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Da, da & da
Kulturelle Höhepunkte des Wochenendes
Lesung, Ausstellung, Konzert, Theater und vieles mehr - unsere Kulturzeit-Reporter sind dabei und berichten, was am Wochenende so los war ...
Glaubenskämpfer
Kerstin Edinger hat für uns die Premiere des Theaterstücks "Glaubenskämpfer" am Schauspiel Köln besucht: Juden, Christen, Muslime und Nicht-Gläubige streiten um den Glauben. In diesem Stück kommen Menschen auf die Bühne, die authentisch aus ihrem Leben berichten. Starke Persönlichkeiten wie der Ex-Salafist Dominic Schmitz. Er erzählt, wie er zum Extremisten wurde. "Der Glaube hat mir die Kraft gegeben, aus diesem Kiffsumpf rauszukommen - und hat mir einen Grund gegeben, morgens aufzustehen" sagt er. "Und dann bin ich konvertiert, in eine 1,5 Milliarden große Familie von Brüdern, die auch Brüder waren." Nuran David Calis hat das Stück entwickelt und dezent arrangiert. Er überlässt es den Darstellern, die Texte frei zu improvisieren. "Ich glaube, dass wir ein massives Dialogproblem haben", sagt er. "Mit so einem Theaterabend gelingt es mal, alle Parteien total offen und direkt miteinander in ein Verhältnis zu bringen. Auf so einer Bühne können die total extremistischen Gedanken mit den weniger extremistischen sich verbinden, in einen Dialog treten."
Theater
"Glaubenskämpfer"
von Nuran David Calis
Schauspiel Köln
Regie: Nuran David Calis
Premiere: 27.02.2016
weitere Aufführungen:
11. und 23.03.2016
03. und 16.04.2016

Um Dialog geht es, das Miteinander-Sprechen. Und um die säkulare Welt, die nicht mehr versteht, warum ihr gerade alles entgleitet. Der Gläubige hat seine Wahrheit und damit die Werte, nach denen der Ungläubige sucht. In diese Lücke stoßen die Extremisten. Nuran David Calis will etwas bewegen und nutzt die Bühne als politisches Forum. Sich selbst nimmt er dabei völlig zurück. Das ist kein Theaterstück, das ist die Wirklichkeit. Alle Beteiligten erzählen hier von ihren privatesten Glaubensmomenten. Das macht das Stück so relevant, so brisant. Es geht unter die Haut. Es ist aber auch ein Plädoyer fürs Theater als sinnstiftende gesellschaftliche Institution, wo Dialog noch möglich ist.

Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie
© dpa Lupe
Miriam Böttger hat sich die Ausstellung "Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie" angesehen: Boris Lurie war ein Außenseiter. Ein konsequenter Außenseiter, wie das Jüdische Museum Berlin jetzt in einer großen Retrospektive zeigt. "Keine Kompromisse", so der entsprechende Titel der Schau, war für Lurie, den Begründer der No-Art-Bewegung, Programm. Lurie sagte "No" zu Konsum, Sexismus, Repression, "Nein" auch zum ganzen Kunstbetrieb. 1924 in eine gebildete jüdische Familie geboren, wuchs Lurie in Riga auf. 1941 wurden seine Mutter, Großmutter und Schwester von den Nazis ermordet. Er selbst überlebte das Konzentrationslager Buchenwald.
Kunst
"Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie!"
Jüdisches Museum, Berlin
bis 31.07.2016

Gleich nach dem Krieg thematisierte er ganz konkret seine Lagererfahrungen, indirekt spielten sie aber immer eine große Rolle in seinem Werk. 1946 emigrierte er mit seinem Vater in die USA, wurde Teil der New Yorker Kunstszene. Ein Bild führte 1963 zu einem Skandal. Lurie hatte in Zeitschriften Fotos des Holocaust neben Anzeigen entdeckt, mit seiner Collage kritisiert er das gleichmacherische Nebeneinander von Bildern, die alle nur noch visueller Reiz sind. Lurie spielte zwar mit Elementen der Pop-Art, war aber ein erbitterter Gegner dieser Kunstrichtung und ihrer Konsum-Verherrlichung. Jackie Kennedy ist bei ihm keine Glamour-Queen, sondern bestenfalls ein Pin-Up für bessere Kreise.Ein Glücksfall ist das Filmmaterial, das Luries Charisma, seine Denkweise und seinen Witz zeigt, dieser Witz besteht auch darin, dass sich der Antikapitalist Lurie, der fast keine Bilder verkaufte, selbst mit Börsengeschäften finanzierte.

King Arthur
Markus Tischer hat der Semi-Oper "King Arthur" am Opernhaus Zürich gelauscht: Das Werk von Henry Purcell ist halb Barock-Oper, halb Schauspiel. Am Opernhaus Zürich bringt das Regisseur Herbert Fritsch auf die Bühne. Er ist berühmt für Theater unter Volldampf - und kann immer auf starke Schauspieler setzen. Wie diesmal Wolfram Koch und Corinna Harfouch. Und die steckt hinter dem Zauberer Merlin, der dem legendären König Artus beisteht. Artus ist bei Wolfram Koch eher ein Don Quijote. Die tragenden Rollen liegen an diesem Abend bei den Schauspielern.
Oper
"King Arthur"
Semi-Oper von Henry Purcell
Opernhaus Zürich (CH)
Regie: Herbert Fritsch
Musikalische Leitung: Laurence Cummings
Premiere: 27.02.2016
Weitere Aufführungen:
01., 03., 11., 16., 18., 20. und 28.03.
01.04.2016

Wolfram Koch wird dafür selbst zum Instrument auf der Opernbühne, in seiner 26 Kilogramm schweren Ritterrüstung, in die ihn sein Lieblingsregisseur Herbert Fritsch den ganzen Abend hineinsteckt. "Man kann tatsächlich einen Rhythmus damit machen", sagt der Schauspieler. "Gleichzeitig ist es aber schwer und man muss versuchen, da irgendwie rauszukommen aus diesem Mordsgewicht." Dabei hilft die Musik. Den Opernsängern in unwerfenden Kostümen gehört die Feen- und Geisterwelt auf Arturs Heldenreise. Um die Liebe der schönen Emmeline wird an diesem Abend mit viel Humor gekämpft - und auch einigem Klamauk. Der Riesenspaß, den Schauspieler und Musiker gemeinsam an diesem Stück haben, ist ansteckend. Ein wunderbar übersteuertes Fantasie-Spektakel aus Barock, ein bisschen Dada und der Musik von Henry Purcell, die glücklich macht.