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Arseni Roginski hat sich für die Aufarbeitung der Stalin-Zeit in Russland eingesetzt.
Arseni Roginski hat sich für die Aufarbeitung der Stalin-Zeit in Russland eingesetzt.
Trauer um russischen Memorial-Mitbegründer Arseni Roginski
Kulturzeit-News vom Dienstag, 19.12.2017
Der international bekannte russische Menschenrechtler Arseni Roginski, Mitbegründer der Gruppe Memorial, ist mit 71 Jahren gestorben. Sein Tod löste am 18. Dezember 2017 nicht nur in Moskau große Bestürzung aus. In Deutschland äußerten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Sigmar Gabriel ihr Mitgefühl.
Roginski sei nach längerer Krankheit in Israel gestorben, schrieb das Portal "RBK". "Er wird uns fehlen", sagte Michail Fedotow, Vorsitzender des Menschenrechtsrates beim russischen Präsidenten. Der Historiker und Dissident Roginski, geboren am 30. März 1946 im nordrussischen Welsk, saß zu Sowjetzeiten vier Jahre in Lagerhaft. Ende der 1980er Jahre gehörte er zu den Gründern von Memorial, einer Organisation, die sich die Aufarbeitung der Verbrechen unter dem Sowjet-Diktator Josef Stalin verschrieben hat.

Nawalny: Roginski war ein "großer, unbeugsamer Mensch"
Roginski sei nicht nur intelligent, sondern auch weise gewesen, sagte Oleg Orlow aus der Leitung von Memorial. "Er war ein Anführer, unser Anführer." Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny schrieb, Roginski sei "ein großer, unbeugsamer Mensch" gewesen. Der Name Memorial vereint Dutzende Organisationen. Die russische Regierung stuft Memorial als "ausländischen Agenten" ein, weil die Gruppe Geld aus dem Ausland erhält. Dies erschwert die Arbeit.

Die Bundesregierung werde Memorial und anderen Menschenrechtsgruppen weiter zur Seite stehen, kündigte Außenminister Gabriel an. "Arseni Roginski verkörpert wie kaum ein anderer die Vergangenheit und Gegenwart der russischen Bürgerbewegung", sagte er. Die Zivilgesellschaft in Russland brauche Raum zur Entfaltung, sagte Steinmeier. Auch der Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland, trauerte um Roginski.

Die Todesnachricht fiel zusammen mit einem Festakt im Kreml, bei dem Präsident Wladimir Putin verdiente russische Menschenrechtler ehrte. Dazu gehörte auch die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Alexejewa (90). Solange es keine ideale Gesellschaft gebe, würden Menschenrechtsaktivisten gebraucht, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge. In den 18 Jahren seiner Regierung ist der Spielraum für die russische Zivilgesellschaft allerdings stark eingeschränkt worden.

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