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© dpa Lupe
Für Künstler Markus Lüpertz ist die Finanzkrise kein Thema
Abgekanzelt
Markus Lüpertz zum Krisengerede
"Die Finanzkrise aus Sicht der Kunst" hieß am 28. Juni 2009 das Thema im Berliner Ensemble. Der Schweizer Journalist Frank A. Meyer lud Markus Lüpertz zum Krisengespräch. Zum Auftakt bekam der Maler, Bildhauer und Provokateur Lüpertz aber erst einmal selbst die Krise: "Diese existenzielle Krise, die Finanzkrise, das ist doch kein Thema", empörte sich der Künstler.
"Was ist das für ein Thema? Um Gottes Willen! Da haben ein paar Leute jetzt nicht mehr 20 Millionen, sondern nur noch fünf", so Lüpertz. "[…] Die Leute haben alles, was sie brauchen. Und selbst dann haben sie sogar auch noch einen Staat, der gerade gezwungen ist, Wahlgeschenke zu machen und sich die Leute auf der Straße kauft: Es gibt dann noch Hartz IV, es gibt Unterstützung. Die Menschen wissen gar nicht, was Krise ist."

"Krise" ist das zweite Wort für Kunst
Künstler Lüpertz als Krisenexperte, die Finanzkrise Katastrophengeschwätz, instrumentalisiert von Politikern, mitgemacht von den Medien. Aber: kein Thema der Kunst, jener Disziplin, die wie keine andere Krisen "lebt". "Für einen Künstler ist eine Krisensituation nichts Neues", sagt Lüpertz. "Wenn ich ein zweites Wort für Kunst finden müsste, dann wäre 'Krise' sicherlich ein Favorit."

Die Rezession ist also keine Krise. Doch was ist mit jener Kunst, die mit dem Markt in wahnwitzige Höhen aufstieg? Hyperventilierte? Reines Spekulationsobjekt wurde? Hat der Hype die Kunst etwa nicht in die Krise mitgerissen? Für Lüpertz ist dies nur ein Problem der "Genrekunst", nicht der "großen" Kunst.

Zeitgeist steht und fällt mit dem Geld
"Diesen Unterhaltungswert von Kunst hat es immer gegeben", sagt Lüpertz. "Diese Hirsts. Und wenn diese den Leuten Ehrfurcht vor Geld beibringen und einen Haifisch in Formaldehyd in einen Eingang eines Hochhauses stellen." Wenn die Leute wüssten, dass das fünf Millionen Euro gekostet hat, dann sei das sehr beeindruckend. "Das ist Zeitgeist. Das ist Genre. Die fallen und stehen aber dann auch mit dem Geld. Sie haben keine Chance, in den Olymp zu kommen und da gehören sie auch nicht hin."

Kokett und scharfzüngig ist Lüpertz' Auftritt. Wer käme für ihn in Frage für den Olymp? Was wäre eine nennenswerte Krise aus seiner Sicht? "Ich bin dafür da, dass diese Zeit mit großer Kunst heimgesucht wird", sagt er. "Ich bin lediglich der Garant für eine demokratische Zeit, die Künstler machen lässt, was sie wollen. Und wenn das in die Krise käme, wenn wir eine Diktatur hätten, wenn hier plötzlich Kunst verboten würde, wenn hier Kunst plötzlich geschulregelt würde. Oder wenn Kunst letztendlich sich nur dem Geld verkaufen würde, dann hätten wir eine Krise."

Lüpertz plant private Kunstakademie
Eine Krise mochte der Künstler also doch ausmachen. Er will ihr sogleich entgegenwirken: mit einer privaten Kunstakademie in Potsdam. "Souci", "die Sorge", soll sie heißen. Schlägt in der Namenswahl etwa doch das Krisengefühl durch? "Ich meinte das eigentlich im philosophischen Sinne, des 'sich um sich sorgen' und als ganz selbstverständlicher Umgang miteinander als soziale Idee, dass man sich um die Bildung kümmert, um den Nächsten kümmert", so der Künstler.

In der antiken Philosophie dreht sich die Sorge vor allem um das Selbst. Markus Lüpertz hat gezeigt, wie wichtig Selbstbewusstsein ist in der Krise und der Sinn für Relationen.

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