Das Milliardengeschäft mit geplünderten und geraubten Kulturgütern boomt.
Das Milliardengeschäft mit geplünderten und geraubten Kulturgütern boomt.
EU-Kommission will illegalen Handel mit Kulturgütern bekämpfen
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 13.07.2017
Die EU-Kommission schlägt neue Regeln im Kampf gegen illegalen Handel mit Kulturgütern vor. Das Kulturerbe von Ländern, die besonders geringe Mittel zum Schutz ihrer Interessen zur Verfügung haben, könne durch illegalen Handel "schwer beschädigt" werden, sagte EU-Wirtschafts- und Finanzkommissar Pierre Moscovici am 13. Juli 2017 in Brüssel.
Mit dem Vorschlag soll auch die Terrorismusfinanzierung eingedämmt werden. Terroristische Gruppen nutzten den illegalen Handel mit Kulturgütern oft als Geldquelle, so Moscovici. "Das Plündern antiker Stätten wie im syrischen Palmyra oder im malischen Timbuktu hat gezeigt, dass solche Terrorgruppen kein Tabu kennen, wenn sie unersetzliche Schätze zerstören", sagte der Kommissar. Die EU-Kommission will seinen Worten nach eine führende Rolle im Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern einnehmen. Es gebe bereits EU-weite Verbote für Waren aus dem Irak und aus Syrien, jedoch keinen allgemeinen Rechtsrahmen für die Einfuhr von Kulturgütern aus Drittstaaten. Es sei wichtig, dass in allen Mitgliedstaaten die gleichen Regeln für die Einfuhr von Kulturgütern gelten.

Idee: Einheitliche Definition von Kulturgütern
Der Vorschlag sieht eine einheitliche Definition von Kulturgütern vor. Darunter sollen etwa Malereien, Statuen, Instrumente und Manuskripte fallen, die nachweislich einem besonders hohen Risiko ausgesetzt und zum Zeitpunkt der Einfuhr mindestens 250 Jahre alt sind. Importeure müssen sich vor der Einfuhr archäologischer Objekte, Teilen von Monumenten oder Manuskripten Einfuhrgenehmigungen einholen. Es soll ein strengeres Zertifizierungssystem mit eidesstattlicher Versicherung sowie Aufklärungskampagnen für Käufer von Kulturgütern geben. Zudem sollen Zollbehörden Kulturgüter beschlagnahmen können, wenn ein legaler Export nicht nachzuweisen ist.

Der legale Markt für Kunst und Antiquitäten weltweit wurde 2016 laut EU-Kommission auf 56 Milliarden Euro geschätzt. Der Wert des europäischen Marktes belaufe sich auf etwa 19 Milliarden Euro. Nun müssen EU-Parlament und Rat über den Vorschlag beraten.

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