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CLIP: Nina Mavis Brunner
Themen am 23.10.2017Navigationselement
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1957 errichteten heimkehrende Soldaten das Ehrenmal bei Mittenwald
Ruhm oder Schande?
Die umstrittene Gedenkstätte bei Mittenwald
Es ist ein Denkmal, an dem sich die Geister scheiden: das Ehrenmal der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald. Jedes Jahr zu Pfingsten veranstaltet dort der Verein "Kameradenkreis der Gebirgstruppe" eine Gedenkfeier. Kritiker sehen darin eine "Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern".
Ganze 14 Meter hoch sind die zwei Muschelkalkpfeiler, davor prangt ein Kreuz: Das Ehrenmal der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald ist weithin sichtbar. Heimkehrende Soldaten errichteten es 1957, um an die gefallenen Kameraden des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Rund 20.000 Menschen sollen an der feierlichen Einweihung des Denkmals zu Pfingsten teilgenommen haben - seither versammelt sich zum Jahrestag der Eröffnung regelmäßig ein Großteil des heute 4500 Kameraden zählenden Kreises.

Gebirgsjäger waren an Kriegs-Massakern beteiligt
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Gedenkfeier des "Kameradenkreis der Gebirgstruppe"
Der Protest von Demonstranten gegen die Erinnerungsfeiern am Ehrenmal zu Pfingsten hat eine fast ebenso lange Tradition. Der von linken Historikern angeführte Widerstand sieht in der Gedenkstätte vor allem ein Schandmal, dass Kriegsverbrechern huldigt - denn die Gebirgsjäger waren im Zweiten Weltkrieg an Massakern beteiligt. Dass seit einigen Jahren am Ehrenmal ganz allgemein aller militärischen und zivilen Opfer von Krieg und Terror gedacht und auf die Geschichte der Gebirgstruppe nicht mehr gesondert eingegangen wird, mildert dies nicht ab. Grund dafür ist auch, dass der Kameradenkreis die Geschichte der Gebirgstruppe nie aufgearbeitet hat.

Seit September 2008 läuft in München einer der vielleicht letzten Prozesse gegen ehemalige Kriegsverbrecher Deutschlands. Angeklagt ist Josef Scheungraber, ältestes Mitglied des "Kameradenkreises der Gebirgstruppe", der 1988 von ihr mit der Goldenen Ehrennadel für seine Verdienste ausgezeichnet wurde. Er muss sich als ehemaliger Kompaniechef einer Pioniereinheit der Gebirgstruppe für 14-fachen Mord und einen Mordversuch an Zivilisten 1944 im toskanischen Falzano di Cortona verantworten. Der Kameradenkreis hat auch unter den Politikern ein prominentes Mitglied: Edmund Stoiber. Bereits im Jahr 2005 wurde er von Gegnern des Ehrenmals zum Austritt aus dem Verein aufgefordert.

Internationaler Protest wird laut
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Inschrift des "Ehrenmals" bei Mittenwald
Der Arbeitskreis "Angreifbare Traditionspflege" hat 2009 seinem Widerstand neuen Ausdruck verliehen. Er hat an Pfingsten ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz der Stadt Mittenwald eingeweiht, das an die Verbrechen von Gebirgsjägern erinnert. Nachdem die Gemeinde das Denkmal entfernen ließ, wurde erstmals internationaler Protest laut. So meldete sich der Direktor des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem, Efraim Zuroff, zu Wort: Es sei eine Schande, dass es in Mittenwald noch immer kein Mahnmal für die Opfer der Wehrmachts-Gebirgstruppe gibt, dafür aber gleich mehrere Denkmäler zu Ehren der gefallenen Soldaten.

Die Worte des einflussreichen Direktors haben Wirkung gezeigt: Mittlerweile diskutiert die Gemeinde mit dem Arbeitskreis über einen geeigneten Ort für das Denkmal. Die Opfer der Gebirgsjägern werden somit vielleicht doch noch Gerechtigkeit erfahren.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,um 19.20 Uhr
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