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Beitrag (09.08.2017)Beitrag (09.08.2017)
Dass der Film "Matilda" die Affäre des heiligen Zaren Nikolaus II. mit einer Balettänzerin thematisiert, erzürnt orthodoxe Kräfte in Russland.
Russische Regierung mahnt im Streit um Zaren-Film zur Ruhe
Kulturzeit-News vom Dienstag, 12.09.2017
In Russland ist der Streit um einen Film über eine Romanze des letzten Zaren Nikolaus II. aus dem Ruder gelaufen. Nach Brandstiftungen und Drohungen gegen Kinos sagte Präsident Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow am 13. September 2017, die Auseinandersetzung habe widerliche und inakzeptable Formen angenommen. Kulturminister Wladimir Medinski warf Gegnern des Films Hysterie vor. Wer Kinos wegen des Films "Matilda" unter Druck setze, versuche sich als Zensor und handle gesetzlos.
Der Film des Regisseurs Alexej Utschitel über die Affäre des letzten russischen Monarchen mit der Ballerina Matilda Kschessinskaja soll am 26. Oktober in die russischen Kinos kommen. Die meisten Russen akzeptieren, dass der 1918 von den Kommunisten ermordete Zar eine Affäre hatte, doch unter russischen Nationalisten und orthodoxen Christen hat der Film schon jetzt für einen Aufschrei gesorgt. Diese nennen die Darstellung des 2000 heiliggesprochenen Nikolaus geschmacklos und verzerrt.

Vor dem Büro von Utschitels Anwalt wurden in dieser Woche zwei Autos angezündet. Auf einem Graffiti in der Nähe stand "Brennt für Matilda". Auch das Filmstudio geriet bereits ins Visier von Brandstiftern. Die größte Kinokette des Landes erklärte am 12. September, sie werde "Matilda" aus Sicherheitsgründen nicht zeigen.

Kulturminister ordnet Schutz von Kinos und Zuschauern an
Peskow sagte, jede Form von Extremismus in Russland müsse von den Sicherheitsdiensten untersucht werden. Medinski ordnete den Schutz von Kinos und Zuschauern an und rief die Russen auf, sich an das Gesetz und den gesunden Menschenverstand zu halten und sich gegenseitig zu respektieren. Utschitels Werk mit dem Deutschen Lars Eidinger als Thronfolger und späterem Zar Nikolaus sei ein normaler Spielfilm, nichts an ihm kränke das Ansehen des Zaren oder der Monarchie. Regisseur Utschitel sagte, bei Voraufführungen hätten die Zuschauer positiv reagiert. Der Staat solle für die Sicherheit von Kinobesuchern sorgen.

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