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26. Mai 2016
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Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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Kulturelle Höhepunkte des Wochenendes
Lesung, Ausstellung, Konzert, Theater und vieles mehr - unsere Kulturzeit-Reporter sind dabei und berichten, was am Wochenende so los war ...
La Juive
Nicolette Feiler-Thull hat am Nationaltheater Mannheim die Premiere der Oper "La Juive" gesehen: Peter Konwitschny führt Regie. Es gibt keine Ouvertüre, er steigt gleich ein in das gewaltige Musikspektakel des Franzosen Halèvy von 1835, in den Kampf der Religionen. Ein Christen-Mob zwingt den Juden Eleazar und dessen Tochter Rachel in christliche Gewänder. Bei Konwitschny wird Rachel zur Terroristin. Provokant. "Wenn Oper nicht tot sein will, dann muss sie uns auch provozieren, bestimmte Dinge zu bedenken", sagt Konwitschny. "Natürlich immer auch mit der Katharsis, dass das schön ist, was wir sehen, uns berührt als Menschen, aber es muss erschrecken, besonders bei solch einem Thema. Da kann man doch nicht drunter bleiben."
Oper
"La Juive"
von Fromental Halévy
Nationaltheater Mannheim
Regie: Peter Konwitschny
Premiere: 10.01.2016
Weitere Aufführungen:
12., 20. und 28.01.2016
05. und 12.02.2016

Die Jüdin Rachel ist in Wahrheit Christin und Tochter des Kardinals. Doch der Ahnungslose verurteilt sie zum Tode. Von der Wahrheit erfährt er zu spät - großartige Stimmen, großartig inszeniert. Hier stimmt einfach alles. Mitreißende Arien und ein karges Bühnenbild geben viel Raum für konkrete Verzweiflung. Angesichts der Gewaltakte von Paris und Köln lehrt uns diese Oper, dass immer da, wo religiöse Dogmen Hass und Gewalt säen, kein Happy End sein kann.

Hiroaki Umeda/Company S20
Kerstin Edinger war für uns beim Festival "Temps d'images" im Tanzhaus NRW: Neun Tage lang Tanz und Medienkunst und den spektakulären Anfang macht der Japaner Hiroaki Umeda. In seiner Performance "Split Flow" macht er die Grundfarben von weißem Laserlicht durch seine Bewegungen sichtbar. Ein Rausch für die Sinne. Der Körper muss sich gegen Sound und Licht behaupten. "Technisch gesehen, muss ich meinen Körper extrem entspannen", sagt Hiroaki Umeda. "Ich muss mich sensibilisieren und mich ständig fragen: Was passiert um mich herum? Was passiert mit meinem Körper? Mein Stück besteht sehr viel aus Improvisation, ich lege nicht viele Bewegungen vorher fest. Ich bekomme sehr viele Impulse von meiner Umgebung. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, manchmal wird mein Körper selbst zur Umgebung."
Tanz
Hiroaki Umeda/Company S20
Tanzhaus NRW, Düsseldorf
08. und 09.01.2016

Der zweite Teil des Abends: "Intensional particle": ein digitaler Bildersturm. Der Mensch ist darin nicht mehr als ein Pixel im Gesamtkunstwerk. Es sind Bewegungen zwischen Ballett, dem japanischen Tanztheater Butoh und Hiphop. Für Umeda sind alle Tanzstile ähnlich, weil sie nach den gleichen physikalischen Grundprinzipen funktionieren. Wenn man hier rauskommt, flimmern einem die Augen, die Ohren dröhnen, das Herz pocht. Unbeteiligt bleibt man bei diesem Abend nicht. Doch das Stück bietet mehr als nur Ästhetik und Hightech - es steckt auch viel Philosophisches darin: Der menschliche Körper im Raum ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern auch nur simple Materie. Ein beeindruckender Abend, der viele Facetten hat.

Isabelle H. (geopfert wird immer)
Katrin Seibold hat sich für uns die Uraufführung des Stücks "Isabelle H." in Kaiserslautern angesehen: Das Pfalztheater beginnt das neue Jahr in der Werkstadtbühne mit der Uraufführung des Stücks, das mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis prämiert worden ist: "Isabelle H. (geopfert wird immer)". Darin kehrt ein deutscher Soldat aus Afghanistan zurück und trifft auf eine Flüchtende, die den Namen eines Stars trägt: Isabelle Huppert. Beide sind traumatisiert. Der Autor Thomas Köck aus Oberösterreich gilt als einer der vielversprechendsten deutschsprachigen Dramatiker. Die Idee zum Stück hatte er bereits vor vier Jahren. Heute könnte es kaum aktueller sein.
Theater
"Isabelle H. (geopfert wird immer"
von Thomas Köck
Pfalztheater Kaiserslautern
Regie: Ingo Putz
Uraufführung: 07.01.2016
Weitere Aufführungen:
13., 15., 19.,21., 26., 27. und 29.01.2016
11. und 13.02.2016
05. und 12.03.2016

Was erst nach Hoffnung aussieht, verwandelt sich in einen Abgrund, in dem die Opfer zu Tätern werden. Bedauerlich, dass dem Zuschauer Vergewaltigung und Schlägerszenen zugemutet werden, die nicht in den Regieanweisungen stehen. Damit verflacht die Regie das Stück. In dieser Inszenierung sieht Autor Thomas Köck sein Stück nun zum ersten Mal - und das kritisch: "Ich bin kein Fan von Vergewaltigungen, die auf der Bühne stattfinden, oder überhaupt sexualisierte Gewalt, die mir nochmal gezeigt wird, weil ich glaube, das wirkt immer verkleinernd." Insgesamt aber erlebt der Zuschauer ein spannendes, hochbrisantes Road-Movie à la "Bonnie und Clyde", von beiden Hauptdarstellern exzellent gespielt. Dichter kann eine literarische Vorlage kaum sein. Die Fratze des Happy-Flüchtlings-Welcomes erwischt den Zuschauer kalt. Wer in diesen gesellschaftlichen Spiegel sieht, kommt nicht nur mit dem Schrecken davon, sondern auch mit Erkenntnis.