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Archiv & Vorschau
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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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Da, da & da
Kulturelle Höhepunkte des Wochenendes
The World Is Not Fair
Sönje Storm hat sich die Ausstellung "The World Is Not Fair" auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin angesehen: Willkommen im Super-Gau, bei Dokumentar-Theater aus Japan, das die Ruine von Fukushima auf das Tempelhofer Feld stellt. Regisseur Toshiki Okada beschäftigt die Unermesslichkeit von Katastrophen. Dafür rekonstruiert er die Bilder, die wir aus den Nachrichten kennen, und bricht diese dann mit ganz einfachen, kindlichen Assoziationen vom "Fallout". Die erste Performance überzeugt auf der "großen Weltausstellung 2012 - The World Is Not Fair“, die das Theater Hebbel am Ufer zusammen mit dem "raumlaborberlin" auf dem ehemaligen Flughafen zeigt. In der Weite verlieren sich die Pavillons, in denen Künstler und Architekten sich ironisch mit dem Thema "Expo" auseinandersetzen. Statt nationalem Marketing gibt es hier sehr subjektives Nachdenken über die Welt, über Stadt und Räume.
Ausstellung
"The World Is Not Fair - Die große Weltausstellung 2012"
Flughafen Tempelhof, Berlin
bis 24.06.2012

"Ich finde Tempelhof deswegen super, weil man überall außerhalb von Berlin, auch in Brandenburg, keinen freien Blick hat", sagt der Dramaturg und Intendant Matthias Lilienthal. "Da ist immer so eine blöde Endmoräne oder irgendein blöder Wald. Aber hier kann man vier Kilometer weit gucken. Hier gehen jeden Sonntag 70.000 Menschen hin, das ist der eigentliche Ausge-Boulevard der Stadt und diesen kulturell zu kommentieren, war die Idee." Das "World Freud Center" der Künstlergruppe "andcompany" widmet sich der Analyse gestörter psychosozialer Zusammenhänge - komplexe Gedanken, die in der Weite des Feldes ihren Raum finden. In der ehemaligen Antennenanlage zeigt Hans Werner Kroesinger Dokumentar-Theater zur politischen Geschichte Tempelhofs. Spannend: Für den Zuschauer verschieben sich ständig die Ebenen - folgt man Schauspielern oder Touristenführern? Ausstellungsmacher Lilienthal rät: Kommt mit dem Fahrrad. Ende Juni 2012 verlässt er Berlin - ein schwerer Verlust für das Hebbel am Ufer.

Fluxus at 50
Gudrun Bold hat die Geburtstags-Ausstellung "Fluxus at 50" in Wiesbaden besucht: Mit einer Klavier-Zertrümmerung fing alles auf den Festspielen für "Neueste Musik" an, 1962, im Museum Wiesbaden. Der Skandal machte Fluxus mit einem Schlag bekannt. Zum 50. Geburtstag kehrt Fluxus an den Ort des Ursprungs mit Ausstellungen und Aktionen zurück. Zu sehen sind neben Exponaten auch die Originalstühle der damaligen Performance, Nam June Paiks Werk "Zen For Head" auf der Videowand - mit dem Originalpapier als Ausstellungsobjekt. Gerade da liegt die Crux von Fluxus: Fluxus lebt von der sponanten Performance. "Fluxus im Museum"- geht das überhaupt?
Ausstellung
"Fluxus at 50"
Museum Wiesbaden
bis 23.09.2012

Die Ausstellung reflektiert die Geisteshaltung der Neo-Dadaisten: "Alles Alltägliche ist Kunst". Was sie nicht vermittelt, ist das Lebensgefühl von damals - wäre da nicht der Pavillon von Benjamin Patterson mit Raum für geplante Aktionen. Doch wie konnte der Skandal damals eine solche Wirkung haben? "Gerade weil Wiesbaden nicht eine Stadt der Avantgarde war, eher ruhig, man könnte konservativ sagen, war die Resonanz umso größer, weil es in diesem bürgerlichen Umfeld geschah", so der Fluxus-Künstler Patterson. Dann gibt es Fluxus zum Anfassen: "Identical Lunch" - eine Neuauflage von Allison Knowles Performance mit Thunfisch-Sandwiches aus den 1960ern. Wer dem Lebensgefühl von damals nahe kommen will, kann sich schon auf eine neue Klavier-Zertrümmerung im September 2012 freuen.

Maximo Park
© Universal Lupe
Lisa Jandi war bei einem ungewöhnlichen Auftritt von Maximo Park: Die Indie-Rocker aus Nordengland stellen nach drei Jahren Pause ihr neues Album vor - nicht irgendwo, sondern in einer Berliner Straßenbahn. Es ist ein Comeback auf Schienen. "The National Health" heißt der neue Mix aus Rock, Pop und elektronischer Musik. Und der kommt gut an. "Es ist auf jeden Fall typische Maximo-Park-Musik", sagt Sänger Paul Smith. "Aber sie ist noch dynamischer geworden. Die lauten Stellen in einem Song sind jetzt richtig laut, die ruhigen richtig ruhig. Unser neues Album ist sehr abwechslungsreich. Wir haben das Beste aus den letzten drei Platten zusammengetan."
Konzert
Maximo Park
U-Bahn, Berlin
01.06.2012

"The National Health" ist ein solides Gitarrenrock-Album mit Ohrwurm-Potenzial. Wohl auch deshalb bezeichnet die Band selbst es als die Greatest-Hits-Collection, die sie nie hatten. Auf ihrer Europa-Tournee 2012 kommt Maximo Park dann auch noch einmal in Deutschland vorbei - ein gelungenes Comeback. Auch wenn es ein wenig wackelig ist: Das Ticket für diese Straßenbahnfahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es war ein ungewöhnliches Konzert für eine außergewöhnliche CD. Da kann man nur hoffen, dass Maximo Park nicht wieder drei Jahre Pause machen.
CD
Maximo Park
"The National Health"
Vertigo Berlin (Universal) 2012