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Der italienische Kulturminister Dario Franceschini hatte Einspruch gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes eingereicht.
Der italienische Kulturminister Dario Franceschini hatte Einspruch gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes eingereicht.
Gericht hebt Entlassung von Museumsleitern in Italien auf
Kulturzeit-News vom Freitag, 16.06.2017
Die Entlassung mehrerer Museumsdirektoren in Italien ist vom obersten Verwaltungsgericht in Rom aufgehoben worden. Das teilte Italiens Kulturminister Dario Franceschini am Abend des 15. Juni 2017 über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.
Demnach hob der Consiglio di Stato das Urteil eines untergeordneten Verwaltungsgerichts in Rom auf. Die betroffenen Direktoren kehrten am 16. Juni auf ihre Posten zurück, so Franceschini. Eine definitive Entscheidung werde im Oktober fallen.

Kritik: Mangelnde Transparenz bei Besetzungsverfahren
Das Verwaltungsgericht für Latium hatte Ende Mai die Ernennungen mehrerer Leiter bedeutender Museen aufgehoben, weil es Mängel bei der Transparenz des Besetzungsverfahrens, den Auswahlkriterien sowie in der Zulassung ausländischer Bewerber sah. Unter ihnen war der Österreicher Peter Assmann, Leiter des Palazzo Ducale in Mantua. Laut dem Kulturministerium erklärte das Gericht fünf von insgesamt 20 Leitungsbesetzungen aus dem Jahr 2015 für ungültig. Neben dem Palazzo Ducale ging es um die Archäologischen Museen von Neapel (Paolo Giulierini), Taranto (Eva Degl'Innocenti) und Reggio Calabria (Carmelo Malacrino) sowie die Gallerie Estensi von Modena (Martina Bagnoli).

Unklar schien, ob mit dem Urteil auch die Berufungen anderer nichtitalienischer Direktoren staatlicher Museen in Italien angefochten werden könnten. Zu ihnen gehören der Kulturhistoriker Eike Schmidt an der Spitze der Uffizien und Cecilie Hollberg an der Galleria dell'Accademia in Florenz, beide aus Deutschland, sowie der Österreicher Peter Aufreiter als Direktor der Galleria Nazionale delle Marche in Urbino, der Brite James Bradburne von der Pinakothek Brera in Mailand und der Franzose Sylvain Bellenger vom Museo Capodimonte in Neapel. Franceschini äußerte sich in einer ersten Reaktion auf das Urteil Ende Mai befremdet darüber, dass europäische Bürger als Ausländer eingestuft würden.

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