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Zwei Frauen werfen Hoffman vor, sie 1987 während der Dreharbeiten zum Film "Ishtar" sexuell missbraucht zu haben.
Zwei Frauen werfen Hoffman vor, sie 1987 während der Dreharbeiten zum Film "Ishtar" sexuell missbraucht zu haben.
Neue Belästigungsvorwürfe gegen Dustin Hoffman
Kulturzeit-News vom Freitag, 15.12.2017
US-Schauspieler Dustin Hoffman ist mit neuen Belästigungsvorwürfen konfrontiert worden. Das Branchenblatt "Variety" veröffentlichte am 14. Dezember 2017 in seiner Online-Ausgabe die Aussagen von drei Frauen, die dem Hollywood-Star vorwerfen, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben.
Eine der Frauen sei damals minderjährig gewesen - und eine Freundin seiner Tochter. Der Anwalt des 80-jährigen Oscar-Preisträgers wies die Anschuldigungen als "Lügen" zurück. Zwei der drei Frauen gaben sich in dem Artikel namentlich zu erkennen, darunter Cori Thomas, eine frühere Mitschülerin von Hoffmans Tochter. Sie habe 1980 als 16-Jährige einen Sonntagnachmittag mit Hoffman und dessen Tochter verbracht, berichtete die heutige Bühnenautorin.

Danach habe sie in Hoffmans Hotelzimmer auf ihre Mutter gewartet, die sie abholen wollte. Plötzlich sei der Schauspieler im Badezimmer verschwunden und nackt zurückgekehrt. Hoffman habe sie gebeten, seine Füße zu massieren. "Ich wusste nicht, dass ich Nein sagen konnte, also habe ich es getan", sagte Thomas. Ein Anruf ihrer Mutter, die unten im Hotel wartete, habe sie "gerettet". Sie habe sich so "gedemütigt" gefühlt, dass sie nie darüber gesprochen habe.

Die beiden anderen Frauen warfen Hoffman vor, sie 1987 während der Dreharbeiten zum Film "Ishtar" sexuell missbraucht zu haben, indem er mit seinem Finger in ihre Scheide eindrang. Sie habe anschließend weinend im Badezimmer gesessen, berichtete eine der beiden, Melissa Kester. "Ich habe mich vergewaltigt gefühlt. Es gab keinerlei Vorwarnung." Hoffmans Anwalt Mark Neubauer sprach von "verleumderischen Lügen".

Zuvor hatten bereits drei andere Frauen Hoffman der sexuellen Belästigung oder Gewalt beschuldigt, darunter die Schauspielerin Kathryn Rossetter. Seit der Veröffentlichung erster Vorwürfe gegen den einst mächtigen Filmproduzenten Harvey Weinstein im Oktober vergeht kaum ein Tag ohne neue Enthüllungen über sexuelle Gewalt durch einflussreiche Persönlichkeiten. Sie beendeten bereits zahlreiche Karrieren in Hollywood, den Medien, der Politik und Geschäftswelt.

Wie "Mafia-Tyrannen" benommen
Zu dem Zeitpunkt habe er den Behauptungen geglaubt, doch inzwischen glaube er, dass er einer Verleumdungskampagne gegen die beiden "talentierten Frauen" aufgesessen sei. Judd und Sorvino gehören zu den mehr als 100 Frauen, die Weinstein inzwischen sexuelle Vergehen - bis hin zur Vergewaltigung - vorwerfen. Er weist die Vorwürfe zurück. Miramax hatte sich letztlich von der "Herr der Ringe"-Produktion zurückgezogen, die Trilogie wurde schließlich von New Line produziert. Harvey und Bob Weinstein hätten sich wie zweitklassige "Mafia-Tyrannen" benommen, sagte Jackson. Mit solchen Leuten wollte er nicht arbeiten, "also tat ich das nicht".

Warum sich die Opfer jahrelang nicht trauten, an die Öffentlichkeit zu gehen, berichtete der neuseeländische Regisseur Peter Jackson nun am Beispiel Weinsteins. Dieser habe in den 1990er Jahren mithilfe einer regelrechten Schmutzkampagne verhindert, dass zwei Schauspielerinnen Rollen in "Herr der Ringe" erhielten, die sich offenbar zuvor gegen seine Übergriffe gewehrt hatten, sagte Jackson am 15. Dezember 2017 der Mediengruppe "Fairfax New Zealand".

Jackson hatte anfänglich bei der Produktion von "Herr der Ringe" mit Miramax, dem Unternehmen der Weinstein-Brüder, zusammengearbeitet. Als bei der Rollenbesetzung das Gespräch auch auf die beiden Hollywood-Schauspielerinnen Ashley Judd und Mira Sorvino kam, sei Miramax eingeschritten. "Ich erinnere mich, dass Miramax uns sagte, es sei ein Albtraum mit ihnen zu arbeiten und wir sollten sie um jeden Preis meiden", berichtete Jackson.

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