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Schriftsteller Viktor Jerofejew sorgt sich wegen des zunehmenden Druckst auf Kulturschaffende in Russland.
Schriftsteller Viktor Jerofejew sorgt sich wegen des zunehmenden Druckst auf Kulturschaffende in Russland.
Autor Jerofejew sieht Russland im Krieg gegen liberale Kultur
Kulturzeit-News vom Mittwoch, 13.09.2017
Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew ist besorgt wegen des zunehmenden Drucks auf Kulturschaffende in seinem Land. Mit dem Vorgehen der Justiz gegen den Theatermacher Kirill Serebrennikow sei der liberalen Intelligenz "der Krieg erklärt worden", sagte Jerofejew, der am 19. September 70 Jahre alt wird, der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. "Wenn das so weitergeht, wird das schwerwiegende Folgen haben."
Serebrennikow habe sich nichts vorzuwerfen, er stehe "auf Seiten der Klugheit, des Gewissens", sagte Jerofejew, Autor der Romane "Die Moskauer Schönheit" und "Der gute Stalin". "Er ist ein Opfer dieses Krieges." Hoffnung mache ihm nur, dass diesmal auch Künstler ihre Stimme erhoben hätten, die sonst eher mit der Staatsmacht zusammenarbeiteten und deren Meinung dem Kreml wichtig sei.

Staatsoper-Stuttgart und Bolschoi-Theater halten an Inszenierungen fest
© dpa Regisseur Serebrennikow steht unter Hausarrest.
Regisseur Serebrennikow steht unter Hausarrest.
Der international renommierte Theater- und Filmregisseur Serebrennikow steht seit August unter Hausarrest. Gegen ihn wird wegen angeblicher Unterschlagung von Staatsgeld ermittelt. Die Staatsoper Stuttgart teilte am 13. September mit, dass Serebrennikow nicht wie geplant im Oktober in Stuttgart inszenieren könne. Sie wolle aber trotzdem an der Premiere der Märchenoper "Hänsel und Gretel" am 22. Oktober festhalten. Das Projekt solle ohne den Regisseur realisiert werden. Wie, das will die Staatsoper nächste Woche erklären.

Auch das Moskauer Bolschoi-Theater will weiter am umstrittenen Ballett "Nurejew" von Serebrennikow festhalten. Das Theater sei bereit, das im Sommer kurzfristig gestoppte Stück über den sowjetischen Balletttänzer Rudolf Nurejew in der kommenden Saison aufzuführen, sagte am 12. September der Direktor des renommierten Opernhauses, Wladimir Urin. Das Ballettstück sorgte bereits vor seiner Premiere für Schlagzeilen, weil es im Juli wenige Tage vor seiner Uraufführung in Moskau aus dem Programm gestrichen wurde. Als Begründung gab Urin damals an, dass das Stück noch nicht aufführungsreif sei und auf Mai 2018 verschoben werde. Kurz darauf wurde Serebrennikow wegen angeblicher Unterschlagung von staatlichen Fördergeldern festgenommen und steht seitdem unter Hausarrest.

Bellett-Chef will Serebrennikow besuchen
Urin habe bei den Behörden einen Antrag auf einen Besuch gestellt. Sollte ein Treffen genehmigt werden, wolle er mit dem Regisseur über die weiteren Vorbereitungen beraten. Nur Serebrennikow könne entscheiden, wann das Ballett in der russischen Hauptstadt gezeigt werden solle, sagte Urin. "Soll das Ballett ohne ihn aufgeführt werden oder warten wir, bis sich die Situation bessert?"

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