen den Verlagen ihre Konditionen auf. Einzelne Buchläden und Kleinverlage haben das Nachsehen. Welche Gefahren birgt das?
Bücher - wir lieben sie, wir wollen sie, wir kaufen sie. Doch wie verhält es sich mit dem Geschäft? "Es geht nie um die Qualität der Literatur, es geht nicht um Autorennahmen, das ist alles egal", sagt Jörg Sundermeier vom Verbrecher-Verlag. "Es geht immer nur ums Geld, um die Warenförmigkeit." Das Buch wird immer weniger Kultur- als Konsumgut. Und der Buchmarkt wird dominiert von wenigen großen Ketten. "Denen wäre es egal, ob sie Parfums verkaufen oder Bücher", kritisiert Stefan Weidle vom Weidle-Verlag die großen Handelsketten. "Das ist nicht mehr der Buchhandel, wie er früher mal war."

Früher verkauften die Verlage ihre Bücher fast nur in kleinen Buchhandlungen - persönlich und individuell. Heute ist der Handel mit Büchern ein Zehn-Milliarden-Euro-Markt. Buchhandelsketten machen das größte Geschäft. An erster Stelle Thalia, dicht dahinter folgt Hugendubel. In den letzten zehn Jahren verloren die Einzelläden ständig, die Ketten gewannen dazu. Die Marktmacht der schönen neuen Bücherwelt - ist sie für Verleger ein Monstrum? Auch die großen Verlage müssen sich auf die Bedingungen der Ketten einstellen. Alles fließt.

Thalia: 100 neue Läden in vier Jahren
© dpa Lupe
"Thalia"-Filiale: Den Verlagen bietet sich hier viel offene Marketingfläche.
"Wir müssen weiter auf den Kunden zugehen, wir müssen ihm Marketingvorschläge unterbreiten, vertriebliche Optimierungen vorschlagen und anders programmatisch über das Programm sprechen, als es vielleicht früher war", so Urban van Melis vom Carlsen-Verlag. "Da sind wir deutlich stärker in die Pflicht genommen, das birgt aber auch viele Chancen für uns." Mit den großen Ketten können die Verlage Kampagnen entwickeln, die immer mehr Leute erreichen. Allein der Branchenprimus Thalia hat in den letzten vier Jahren mehr als 100 neue Läden eröffnet. Ein Gigant, der immer mehr Bücher handelt und immer mehr Umsatz macht - da will jeder teilhaben.

Den Verlagen bieten sich hier Büchertempel mit viel offener Marketingfläche. Thalia fordert für verkaufsfördernde Büchertische und Anzeigen oft Geld, manchmal zehntausende Euro. Kleine Verlage können das nicht bezahlen. Ihre Vertreter werden oft gar nicht erst empfangen, ihre Bücher nur in Einzelfällen bestellt. "Da sind wir nicht vertreten und das ist unser großes Problem", sagt Stefan Weidle. "Viele Leute sind Impulskäufer, die gehen in die Buchhandlungen und schauen was da liegt. Da es diese Form der Präsentation für uns nicht gibt, sind wir stark benachteiligt."

Die Kleinen sind die Pioniere
Zu Werbekostenzuschüssen kommen hohe Rabatte. Thalia fordert sie wie jede große Supermarktkette, die viel Umsatz anbieten kann, aber nur größere Verlage können sie sich leisten. Besonders bei Bestsellern existieren große Abhängigkeiten. Die Ketten fordern als Vorleistung hohe Auflagen. Andrea Maria Schenkels "Tannöd" war so ein Bestseller. Ein Überraschungserfolg, der sich zunächst über kleine Buchhandlungen entwickelte, ohne Marketing. Vom Nachfolge-Roman verlangten die großen Ketten auf Kommission hohe Stückzahlen. Und wenn das Buch floppt? Dann bleiben die Verlage auf ihren Kosten sitzen. Und die Kleinen werden immer weiter an den Rand gedrängt. Dabei sind sie häufig die Pioniere in der Literatur. Lutz Schulenburg von der Edition Nautilus hofft auf die Macht des Verbrauchers. Denn: "Der will nicht immer dasselbe vorgesetzt bekommen."

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Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr