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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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Auf der Biennale von 1997 putzt die Künstlerin blutige Rinderknochen
Stations: Marina Abramović
Meisterwerke zeitgenössischer Kunst: 41
Vier Tage lang leistete Marina Abramović 1997 wortwörtlich Knochenarbeit: Auf der Biennale von Venedig saß sie auf einem riesigen Haufen von Rinderknochen und säuberte diese. Das Foto von ihrer Performance "Balkan Baroque" ging als Sinnbild für die blutigen Konflikte auf dem Balkan in die Kunstgeschichte ein.
Als Marina Abramović dafür den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewann, war es für die gerade 50-Jährige die Erfüllung eines Traums, aber auch ein Albtraum. Heute erinnert sie sich an ihre gemischten Gefühle von damals: Hier das Gesamtkunstwerk Venedig, in alter Schönheit und Melancholie, dort die Feier der zeitgenössischen Kunst in den Gärten der Biennale - und übers Meer der Krieg in ihrem Heimatland, Ex-Jugoslawien. "Ich schwebte über allen Wolken, als ich den Goldenen Löwen bekam", berichtet die Künstlerin. "Aber dann die absolute Härte: Ich musste sofort wieder zurück in die Hitze, in diesen fast unerträglichen Gestank - und noch einen Tag lang Knochen putzen."

Montenegros Regierung blamiert sich
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Marina Abramović
Nach einem politischen Eklat hatte Marina Abramović im italienischen Pavillon Exil gefunden. Die Künstlerin, in Belgrad geboren, mit Vorfahren aus Serbien und Montenegro, war ursprünglich eingeladen worden, die Ehre Montenegros im jugoslawischen Nationalpavillon zu vertreten. Und sie hatte auch einen Entwurf ihrer Kunst-Aktion geschickt. "Aber dann: Schweigen, ein, zwei, drei Monate lang passierte nichts", erinnert sie sich. "Bis ich in den Zeitungen las, was der Kulturminister von Montenegro von sich gegeben hatte: Alles ein Missverständnis, ich sei gar nicht eingeladen. Die Kosten für meine Arbeit wären so groß, dass die armen Rentner in Montenegro nichts mehr zu essen hätten. Und überhaupt: In unserem Land gäbe es viel wichtigere Künstler. Plus: Mein Werk würde schlecht riechen. Ich fühlte michgrundlos angegriffen. Erst die Einladung, und dann diese Attacken. Das hat mich sehr verletzt."

Als sie die Trophäe der ehrwürdigsten aller Biennalen erhielt, applaudierte die Kunstwelt - und Montenegro blamierte sich wieder. Die Künstlerin berichtet: "Hinter mir saß der Kulturminister und schickte seinen Sekretär, der sagte: 'Um drei Uhr wird der jugoslawische Pavillon eröffnet. Können Sie da nicht kommen? Sie sind eine so große Künstlerin, haben ein großes Herz und werden uns sicher vergeben.' Und ich sagte: 'Oberste Tugend in Montenegro ist der Stolz. Ich bin wahrhaft Tochter Montenegros und voller Stolz'."

Trauerarbeit mit biblischen Bezügen
Lupe
Die Künstlerin zwischen ihren Eltern in einem Video
Vier lange Tage Knochenschrubben: Eine Trauerarbeit, die über aktuelle Bezüge zur jugoslawischen Tragödie hinaus an biblische Motive erinnerte, an Schuld und Sühne, an Leid und Mitleid. Aber auch ohne den Geruch von Verwesung, ohne die physische Präsenz der Abramović, wirkt ihre Performance weiter. In einer Video-Installation, die schon in Venedig zur Performance gehörte, bringt sie eigene Erfahrungen ein. Auf einem wie ein Kreuz dreigeteilten Schirm ist links ihr Vater, ein ehemaliger Partisan zu sehen und rechts die Mutter, eine Kulturkommissarin. Beide Elternteile waren Volkshelden in kommunistischen Zeiten. In der Mitte erzählt Marina wie brutal man bei ihnen Ratten vernichtet - eine Anspielung auf die ethnischen Säuberungen im Balkan. Friedliche Ratten werden zu Kannibalen, wenn man sie zusammensperrt und aushungert. Der letzten Ratte, die alle anderen aufgefressen hat, sticht man die Augen aus und lässt sie frei.

Die Künstlerin erklärt, warum die Performance "Balkan Baroque" heißt: "Der Begriff 'Barock' bezieht sich bei mir auf die Mentalität der Leute im Balkan. Sie sind voller Widersprüche, die kaum jemand von außerhalb versteht. Einerseits Hass, anderseits Liebe, sowohl Zärtlichkeit wie Grausamkeit. Dann diese absolute Verehrung von Helden und Helden-Legende. Zugleich aber auch der Hang zu billiger, fast pornografischer Unterhaltung - all das hält die Nation zusammen."

Zwischen Leid und Leidenschaft
So kippt auch ihre Rolle in dem Video um. Eben noch seriöse Wissenschaftlerin, wird Abramović zur Tänzerin aus einer Bar, wedelt frivol mit einem Tuch in der Farbe von Blut und Kommunismus. Das Video war in Venedig im Hintergrund ihrer Knochenputz-Performance zu sehen: die Künstlerin zwischen Leiden und Leidenschaft, ein Gleichnis auf diese Welt als Irrwitz, als ein Trauerspiel. "In dieser Arbeit ging es zunächst um die Situation im Balkan", sagt sie. "Aber nun, nach dem Ende des Krieges, kann 'Balkan Baroque' auch weiterleben im Hinblick auf andere Kriege, irgendwo, irgendwann. Und das ist mir wichtig: die Allgemeingültigkeit der Botschaft."

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Reihe: Meisterwerke zeitgenössischer Kunst - Teil IV
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