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Die "Initiative im Gedenken an Oury Jalloh" zweifelt seit Jahren die bisherige These über den Ablauf der tragischen Ereignisse an.
Die "Initiative im Gedenken an Oury Jalloh" zweifelt seit Jahren die bisherige These über den Ablauf der tragischen Ereignisse an.
"Monitor": Oury Jalloh vermutlich ermordet
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 16.11.2017
Der am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte Asylbewerber Oury Jalloh wurde nach WDR-Recherchen mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet. Mehrere Sachverständige hielten einen Tod durch Fremdeinwirkung für wahrscheinlicher als die lange verfolgte These der Selbstanzündung, berichtete das WDR-Fernsehmagazin "Monitor" am 16. November 2017 unter Verweis auf die Ermittlungsakten.
Auch der langjährige Ermittler der Staatsanwaltschaft Dessau, der leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann, gehe von einem begründeten Mordverdacht aus. Dies gehe aus einem Schreiben vom April 2017 hervor. Bittmann hielte es demnach für wahrscheinlich, dass Jalloh bereits vor Ausbruch des Feuers mindestens handlungsunfähig oder sogar schon tot war und mit Brandbeschleuniger besprüht und angezündet worden sei. Der Oberstaatsanwalt benennt laut "Monitor" in dem Brief sogar konkrete Verdächtige aus den Reihen der Dessauer Polizeibeamten.

"Einstellung des Verfahrens ein Skandal"
Die Anwältin der Familie Jalloh, Gabriele Heinecke, sagte dem Magazin, angesichts der neuen Erkenntnisse sei die drohende Einstellung des Verfahrens ein Skandal. Die mittlerweile zuständige Staatsanwaltschaft Halle hatte am 12. Oktober 2017 angekündigt, den Fall einzustellen, da sich keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an der Brandlegung ergeben hatten und eine weitere Aufklärung nicht zu erwarten sei. Die Anwältin der Familie hat gegen die Einstellung Beschwerde eingelegt und will angesichts der neuen Erkenntnisse Strafanzeige erstatten.

Die Experten hatten dem Bericht zufolge in ihren Stellungnahmen ausgeführt, dass sich der Zustand der Zelle und des Leichnams Jallohs nach dem Brand nicht ohne Einsatz geringer Mengen von Brandbeschleuniger wie etwa Leichtbenzin erklären lasse. Jalloh sei vermutlich bei Brandbeginn komplett handlungsunfähig oder sogar bereits tot gewesen. Laut Staatsanwaltschaft Halle gäbe keine neuen Erkenntnisse in dem Fall. Alles, was von Sachverständigen und an Gutachten vorliege, sei aktenkundig gewesen, als die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens getroffen worden sei, sagte Oberstaatsanwältin Heike Geyer am 16. November 2017.

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Hintergrund
Der Asylbewerber aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Er starb gefesselt an einer Matratze bei einem Brand in der Gewahrsamszelle. Es gab mehrere Gerichtsverfahren. Jalloh soll die Matratze mit einem Feuerzeug selbst angezündet haben. Bisher konnte der Fall nicht vollständig aufgeklärt werden.

(Quelle: epd)