Die Kulturzeit-Nachrichten
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 12.04.2018
Bayreuths Unesco-Welterbe öffnet nach jahrelanger Sanierung wieder
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Sechs Jahre lang dauerte die aufwendige Sanierung, nun öffnet das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth wieder. Gefeiert wird das am 12. April 2018 zunächst mit einem Festakt mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU), danach kommt die gleiche Oper auf die Bühne wie schon bei der Eröffnung im Jahr 1748 - "Artaserse" von Johann Adolph Hasse. Rund 30 Millionen Euro ließ sich der Freistaat Bayern die Sanierungsarbeiten kosten. Das Opernhaus gilt als einzigartiges Zeugnis barocker Theaterkultur und kam deshalb 2012 auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Errichten ließ es die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine (1709-1758). Die preußische Prinzessin machte aus der Provinzstadt Bayreuth ein Zentrum für Kunst und Kultur.

Lesesessel von Karl Marx in seinem Geburtshaus eingetroffen
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Karl Marx hat darin viel studiert, geschrieben und wohl auch seine letzten Stunden verbracht: in seinem Lese- und Sterbesessel. Das Möbelstück wird künftig in der neuen Dauerausstellung in seinem Geburtshaus in Trier zu sehen sein, die am 5. Mai zum 200. Geburtstag des Philosophen öffnet. "Er wird ein besonderes Highlight", sagte die Leiterin des Museums Karl-Marx-Haus, Elisabeth Neu, bei der der Ankunft des Sessels am Donnerstag in Trier. Der Sessel aus Eichenholz habe in der Wohnung von Marx in London gestanden und sei bis zum Erwerb in Familienbesitz gewesen. "Wir verstehen diesen Sessel vor allem als Symbol für seine Ideen, die nach dem Tod weiterleben", sagte Kuratorin Ann-Katrin Thomm. Das Exponat werde so präsentiert, dass sich Besucher mit dem Denken von Marx auseinandersetzen könnten. "Es soll kein Wallfahrtsort werden."

Jean-Luc Godard und Spike Lee im Wettbewerb von Cannes
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Große Namen und politische Signale beim diesjährigen Filmfestival von Cannes: Im Wettbewerb um die Goldene Palme treten unter anderem die Regisseure Jean-Luc Godard und Spike Lee an, wie die Festivalleitung am 12. April 2018 mitteilte. Eingeladen sind zudem die regierungskritischen Filmemacher Jafar Panahi aus dem Iran sowie Kirill Serebrennikow aus Russland, der unter Hausarrest steht. Der französisch-schweizerische Regisseur Godard präsentiert bei dem 71. Festival von Cannes seinen Film "Le livre d'image" (Das Bildbuch), der US-Filmemacher Lee ist mit "BlacKKKlansman" vertreten. Panahis Film "Three Faces" nimmt ebenfalls am Wettbewerb teil, ebenso wie Serebennikows "Leto" (Der Sommer). Serebennikow war in einem umstrittenen Verfahren wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt worden. Weitere Kandidaten für die Goldene Palme sind der Italiener Matteo Garrone mit "Dogman" und die Französin Eva Husson avec "Les Filles du soleil" (Die Sonnenmädchen). Sie ist eine von drei nominierten Frauen.

Kulturstiftung will Kunstprojekte von Bürgern anstoßen
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Die Kulturstiftung des Bundes will mit einem neuen Programm lokale Kunstprojekte fördern. Für das Modellprojekt "Neue Auftraggeber" stehen bis 2021 insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung. Ziel sei es, lokale Initiativen bei der Realisierung von Kunstprojekten zu unterstützen, sagte die Sprecherin der Kulturstiftung des Bundes, Friederike Tappe-Hornbostel, am 12. April 2018 in Berlin. Dabei sollen von der Stiftung finanzierte Moderatoren den Diskussionsprozess vor Ort zwischen Bürgern, Künstlern und weiteren Kooperationspartnern wie etwa Kommunen und Sponsoren, begleiten. Erste Modellregionen sind die Flächenländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Industrieregion Rheinland-Ruhrgebiet. In den kommenden Jahren sollen 20 Pilotprojekte angeschoben werden. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich vor Ort Bürger zusammenfinden, die eine gemeinsame Idee umsetzen wollen.

SR zu Vorwürfen gegen Wedel: Verantwortung nicht gerecht geworden
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Nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Regisseur Dieter Wedel (75) im Zusammenhang mit einer TV-Produktion des Saarländischen Rundfunks (SR) hat der Sender Fehler der damaligen Verantwortlichen eingeräumt. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Funktionsträger ihrer besonderen Verantwortung nicht gerecht geworden sind", teilte der SR am 12. April 2018 mit. Der Sender hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Januar 2018 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, ihr vorläufiger Abschlussbericht liegt nun vor. SR-Intendant Thomas Kleist sagte zu den Ergebnissen: "Es war hart, erfahren zu müssen, wie die damaligen Ereignisse als 'Privatsache' behandelt worden sind und wie wenig nachhaltig den Betroffenen geholfen und Beistand geleistet wurde." Mehrere Schauspielerinnen haben Wedel sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung vorgeworfen. Der Regisseur wies das zurück.
Schwerpunkt
Nein heißt Nein
Die #MeToo-Debatte zum Thema sexuelle Belästigung

Finanzierung des Europäischen Jugendorchesters sichergestellt
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Das Europäische Jugendorchester (EUYO) kann weiter musizieren. Der EU-Ministerrat stimmte am 12. April 2018 einer veränderten Verordnung zu, die eine Finanzierung bis Ende 2020 sicherstellt. Die Mittel stammen den Angaben zufolge aus dem Programm "Kreatives Europa". 2016 hatte das Jugendorchester kurz vor dem Aus gestanden, weil nicht genug Geld vorhanden war. Die EU-Kommission stellte damals 600.000 Euro aus dem EU-Haushalt zur Verfügung. Das Jugendorchester, das ein Symbol für Europa sei, spiele eine "herausragende Rolle" bei der Förderung des interkulturellen Dialogs, hieß es in einer Mitteilung des Ministerrats. "Die EU hat sichergestellt, dass das Jugendorchester weiterhin zu den besten seiner Art gehören wird", sagte der bulgarische Minister für Kultur, Boil Banov. Es bestehe aus exzellenten und engagierten jungen Musikern aus der gesamten Union, "auf die wir alle stolz sein können", so Banov. Das Jugendorchester wurde 1976 gegründet. Schirmherr des Orchesters ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Rechter Verlag zieht Buch von US-Feministin Camille Paglia zurück
Der rechte Antaios-Verlag hat den Forderungen der US-Kulturhistorikerin Camille Paglia zugestimmt und wird den Vertrieb der deutschen Ausgabe ihres Buches "Free Women, Free Men" einstellen und alle Exemplare vernichten. Das meldet die "Süddeutsche Zeitung" am 12. April 2018. In einem Interview mit der Zeitung hatte die Feministin dem Verlag des rechten Publizisten Götz Kubitschek vorgeworfen, er habe in der deutschen Fassung ihres Buches vertragswidrig und ohne Absprache Änderungen vorgenommen. Paglia hatte daraufhin rechtliche Schritte eingeleitet und den Verlag aufgefordert, jede weitere Veröffentlichung ihres Buches zu unterlassen und unverzüglich alle Exemplare zu vernichten.

Amnesty: Zahl der Hinrichtungen geht weltweit zurück
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Die Zahl der Exekutionen ist nach Angaben von Amnesty International weltweit rückläufig. In 23 Ländern wurden im vergangenen Jahr mindestens 993 Hinrichtungen registriert - und damit vier Prozent weniger als im Vorjahr 2016, hieß es in einem neuen Jahresbericht zur Todesstrafe, den die Menschenrechtsorganisation am 12. April 2018 veröffentlichte. Gegenüber 2015 gab es demnach sogar einen Rückgang um 39 Prozent. In 53 Ländern wurden mindestens 2591 Todesurteile verzeichnet - nach einem Rekordhoch von 3117 im Vorjahr 2016. Die Zahlen berücksichtigen jedoch nicht Tausende Exekutionen und Todesurteile, die es laut Amnesty in China gibt. In der Volksrepublik gelten sie als Staatsgeheimnis.Als "Leuchtturm der Hoffnung" wurde indes Afrika südlich der Sahara genannt: Dort sei die Todesstrafe in 20 Ländern abgeschafft worden. Nur in zwei Ländern der Region - Somalia und Südsudan - habe es 2017 noch Hinrichtungen gegeben, hieß es.