© dpa
Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes, hat mit seiner Kritik an der AfD heftige Diskussionen ausgelöst.
Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes, hat mit seiner Kritik an der AfD heftige Diskussionen ausgelöst.
Berliner Intendant kritisiert AfD - Hassmails und Protest
Kulturzeit-News vom Montag, 09.10.2017
Mit seinem Brandbrief gegen AfD-Wähler hat der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, Berndt Schmidt, heftigen Protest ausgelöst. Er habe in den vergangenen Tagen etwa 250 Hassmails - teils mit Morddrohungen - erhalten, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Vor der Vorstellung am Nachmittag des 7. Oktober 2017 richtete der Intendant sich an das Publikum und bekam viel Applaus für seine Haltung.
Wenige Stunden später - unmittelbar vor der Abendvorstellung - habe es dann eine anonyme Bombendrohung gegeben und die etwa 1700 Gäste hätten das Gebäude verlassen müssen. Mit knapp einer Stunde Verspätung habe die Show dann aber begonnen, sagte ein Sprecher des Revuetheaters am 8. Oktober 2017. Zuvor hatte die Polizei den Fall geprüft. Experten stuften die Situation aber als nicht ernsthaft ein, wie ein Behördensprecher am 8. Oktober der Deutschen Presse-Agentur sagte. Nun werde gegen Unbekannt ermittelt.

Viel Beifall vom Publikum
Das Ensemble habe sich entschlossen, sich von der Drohung nicht einschüchtern zu lassen, sagte der Sprecher des Friedrichstadt-Palastes weiter. Dafür habe es vom Publikum Unterstützung gegeben. Viel Beifall hatte zuvor am Nachmittag auch Intendant Schmidt von den Zuschauern erhalten mit seiner Ansprache. Dabei sagte er, dass er sich in Zukunft noch mehr als zuvor von der AfD abgrenzen wolle. Abgrenzen heiße aber nicht ausgrenzen, so Schmidt. Er hieß auch AfD-Wähler ausdrücklich willkommen. "Doch hoffentlich fühlen Sie sich komisch, wenn Sie gleich sehen, was entstehen kann, wenn ein Ensemble aus 25 verschiedenen Nationen, mit allen Hautfarben, aus Atheisten, Christen, Muslimen und Juden, aus Hetero- und Homosexuellen, von Menschen mit und ohne Behinderungen friedlich zusammenarbeitet."

Die AfD sei in Teilen eine demokratische Partei mit legitimen Anliegen. Sie müsse sich aber von den Teilen abgrenzen, die Hass auf alles schürten, was nicht deutsch ist oder nicht deutsch aussieht, sagte Schmidt. Diesen Hass müssten auch viele Menschen ausbaden, die in seinem Haus arbeiten. Das Publikum applaudierte - Proteste gegen die Rede gab es nicht. Unter den Gästen waren auch Anhänger der AfD, die ihre Karte von der Partei geschenkt bekommen hatten. Die Berliner AfD hatte als Reaktion auf die Kritik von Schmidt zehn Tickets für die Vorführung "The One Grand Show" verlost. Voraussetzung sei gewesen, dass die Bewerber bekennende AfD-Wähler seien, sagte Parteisprecher Roland Gläser dem "Tagesspiegel".

AfD-Abgeordneter fordert: Mittel kürzen
Am 9. Oktober forderte der AfD-Abgeordnete Dieter Neuendorf bei den Haushaltsberatungen im Kulturausschuss, gut zwölf Prozent der Zuschüsse für die Showbühne in den kommenden beiden Jahren zu sperren. Damit solle dem Theaterintendanten Berndt Schmidt die Gelegenheit gegeben werden, sein Demokratieverständnis zu überdenken, so Neuendorf. Er warf Schmidt Verunglimpfung und Stigmatisierung vor. "Wer anderen den Diskurs verweigert, beweist einen zutiefst undemokratischen Geist", sagte er. SPD und Grüne wiesen die Vorwürfe der AfD scharf zurück. "Sie bewegen sich hier außerhalb unseres demokratischen Konsenses", sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener.

Zurück zur Übersicht
Weitere News vom Montag, 09.10.2017
Kulturzeit-Nachrichten
Lederer: Brandbrief aus Friedrichstadt-Palast gegen AfD in Ordnung
Kulturzeit-News vom Freitag, 06.10.2017