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Kulturzeit heute
27. Mai 2016
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Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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Da, da & da
Kulturelle Höhepunkte des Wochenendes
Lesung, Ausstellung, Konzert, Theater und vieles mehr - unsere Kulturzeit-Reporter sind dabei und berichten, was am Wochenende so los war ...
Viel gut essen
Wenn schlecht gelaunte Männer über Ausländer, Schwule und Frauen herziehen, handelt es sich um ein Stück von Sibylle Berg. Uta Kenter hat für uns die Premiere von "Viel gut essen" am Schauspielhaus Zürich besucht: Sebastian Nübling weiß, wie man Bergs Stücke klug und überraschend inszeniert. Auch dieses Mal? Die Hauptfigur ist ein Mann, dargestellt von drei Schauspielerinnen, die das so gut machen, dass man zweimal hinschauen muss. Dem Mann ist die Frau weggelaufen. Er hadert mit der Welt. Denn er selbst - so meint er - habe doch alles richtig gemacht. Während er so erzählt, merkt man, dass sein Leben nur noch eine Fassade ist. Eine gescheiterte Existenz. Er versucht, die Frage zu vermeiden: "Was könnte das mit mir zu tun haben?", indem er permanent nach außen schießt. Der Text fängt ganz gut gelaunt an und nimmt so eine rechtspopulistische Kurve.
Theater
"Viel gut essen"
von Sibylle Berg
Schauspiel Zürich (CH)
Regie: Sebastian Nübling
Premiere: 06.02.2016
Weitere Aufführungen:
09., 10., 18., 19. 21. und 27.02.2016
04., 06., 08., 14. und 21.03.2016
02.04.2016

"Viel gut essen" ist eine hilflose Tirade, die uns klar macht: Wir sollten diese wütende Ohnmacht nicht unterschätzen. Sebastian Nübling zeigt eine bröckelnde Existenz. Man hat Mitleid. Man lacht. Und am Schluss hat man Gänsehaut.

Brutal schön - Gewalt und Gegenwartsdesign
Kerstin Edinger war im Museum MARTa in Herford: Terror, Krieg, Gewalt ist allgegenwärtig, in der schönen Welt des Designs oft jedoch ein Tabuthema. Das Museum MARTa Herford hält dagegen. Gewalt und Design scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzugehören. Die Ausstellung will das Gegenteil beweisen. "Brutal schön" lautet der ambivalente Titel. Geschmolzene Spielzeugsoldaten als dekorative Obstschale, rot wie eine Blutlache, oder eine Handtasche, mit der man bei einer Sicherheitskontrolle sicher Ärger bekommt - die meist jungen Designer wollen provozieren. Doch wieviel Kritik kann in Gebrauchsdesign überhaupt stecken?
Kunst
"Brutal schön - Gewalt und Gegenwartsdesign"
MARTa Herford
bis 01.05.2016

Die Stärke der Projekte sei, so Friederike Fast, Kuratorin der Schau, "dass sie uns anstecken mit ihrem Geist, doch auch zu überlegen, wie kann man solidarischer denken, wie kann man die Welt verändern zu einem besseren." Eine der Thesen lautet: Design kann auch politisch sein. Israel ist deshalb ein Schwerpunkt der Ausstellung. Auschwitz-Zäune werden zu Kleiderständern, Raketen zu schönen Schokobonbons. Gewalt und Design sind oft eng miteinander verbunden. Die Trennlinie ist gering. Ein Sicherheitszaun von Matthias Megyeri zeigt sich als lieblich schön und doch tödlich gefährlich. Oder ein Gebetsteppich aus Afghanistan: Kriegshubschrauber treffen hier auf Kunsthandwerk. Wenn der Gewaltbegriff zunächst auch etwas zu breit gefächert erscheint, macht es doch Spaß, die Geschichten hinter den Objekten nach und nach zu entdecken. Die Ausstellung zeigt auf angenehm lockere Art und Weise, dass Design mehr ist als Funktionalität und Ästhetik.

Suede
Martin Niessen hat die Band Suede bei ihrem einzigen Deutschland-Konzert in Hamburg gesehen: Düster und melancholisch ist die Musik und die Bilder, die über die Leinwand vor der Bühne flimmern, sind es auch. "Night Thoughts", Nachtgedanken, heißt das neue Album der Britpop-Veteranen von Suede, vorgestellt bei einem exklusiven Konzert im Hamburger CCH. In den ineinander verwobenen Songs geht es um das nachts Wachliegen, um das sich fragen, was falsch gemacht, was versäumt worden ist im Leben. Kein Konzeptalbum, sondern ein Album im klassischen Sinne, findet die Band. "Im Jahr 2016 heißt es, das Album ist tot", sagt Mat Osman, Gründungsmitglied und Bassist von Suede. "Alles muss in Einzelteile zerlegt werden, ein Promovideo auf Youtube haben, oberflächlich und schnell sein. Ein Album, das langsam und nachdenklich ist, das eine Geschichte erzählt und das man mehrfach hören muss, hört sich vielleicht radikal an, aber es ist einfach ein richtiges Album."
CD
"Night Thoughts"
von Suede
Rhino (Warner) 2016
Konzert in Hamburg am 05.02.2016
Statement von ...
Video Mat Osman, Bassist von Suede
(08.02.2016)

Klangteppiche mit Streichern und der das Album begleitende Film des Fotografen Roger Sargent verstärken die Düsternis: Ein Mann ertrinkt an einem einsamen Strand und lässt sein Leben Revue passieren. Front-Mann Brett Anderson suhlt sich dazu in Melancholie. Früher besang Suede das jugendlich-rebellische Außenseitertum, nun sind es die Ängste und das Bedauern des Alters. Das klingt nach Midlife Crisis und ist manchmal ein bisschen zu viel des Guten, beziehungsweise des Schlechten. Trotzdem ist "Night Thoughts" eines der besten Alben der in die Jahre gekommenen Indie-Rocker. Sie haben viel von ihrer Rotzigkeit verloren, sind gefälliger geworden, aber auch reifer. Dass sie mit fast 50 nicht die Berufsjugendlichen mimen, wird manch langjährigen Fan vielleicht verprellen. Übelnehmen darf man es den einstigen Wegbereitern des Britpop nicht.