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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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Eine Bank als Kunstwerk: Liam Gillicks "Audioguide bench"
Stations: Liam Gillick
Meisterwerke zeitgenössischer Kunst: 37
Der Brite Liam Gillick wird 2009 den deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig gestalten - und er hat eines unserer Meisterwerke zeitgenössischer Kunst geschaffen: die "Audioguide Bench", frei übersetzbar mit "Bank für Kunsterklärungen vom Tonband". Gillick gehört zu den jungen britischen Künstlern. Er wurde aber nie so populär wie Damien Hirst, Tracy Emin oder seine Frau Sarah Morris. Seine abstrakt minimalistischen Arbeiten verweigern sich den Mechanismen des Kunstmarkts.
Gillick produziert nicht nur Kunst, er spricht auch viel darüber, schreibt Abhandlungen, arbeitet als Komponist und Ausstellungsmacher und pendelt zwischen Europa und seinem Wohnsitz New York hin und her. Wir haben ihn in New York besucht.

Den Raum aus verschiedenen Perspektiven betrachten
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Liam Gillick, Künstler
Im Museum steht eine Bank, nicht klassisch gerade, sondern s-förmig. Ein funktionales Möbelstück, das es ermöglicht, einen Raum aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten - einzeln, nebeneinander, miteinander. "Die s-förmige Bank ist wirklich etwas, das in Verbindung steht mit meinem Interesse, Wege zu finden, etwas Funktionales und zugleich Ästhetisches zu schaffen", sagt Gillick. "Etwas, das man für sich gesehen als Skulptur betrachten kann und das zugleich eine mögliche Funktion besitzt."

Ursprünglich hat der britische Künstler die "Audioguide Bench" 2008 für eine Gruppenausstellung im New Yorker Guggenheim Museum konzipiert. Aber so wie alle seine Werke ist auch sie nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Dank ihrer raffinierten Konstruktion aus zusammensetzbaren Kunststoff-Platten kann sie überall aufgebaut werden. Eine einfache Bank, die doch Kunst-Konventionen außer Kraft setzt, sie unterläuft. Das Kunstwerk, getarnt als Gebrauchsobjekt, wird unsichtbar.

Das sei im Sinne der "alten Geschichte mit dem Eiffelturm" gedacht gewesen, erklärt Gillick. "Der beste Platz, um ihn nicht zu sehen ist, wenn man oben steht. Es ist der einzige Platz, ihn zu umgehen. So ist es auch hier: Die Grundidee ist, dass man von diesem Werk aus nach anderen Dingen Ausschau hält."

Der Betrachter sitzt auf dem Werk
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Gillick: Der Betrachter muss wissen, wie man eine Bank benutzt
Ein kompliziertes Wechselspiel: Der Betrachter blickt auf eine leere Wand, weil er auf dem Kunstwerk selbst sitzt. Oder er betrachtet die Bank als Kunstwerk, das aber vorgibt, nur eine Museumsbank zu sein. Ein Gedankenspiel, das Fragen aufwirft um Kunst und ihr Verständnis: Kann der Betrachter ein Werk wirklich begreifen, wenn er darauf sitzt und sich per Tonband eine Interpretation darüber anhört? "Meine Arbeiten setzen sehr viel Vertrauen in die Intelligenz des Betrachters, dass er mich nicht braucht, um zu wissen wie man eine Bank benutzt oder wie man sie betrachtet, und dass jeder Betrachter für sich das herausholt, was er damit anfangen kann", so der Künstler.

Eine Ermutigung also selbst hinzuschauen ohne Hintergrund-Informationen und ohne hierarchische Abgrenzung zwischen Kunst und Design - ganz im Sinne der Bauhaus-Schule. Dabei zieht sich das Schaffen von Sitzmöbeln wie ein roter Faden durch das Werk Liam Gillicks. Offenbar eignet sich das Objekt "Bank" besonders als Modell für soziale Verhaltensmuster.

Im Fall der s-förmigen Bank habe er einer ansprechenden Form eine möglichst große Autonomie einräumen wollen, sagt Gillick. "Im Gegensatz zu einer runden oder einer länglichen Bank, sollte man sich hier möglichst ungestört und weit voneinander entfernt fühlen, auch wenn man sich räumlich ganz dicht beieinander befindet."

Diskussion versus Reflexion
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Runde Bänke schuf Gillick für die New Yorker School of Design
Dicht beieinander sitzt man auf einem Werk, das er für die New Yorker New School of Design konzipiert hat, eine Art "überarbeitete soziale Struktur": vier runde Schulbänke, als Alternative zum Frontalunterricht. So wie die Kreisform zum Diskutieren einlädt, fördert das nach allen Seiten offene Halbrund den Blick nach außen. Diskussion versus Reflexion - aber natürlich ist auch das nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Schließlich will Gillick seine Kunst nicht didaktisch verstanden wissen. Ihm geht es darum, das Konkrete in Strukturen zu fassen, darum, anhand ästhetischer Formen gesellschaftliche Fragen zu erörtern. Versteht er sich als Sozialutopist?

"Meine Art von Utopie hat einen ganz bestimmten Blickwinkel: sie ist sehr pragmatisch", sagt Gillick. "Sie ist genauer gesagt, gegen Utopie als Versprechen oder als Warnung gerichtet. Ich suche immer nach Spuren in einer Kultur, die das Potential haben, so etwas wie eine Alltags-Utopie oder eine Art dauerhafte Utopie zu liefern." Ein pragmatischer Idealist, der uns anregt, über vertraute Formen neu nachzudenken. Nicht das Objekt, die Bank, steht im Mittelpunkt, sondern der Denkprozess, den es in Gang setzt. Vorgefertigte Erklärungen gibt es nicht. Nur eine Einladung, die Dinge des Alltags neu zu betrachten - ganz entspannt und ohne autoritäre Stimme vom Tonband.

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Reihe: Meisterwerke zeitgenössischer Kunst - Teil IV
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