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Lupe
Da, da & da
Kulturelle Höhepunkte des Wochenendes
Lesung, Ausstellung, Konzert, Theater und vieles mehr - unsere Kulturzeit-Reporter sind dabei und berichten, was am Wochenende so los war ...
Inferno
Das Haus der elektronischen Künste in Basel zeigt die Roboter-Performance "Inferno". Katrin Seibold war eine von zwölf Teilnehmern, die in eine Robotermaschine eingespannt werden. Die beiden Künstler aus Kanada, Bill Vorn und Louis-Philippe Demers, wollen einen Trip durch die Hölle kreieren. Dantes Inferno diente ihnen als Vorlage. Die Apparatur wiegt 15 Kilogramm und wird wie ein Rucksack festgeschnallt. Die Kamera auf dem Kopf soll meine Perspektive mitfilmen.
Performance
"Inferno"
Performance mit Publikumsbeteiligung von Louis-Philippe Demers, mit Musik von Bill Vorn.
Haus der elektronischen Künste, Basel (CH)

"Es ist immer ein Spiegel von uns selbst", sagt Louis-Philippe Demers. "Wir erschaffen die Werkzeuge, deshalb sehen die Werkzeuge auch aus wie wir. Wir sind sehr anthropozentrisch in unseren Reaktionen. Wenn Mensch und Maschine verschmelzen, rückt der Spiegel sehr nah an uns heran." Jemand bewegt mich, ich werde bewegt, also bin ich - so könnte das neue Selbst- und Menschenbild heißen. Schweißtreibend ist das auf jeden Fall. Mein Rücken spannt, ich merke die 15 Kilogramm Gewicht. Die Leute um mich herum hatten alle ziemlich viel Spaß. Wenn Mensch und Maschine so zusammentreffen, dass der Mensch mit Kreativität reagiert, also wie hier mit Tanzen, dann ist das gar nicht im Sinne der Erfinder. "Es geht um Kontrolle", um etwas "sehr Faschistisches", sagt Bill Vorn. "Aber alle mögen es, sie genießen es, mögen es, kontrolliert zu werden, das ist etwas paradox."
Mediathek
Video "Inferno" in Basel - Clip
(15.02.2016)

Oper ohne Grenzen
© 3sat, Matthias Creutziger Lupe
Steffi Moritz hat in der Semperoper die "Oper ohne Grenzen" gehört: Die Idee dazu entstand Ende 2015 auf der deutschsprachigen Opernkonferenz, als Wolfgang Rothe, Intendant der Dresdner Semperoper, von den fremdenfeindlichen Kundgebungen vor seinem Haus berichtete: "Wir müssen etwas tun und Signale gegen Fremdenhass in die Welt senden", sagt Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin. Und Rothe erklärt: "Wir müssen uns jeden Tag mit einem internationalen Ensemble und internationalen Werken auseinandersetzen, und das mit Respekt." Das Ergebnis ist eine Konzertreihe gegen Rassismus, die bewusst in Dresden beginnt.
Konzertreihe
"Oper ohne Grenzen - Konzert für eine offene Kultur"
12.02.2016: Semperoper Dresden
19.02.2016: Oper Leipzig
03.04.2016: Oper Frankfurt / M.
18.04.2016: Opernhaus Düsseldorf
29.05.2016: Oper Berlin
MDR-Mediathek
Sachsenspiegel: "Oper ohne Grenzen"
(12.02.2016)

Schnell waren die Karten vergriffen. Sie wurden für zehn Euro verkauft, da die Künstler auf ihre Gage verzichteten: "Ich lebe meinen Job multikulti, meine Kinder sind halb iranisch, das ist Normalität für mich und damit eine klare Sache, ohne geschäftlichen Sinn hier zu singen", sagt Sänger Christoph Pohl. Bisher planen noch Leipzig, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Berlin Opernabende ohne Grenzen - um zu zeigen: Kultur kann vollkommen vorurteilsfrei sein. Doch damit eine Gesellschaft vorurteilsfrei wird, sind Debatten ohne Hass, aber mit Menschlichkeit nötig. Der Abend in Dresden war ein voller Erfolg - ein klingendes Plädoyer für einen offenen Geist.

James Casebere
Nicolette Feiler-Thull hat die James-Casebere-Ausstellung im Münchner Haus der Kunst besucht: Direktor Okwui Enwezor richtet Casebere eine Retrospektive aus - die erste in Deutschland. In Hitlers ehemaligem Tempel der deutschen Kunst in München inszeniert sich Architektur wie ein Abbild der Apokalypse. 2009 schuf Casebere eine trügerische Idylle mit bunten Einfamilienhäusern. Die Immobilienkrise hatte schon zugeschlagen: "Ich wollte vor allem diesen menschlich gemachten Moment der Krise einfangen, und den damit verbundenen Verfall der Häuser abbilden, wenn sich der amerikanische Traum verflüchtigt", sagt er. In seinem Atelier baut er kleinste Architektur-Modelle, die er dann fotografiert und oft wie Filmstills inszeniert. "Flüchtig" heißt die Schau.
Austellung
"James Casebere. Flüchtig"
Haus der Kunst, München
Bis 12.06.2016

Dabei meißeln sich Caseberes Bilder ins Gedächtnis. Am Anfang, 1975, war er noch spielerisch dadaistisch. Später flutet er Guantanamo genauso wie Herrschaftsräume, eine Kritik an Amerikas Irak-Politik: Den Mächtigen bleibt nur die Fäulnis. Das hat zugleich etwas Reinigendes. Seine spielerische Befassung mit der NS-Vergangenheit hat er extra für das Haus der Kunst geschaffen. "Diese unglaublichen fahnenschwenkenden Menschenmassen, die lauthals blinden Gehorsam herausbrüllen. Die Erforschung dieses Spektakel, das war der Kern meiner Arbeit", sagt der Künstler. James Casebere lehrt uns das Gruseln. An diesem historischen Ort wirken die Bilder umso heftiger, und doch lassen sie uns immer einen Ausweg. Das ist das Tolle an dieser Schau.