Die Kulturzeit-Nachrichten
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 08.03.2018
Extremismus: Peter Maffay fordert von Künstlern klare Haltung
© dpa
Der Musiker Peter Maffay fordert von den Künstlern in Deutschland eine deutliche Positionierung gegen Extremismus und Rechtspopulismus. Musiker, Maler, Bildhauer, Dichter, aber auch Journalisten und alle, die Inhalte multiplizieren, seien aufgefordert sich zu positionieren, sagte Maffay der Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine". Immer, wenn im gesellschaftlichen und politischen Leben Differenzen oder Defizite gravierender Art auftreten, sei es wichtig, dass es Leute gebe, "die die Funktion von Ausrufezeichen oder Leuchttürmen übernehmen". "Es wird nur etwas passieren, wenn Aufklärungsarbeit geleistet wird und wenn genügend Menschen da sind, die die Dinge beim Namen nennen», sagte 68-jährige Musiker. Dabei müsse nicht allein der Rechtsextremismus Sorge bereiten, sondern Extremismus und Fanatismus jeder Couleur, sei er politisch oder religiös motiviert. Für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus wird Maffay am 11. März mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit geehrt.

Skulptur des britischen Bildhauers Tony Cragg geht an Landesmuseum
© Marisa Blume HLMD VG Bild-Kunst Bonn 2018
Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt hat eine Bronzeplastik des britischen Malers und Bildhauers Tony Cragg erstanden. Die 2,60 Meter hohe und 600 Kilogramm schwere dunkel patinierte Plastik heißt "Contradiction" (Widerspruch) und steht seit 8. März 2018 auf einem seitlichen Podest der Haupttreppe. "Der Besucher folgt auf dem Weg in das 2. Obergeschoss geradezu den Windungen der Skulptur nach oben", heißt es in einer Mitteilung des Museums. Dabei kann er sie von verschiedenen Seiten betrachten. Cragg (68) lebt seit 1977 in Wuppertal und war bis Juli 2013 Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. In den 1980er Jahren war er unter anderem auf der documenta 7 und der documenta 8 in Kassel vertreten. 2017 waren 20 großformatige Plastiken von ihm im Landesmuseum ausgestellt. Mit dem Kauf von "Contradiction" setzt der Freundeskreis des Museums zugleich eine Idee des Schweizer Sammlers Simon Spierer (1926-2005) um, dessen "Wald der Skulpturen" seit 2004 im Landesmuseum zu sehen ist. Er wünschte sich eine Fortführung seiner Sammlung durch den Kauf weiterer Werke der von ihm ausgewählten Bildhauer. Zu der Sammlung gehört auch Craggs Eisenplastik "Manipulations".

Filmhochschule entschuldigt sich für Nackt-Fotoshooting in Kirche
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Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin hat sich für Nackt-Aufnahmen während eines Fotoshootings von Studenten in einer Kirche im kroatischen Dubrovnik entschuldigt. Man wolle sich "von ganzem Herzen bei der Kirche und den Bürgern von Dubrovnik entschuldigen", teilte Direktor Ben Gibson auf der Internetseite der Hochschule. Am 7. März 2018 war bekanntgeworden, dass drei Studentinnen der Berliner Hochschule eine 64-jährige Frau mit nackter Brust in einer Kirche und an anderen historischen Stätten der kroatischen Adriastadt gefilmt und fotografiert hatten. Laut dem Nachrichtenportal "Focus Online" hatte sich der katholische Bischof Mate Uzinic entsetzt über die Aktion der jungen Filmemacherinnen gezeigt. Er sei "tieftraurig", dass diese Bilder "unter der Maske der Kunst" gemacht worden seien, schrieb der Geistliche demnach auf seiner Facebook-Seite. Wie eine Sprecherin der Filmakademie am Donnerstag auf epd-Anfrage sagte, handelt es sich bei den jungen Filmemacherinnen um drei Studentinnen aus dem ersten Studienjahr. Diese hätten für ein Dokumentarfilmprojekt in Dubrovnik geübt. Die genauen Hintergründe der umstrittenen Aufnahmen müssten zunächst hochschulintern geprüft werden.

Washingtons Holocaust-Museum entzieht Suu Kyi den Elie-Wiesel-Preis
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Das Holocaust-Museum in Washington hat der myanmarischen Politikerin Aung San Suu Kyi den renommierten Elie-Wiesel-Preis aberkannt. In einem am 7. März 2018 veröffentlichten Brief warf das Museum der Friedensnobelpreisträgerin Untätigkeit angesichts der "zunehmenden Hinweise auf einen Völkermord" an der muslimischen Rohingya-Minderheit durch Myanmars Streitkräfte vor. "Die Orchestrierung dieser Verbrechen durch die Streitkräfte und die Schwere der Gräueltaten in den vergangenen Monaten hätten es erfordert, dass Sie Ihre moralische Autorität nutzen", schrieb das Museum an Myanmars De-facto-Regierungschefin Suu Kyi. "Wir hätten gehofft, dass Sie etwas unternehmen, um die brutale Kampagne des Militärs zu verurteilen und zu stoppen." Das Museum hatte den renommierten Menschenrechts-Preis vor sechs Jahren an Suu Kyi verliehen. In dem Schreiben an die Politikerin erinnerte es nun daran, "dass wir und viele andere Sie für Ihr Engagement zugunsten der menschlichen Würde und der Menschenrechte gefeiert haben".

Daniel Kehlmann erhält Frank-Schirrmacher-Preis
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Der Bestsellerautor Daniel Kehlmann ("Tyll", "Die Vermessung der Welt") erhält den Frank-Schirrmacher-Preis 2018. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Schweizer Franken dotiert, teilte die Frank-Schirrmacher-Stiftung (Zürich/Berlin) am 7. März 2018 mit. Mit der Vergabe werde Kehlmanns "virtuose Beherrschung der deutschen Sprache ebenso gewürdigt wie seine subtile Analyse der deutschen Vergangenheit und Gegenwart", begründete die Stiftung. Die Verleihung ist für den 3. September in der Berliner Niederlassung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") geplant. Die Laudatio soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier halten. Der Preis wird für herausragende Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens verliehen. Er soll an den 2014 gestorbenen Publizisten Frank Schirrmacher erinnern. Er war seit 1994 einer der Herausgeber der "FAZ" gewesen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (2015), Michel Houellebecq (2016) und Jonathan Franzen (2017).
Kulturzeit-Gespräch
© Rowohlt Video Daniel Kehlmann, Schriftsteller
zu seinem Buch "Tyll" (12.10.2017)