Die Kulturzeit-Nachrichten
Kulturzeit-News vom Dienstag, 13.03.2018
Stiftung: Menschliche Überreste sollen in Herkunftsländer zurück
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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will menschliche Gebeine aus der Kolonialzeit zurückgeben, sobald deren Herkunft eindeutig geklärt ist. "Die menschlichen Gebeine, die Ende des 19. Jahrhunderts ohne Rücksicht gesammelt wurden, einzig mit dem Ziel, einen möglichst großen Bestand an 'erforschbarem Material' in Berlin aufzubauen, dürfen nicht weiter als anonyme Masse in unserem Depot liegen", sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Er betonte weiter: "Wenn Schädel klar zuordenbar sind, werden wir alles daran setzen, diese zurückzugeben. Und zwar zeitnah." Seit Herbst 2017 untersucht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in einem Forschungsprojekt rund 1100 menschliche Schädel und andere menschliche Gebeine, die bis 2011 in der medizinhistorischen Sammlung der Berliner Charité gelagert waren. An dem Projekt beteiligen sich auch Wissenschaftler aus Ruanda, Tansania und Burundi. Die Schädel waren den Angaben zufolge Ende des 19. Jahrhunderts vom Mediziner und Anthropologen Felix von Luschan (1854-1924) am Berliner Museum für Völkerkunde zusammengetragen worden.
Kulturzeit-Nachrichten
Menschliche Schädel aus Afrika werden in Berlin untersucht
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 05.10.2017

Moorleiche "Bernie" bekommt Gesicht und neue Kleider
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Torfstecher hatten die Moorleiche 1907 in Ostfriesland zufällig entdeckt - nun hat "Bernie" ein Gesicht und neue Kleider bekommen. Restauratoren haben über mehrere Monate die Kleidung des Mannes nachgebildet. Diese ist nun im Emder Landesmuseum an einer Figur zu sehen, deren Kopf und Gesichtszüge anhand des Original-Skeletts rekonstruiert wurden. Besucher können dadurch sehen, wie der Tote aus dem 8. Jahrhundert nach Christus ausgesehen hat und wie er gekleidet war. Die Moorleiche ist nach Angaben der Experten die einzige in Nordeuropa, die so gut erhalten ist.

Louvre evakuiert Saal wegen Klima-Aktivisten
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Klima-Aktivisten haben am 12. März im Pariser Louvre gegen die Partnerschaft des Museums und des Energieunternehmens "Total" protestiert und für eine zeitweise Evakuierung eines der meist besuchten Räume des Museums gesorgt. Rund ein Dutzend schwarz gekleideter Männer und Frauen der Gruppe 350.org legten sich auf den Boden vor dem berühmten Gemälde "Das Floß der Medusa" von Theodore Gericault und sangen Slogans gegen "Total", wie ein AFP-Reporter berichtete. Der Louvre bestätigte, dass der Raum vormittags für zehn Minuten evakuiert worden sei. Die Gruppe 350.org, die sich gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe und für erneuerbare Energien einsetzt, erklärte, die Aktion symbolisiere die Opfer der Ölindustrie. Die "Total Foundation", der philantropische Arm des Ölmultis, unterstützt eine Reihe von Bildungs- und Kultureinrichtungen wie den Louvre. Einen ähnlichen Protest der Gruppe gab es bereits vor einem Jahr im Louvre. Ähnliche Aktionen fanden in den vergangen Jahren auch gegen BP in großen Londoner Museen, wie der Tate Gallery und dem British Museum statt.

Berliner Museen erhalten wertvolle Sammlung
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Die Staatlichen Museen zu Berlin haben ein bedeutendes Konvolut aus zwei Gemälden, 46 Zeichnungen und 52 druckgraphischen Werken von Max Beckmann (1884-1950) erhalten. Für die Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts wurde zudem ein Gemälde von Hans Purrmann (1880-1966) übergeben, teilten die Staatlichen Museen mit. Zur Verfügung gestellt wurden die Arbeiten von der Kunsthistorikerin und Max Beckmann-Forscherin Barbara Malwine Auguste Göpel (1922-2017). Die Werke sollen erstmals im September in einer gemeinsamen Sonderausstellung der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts gezeigt werden. Bei den Beckmann-Gemälden handelt es sich den Angaben zufolge um die Werke "Selbstbildnis in der Bar" von 1942 und "Bildnis Erhard Göpel" von 1944. Die in den Jahren 1900 bis 1947 entstandenen Zeichnungen - darunter Szenen von Beckmanns Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg und Porträts des Künstlers, seiner zweiten Frau Quappi oder des Kunsthändlers Gottlieb Friedrich Reber - fungierten teilweise als Vorstudien bekannter Gemälde

Historikerinnen finden Hinweise auf NS-Raubgut in Bibliotheken
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Bei einem Erstcheck in fünf Bibliotheken in Sachsen-Anhalt haben Historikerinnen Hinweise auf NS-Raubgut gefunden. Es seien Bücher entdeckt worden, die auf Eigentumslisten von Juden in der Region aufgeführt gewesen seien, teilten die Forscherinnen und der Bibliotheksverband Sachsen-Anhalt in Magdeburg mit. Weitere Untersuchungen müssten aber zeigen, ob es sich um die konkreten Exemplare handelt. Die Arbeit sei bei Büchern deutlich schwerer als bei Original-Kunstwerken. Die Historikerinnen hatten rund ein halbes Jahr in Bibliotheken in Magdeburg, Sangerhausen, Dessau-Roßlau, Zerbst und Wernigerode geforscht. Der Erstcheck war der bundesweit erste, den das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste für Bibliotheken finanziert hat. Der Bibliotheksverband Sachsen-Anhalt erwägt nun, weiter forschen zu lassen. Die kleinen Häuser selbst seien damit überfordert.

Russischer Theatermacher Oleg Tabakow gestorben
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Der renommierte russische Theatermacher Oleg Tabakow ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er sei in der russischen Hauptstadt einer schweren Krankheit erlegen, teilte das Moskauer Tschechow-Künstlertheater, das Tabakow jahrelang leitete, am 12. März mit. Er zählte zu den bekanntesten russischen und sowjetischen Schauspielern und Theaterindendaten und spielte auch in mehr als 100 Filmen mit. Mehrfach wurde der Künstler ausgezeichnet. Tabakow hatte unter anderem auch in Köln und Berlin Stücke inszeniert. Staatschef Wladimir Putin sprach Tabakows Familie und Theaterkollegen sein Beileid aus.

Wegen Totschlags verurteilter Sänger verzichtet auf Festival-Auftritte
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Sein Comeback sorgt für Kontroversen: Nach wochenlangen Protesten hat der wegen Totschlags verurteilte französische Sänger Bertrand Cantat alle Auftritte bei Musikfestivals im Sommer 2018 abgesagt. Er erklärte am 12. März auf Facebook, er wolle den Organisatoren "Druck jeglicher Art" ersparen. Der 54-Jährige ist seit Anfang März erstmals wieder auf Tournee - fast 15 Jahre nach dem Totschlag an seiner Freundin, der Schauspielerin Marie Trintignant. Cantat betonte, er habe wie jeder andere ein "Recht auf Rehabilitation". Der frühere Sänger der Kultband Noir Désir fügte hinzu: "Ich habe meine Strafe abgesessen. Ich habe keine Privilegien genossen." Cantat hatte seine Freundin 2003 bei einem Streit in einem Hotel in Litauen erschlagen. Wegen Totschlags wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt, 2007 nach gut vier Jahren aber aufgrund guter Führung freigelassen.

Hitler-Glocke bleibt im Kirchturm in Herxheim
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Die sogenannte Hitler-Glocke mit Hakenkreuz und NS-Inschrift im Kirchturm von Herxheim am Berg bleibt dort hängen. Der Gemeinderat hat sich auch im zweiten Anlauf dafür ausgesprochen. Das entschied das Gremium nach Angaben von Ortsbürgermeister Georg Welker (parteilos) am 12. März 2018 in geheimer Abstimmung mit neun zu drei Stimmen. Die Entscheidung fiel damit fast genau so aus wie eine erste geheime Wahl am 26. Februar, bei der das Stimmenverhältnis zehn zu drei betragen hatte. Wegen eines formalen Fehlers musste sie jedoch wiederholt werden. Welker hatte es damals versäumt, die Ratsmitglieder vorher gesondert darüber abstimmen zu lassen, ob die Wahl geheim sein soll oder nicht. Das sei nun erfolgt. Das leicht abweichende Ergebnis begründet der Pfarrer im Ruhestand damit, dass ein Ratsmitglied aus beruflichen Gründen verhindert gewesen sei. Die Glocke mit der Aufschrift «Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler» hatte 2017 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Seit September ist sie abgestellt.

Metropolitan Opera beendet Zusammenarbeit mit Dirigent Levine
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Die Metropolitan Opera in New York hat ihre Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Musikdirektor James Levine beendet. Es gebe "glaubwürdige Beweise", dass der Dirigent junge Musiker sexuell missbraucht habe, teilte das weltberühmte Opernhaus am 12. März 2018 mit. Die Met hatte die Zusammenarbeit bereits im Dezember ausgesetzt, nachdem erste Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Levine öffentlich geworden waren. Eine Untersuchung habe "glaubwürdige Beweise" zutage befördert, wonach Levine sich sowohl vor als auch während seiner Arbeit für die Met des sexuellen Missbrauchs und der Belästigung schuldig gemacht habe, erklärte das Opernhaus. Sein Verhalten habe sich vor allem gegen junge Künstler gerichtet, die am Anfang ihrer Karriere gestanden hätten. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten werde beendet, auch der Titel des Musikdirektor Emeritus werde Levine entzogen.