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Israelische Fahnen brennen in Berlin: Die Zwischenfälle bei Demonstrationen arabischer Gruppen haben weltweit für Empörung gesorgt.
Israelische Fahnen brennen in Berlin: Die Zwischenfälle bei Demonstrationen arabischer Gruppen haben weltweit für Empörung gesorgt.
Religionsvertreter fordern Konzept gegen Antisemitismus
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 14.12.2017
Nach den jüngsten Anti-Israel-Protesten in zahlreichen europäischen Städten plädieren Religionsvertreter und Wissenschaftler für ein neues Konzept gegen Judenfeindlichkeit. Infolge der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump war es zu Demonstrationen gekommen, bei denen antisemitische Hassparolen skandiert und Berichten zufolge Israel-Flaggen verbrannt worden waren.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte am 14. Dezember 2017 einen entschiedeneren Einsatz gegen Judenhass in Deutschland. "Politik und Sicherheitsbehörden müssen klare Kante zeigen gegen Antisemitismus, auch gegen jenen, der sich als Kritik an Israel oder den USA tarnt", schrieb Schuster in einem Beitrag für die "Jüdische Allgemeine". "Unsere kostbare Versammlungsfreiheit darf aber nicht missbraucht werden, um Hass auf einen Staat oder eine Religion zu schüren." Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee (AJC) in Berlin, sprach sich für mehr Informations- und Aufklärungsangebote und Richtlinien aus, wie im Alltag mit Antisemitismus umgegangen werden sollte.

Mansour: Nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus
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Der Islamexperte Ahmad Mansour forderte ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Muslimische Jugendliche würden in den Schulen häufig nicht erreicht. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen, sich zu äußern, sagte der Psychologe und arabischstämmige Deutsch-Israeli im Deutschlandfunk. Den aktuellen Antisemitismus hält Mansour für herkunftübergreifend. "Man findet ihn links, rechts und in der Mitte der Gesellschaft."

Bei Flüchtlingen müsse man differenzieren: Er sei vor allem bei denjenigen verbreitet, die aus Ländern kommen, in denen Antisemitismus eine Art der Sozialisation war. "Das heißt, wir müssen über Palästinenser, die seit 30, 40 Jahren in Deutschland leben, wir müssen über Jugendliche, die aus der Türkei kommen, wo Verschwörungstheorien sehr stark vertreten sind, wir müssen über arabische Länder reden und nicht nur über diejenigen, die 2015 gekommen sind, obwohl diejenigen, die 2015 gekommen sind, meistens aus Syrien, auch starke antisemitische Bilder mitgebracht haben."

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Verbrennungen israelischer Flaggen auf Demonstrationen in Berlin scharf verurteilt. In einem Telefongespräch mit Israels Präsidenten Reuven Rivlin sprach das deutsche Staatsoberhaupt von "zutiefst verstörenden Ausdrücken von Antisemitismus während einer Welle anti-israelischer Aktivitäten in Berlin im Laufe der vergangenen Woche", wie Rivlins Büro in Jerusalem am 14. Dezember 2017 mitteilte. "Solche Akte des Hasses und Rassismus' haben keinen Platz in Deutschland", sagte Steinmeier demnach.

(Quelle: dpa)
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Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat antisemitische Demonstrationen in Deutschland verurteilt. "Wir stehen uneingeschränkt an der Seite unserer jüdischen Geschwister", sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland am 14. Dezember 2017 in Düsseldorf. Es dürften nicht nur die Juden selbst gegen antisemitische Demonstrationen und Flaggenverbrennungen protestieren, sondern es sei die Aufgabe der Christen, "unsere Stimme laut und vernehmbar zu erheben".

(Quelle: epd)