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Gericht: Gunther von Hagens darf in seinem Museum Plastinate zu wissenschaftlichen Zwecken ausstellen, wenn eine ausreichende Einwilligung des Spenders vorliegt.
Gericht: Gunther von Hagens darf in seinem Museum Plastinate zu wissenschaftlichen Zwecken ausstellen, wenn eine ausreichende Einwilligung des Spenders vorliegt.
Gericht: Leichen-Ausstellung nur bei Einwilligung der Spender
Kulturzeit-News vom Mittwoch, 13.09.2017
Das umstrittene "MenschenMuseum" am Berliner Alexanderplatz darf präparierte Leichen nur bei nachgewiesener Einwilligung des Spenders ausstellen. Dann verstoße es nicht gegen das bestattungsrechtliche Verbot, Leichen öffentlich zu präsentieren, entschied am 13. September 2017 das Verwaltungsgericht Berlin.
Das im Februar 2015 eröffnete Museum des Anatomen Gunther von Hagens präsentiert im Sockelbau des Fernsehturms 200 Teilkörper- und 20 Ganzkörperpräparate zumeist menschlicher Leichen. Es ist die erste Dauerschau von "Plastinaten", mit denen von Hagens weltweit in Ausstellungen mehr als 40 Millionen Besucher in über 90 Städten anzog. Die Präsentationen stoßen in Politik und Kirchen auf scharfe Kritik: Es verletzte die Menschenwürde, Leichen zu kommerziellen Zwecken zur Schau zu stellen. Das Bezirksamt Berlin-Mitte versucht, auf gerichtlichem Weg die Schließung des Museums zu erreichen.

Richter: Kein Verbot bei Ausstellung zu wissenschaftlichen Zwecken
Die Verwaltungsrichter gaben der Klage des Museumsträgers gegen das Verbot des Museums durch das Bezirksamt nun teilweise statt. Die Behörde habe nicht ausreichend ermittelt, ob die Voraussetzungen erfüllt seien, um die Präsentation aller Exponate zu verbieten. Als anatomisches Institut sei der Kläger vom Verbot, Leichen öffentlich auszustellen, ausgenommen, wenn die Ausstellung wissenschaftlichen Zwecken diene, entschieden die Richter. Dazu zähle der mit dem "MenschenMuseum" verfolgte populärwissenschaftliche Ansatz.

Entscheidend sei die Prüfung, ob jedem einzelnen Exponat ein ganz bestimmter Körperspender zugeordnet werden könne und von diesem eine ausreichende Einwilligung zur Herstellung und Ausstellung des Exponats vorliege, so das Gericht weiter. Das Kennzeichnungsverfahren des Museumsträgers sei dazu grundsätzlich geeignet. Die Behörde habe eine solche Prüfung bei den rund 120 Teilkörperplastinaten sowie bei drei erst seit kurzem ausgestellten Ganzkörperplastinaten noch nicht vorgenommen. Bei zehn Ganzkörperplastinaten habe das Gericht keine ausreichenden Einwilligungserklärungen feststellen können. Diese dürften daher nicht ausgestellt werden, so die Richter. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls ließen sie die Berufung an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zu.

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