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Themen am 11.12.2017Navigationselement
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© ap Lupe
Frankfurts Bankentürme bei Nacht - hier wird trotz Krise gefeiert
Krise? Welche Krise?
Frankfurts Investmentbanker sind in Partylaune
Die USA und seine Banken sind weit weg: Bei den Bankern in Frankfurt am Main ist von Krisenstimmung keine Spur. In Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise gibt es eine Menge Verlierer, doch wie sich mehr und mehr abzeichnet, gehören die Banker definitiv nicht dazu.
Im Finanzviertel in Frankfurt feiern sie. Das Top-Event ist, immer dienstags, die "Bankers & Brokers After Work Party". Viele kommen direkt aus der Bank. Wir fragen die Gäste: "Wo ist denn eigentlich die Krise hier in Frankfurt?" Und wir bekommen zu hören: "Die Krise? Das ist eine gute Frage!", und: "Hier, leere Gläser. Das ist die Krise!". Die Krise muss woanders sein, davon ist einer der Partygänger überzeugt.

Banker feiern weiter
Direkt neben der Deutschen Bank besuchen wir das Restaurant "Ivory Club" - "Elfenbein Klub". Getränke kosten hier zwischen 100 und 6000 Euro die Flasche. Demnächst wird ausgebaut, die Fläche wird verdreifacht. 80 Prozent der Gäste sind Banker, schätzt der Geschäftsführer Feres Ladjimi: "Deutsche Bank, Morgan Stanley, Goldman Sachs und so weiter sind auch unsere Stammgäste", sagt er. Wir fragen ihn: "Jetzt mal Hand aufs Herz. Haben Sie überhaupt irgendwas gespürt von Finanzkrise?" "Ganz ehrlich: nichts", antwortet Ladjimi.

Die Krise trifft die anderen. Firmen entlassen Mitarbeiter, doch die maroden Banken sind gerettet - mit Steuergeldern. Inzwischen machen Finanzjongleure wieder gute Geschäfte. Und die Banker freuen sich über großzügige Bonus-Zahlungen. Wir treffen Sven Friske, den stellvertretenden Direktor einer großen Privatbank. Gute Banker, sagt er, suchten längst wieder nach jeder Lücke, mit der man legal Geld machen kann. "Immer wenn der Aktienmarkt steigt, freuen sich die Anleger. Der Risiko-Appetit nimmt zu, und das entspannt natürlich auch die Banker hier in Frankfurt."

Die Boni sind sicher
Für Friske sind die umstrittenen Bonus-Zahlungen selbstverständlich, nach wie vor. "Boni werden immer eine wichtige Rolle spielen, weil sie nur über eine adäquate Bezahlung die Qualität der Mitarbeiter bekommen, die sie suchen." Es gibt sie also wieder, die Extra-Ausschüttungen für die Banker. "Und Sie persönlich haben auch kein schlechtes Gewissen, wenn Sie Geld ausgeben, oder?", fragen wir den Banker. "Wenn ich Geld ausgebe? Um Gottes Willen, dann habe ich sogar ein gutes Gewissen, weil ich dann der Wirtschaft helfe."

Wir finden Banker, die gerne Geld ausgeben, auch auf dem obersten Deck des Börsen-Parkhauses zwischen den Hochhäusern der Banken. Der Club veranstaltet Events wie die - laut Eigenwerbung - größte private Yacht-Party mit 130 Luxusyachten für 2000 Auserwählte. Ganze Bankerteams feiern hier. Die Gäste wünschen Diskretion. Interviews sind nicht erlaubt. Und in der Mittagspause kann man schnell bei Rolex vorbeischauen. Neulich ging eine Uhr weg, für eine halbe Million Euro. Es gibt aber auch günstigere, zum Beispiel für 60.000 Euro. Der Laden läuft gut. Bald wird eine neue große Filiale eröffnet. Und Rolex wirbt mit dem Slogan: "Mut zum Luxus". "Die Banker sind immer selbstbewusst", sagt Juwelier Piroz Khajehamid. "Das ist das, was ich an den Bankern mag. Das ist auch der Grund, warum ich Frankfurt sehr mag, weil die Banker ein gewisses Selbstbewusstsein haben, und das strahlen sie auch aus, und so soll es auch sein."

Banker nehmen die Krise mit Humor und Drinks
Nach Büroschluss geht es dann in die Banker-Bar "Beyond". Wer mittags eine Anleger-Million verzockt habe, komme abends noch zum Chill-Out vorbei, hören wir an der Theke. Es kursieren auch Witze über Anleger. Zum Beispiel der: "Ihr Geld ist weg? Ach was. Das ist nicht weg. Das gehört jetzt nur anderen." Die Banker nehmen die Krise mit Humor und starken Drinks. Die werden auch gern ins Büro gebracht. Und was zum Beispiel? "Ach, die haben hier solche Shots und vielleicht einen Äppler", sagt ein Banker. Shots wie B 52 und hochprozentiger Rum werden geliefert "oder sie kommen selbst mit Tablett und nehmen es mit", so der Barkeeper. "Bei Büroschluss kommen sie zurück mit den leeren Gläsern und trinken dann noch ein, zwei Getränke bei uns."

"Hier wird also trotz Krise auch noch gefeiert?", fragen wir. "Selbstverständlich, muss man ja", sagt der Barkeeper. Wir gehen zurück zu den Banktürmen. Doch der einzige, der dort mit uns spricht, ist ein externer Unternehmensberater. "Reden die Leute über Ethik, Gewissen, Moral? Kommt sowas vor?", wollen wir von ihm wissen. "Nein, intern in einer Bank nicht", sagt er. "Eine Bank ist für das Geld da, und man redet von Geld." Banker ohne Reue - die große Party geht weiter.

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Finanzkrise -
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