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Der Entwurf Stellas zeigt ein Kreuz auf de Kuppel.
Der Entwurf Stellas zeigt ein Kreuz auf de Kuppel.
Architekt gegen Schriftzug "Zweifel" auf Berliner Stadtschloss
Kulturzeit-News vom Freitag, 09.06.2017
In der Debatte um das geplante Kuppelkreuz auf dem wiedererrichteten Berliner Stadtschloss hat sich erneut der Architekt, Franco Stella, zu Wort gemeldet: In einem Schreiben an den "Tagesspiegel" kritisierte er den neuen Vorschlag der Gründungsdirektoren des Humboldt-Forums, das Kreuz mit dem Wort "Zweifel" zu kombinieren und diesen Schriftzug in großen Lettern auf der anderen Seite des Schlosses anzubringen.
Wörtlich schrieb Stella an die Zeitung: "Die vorgeschlagene Schrift auf der Ostfassade des Berliner Schlosses stellt eine Form mit einer feinen 'Seele' und einem riesigen 'Körper' dar. Während ich mich aus der Diskussion über die symbolischen Inhalte lieber heraushalten möchte, fühle ich mich fast gezwungen zu sagen, dass ich den 'Körper' dieser Form als eine erhebliche Verunstaltung meiner Architektur ansehe." Die Idee mit der Installation des Schriftzuges "Zweifel" des Künstlers Lars Ramberg stammte vom Intendanten-Trio Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp. Am 8. Juni 2017 hatte sich auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisch zu dem neuen Vorschlag geäußert: Dass das Kreuz mit dem Wort "Zweifel" kombiniert werden solle, erschließe sich ihm nicht, sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Stella: Tilgung des Kuppelkreuzes ist "inakzeptabel"
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Stella hatte bereits Anfang Juni gesagt, er halte eine Tilgung des Kuppelkreuzes aus seinem Entwurf für "inakzeptabel". Die Kuppel des Stadtschlosses sei auch ohne Kreuz an eine christliche Formsprache angelehnt. Zudem sei das Kuppelkreuz nicht, wie von Kritikern behauptet, als Dankesgeste nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 erbaut worden. In der Debatte um die geplante Kuppelrekonstruktion fordern der Senat sowie Politiker von Linkspartei und Grünen, dass entgegen der ursprünglichen Pläne kein Kreuz auf der Kuppel errichtet werden soll. Andernfalls sei die weltanschauliche Neutralität des Humboldt-Forums, das in das Stadtschloss einziehen soll, in Gefahr.

Der evangelische Bischof Markus Dröge und der katholische Erzbischof Heiner Koch haben das geplante Kuppelkreuz wiederholt verteidigt. "Wer das Kreuz auf dem Humboldt-Forum kappen will, verdrängt die Fakten unserer christlich geprägten Kultur", sagte Dröge. Es sei "völlig unsachgemäß, heute noch zu behaupten, das Symbol des Kreuzes würde einen Dialog der Kulturen auf Augenhöhe verhindern". Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, betonte, das Kreuz gehöre auf die Schlosskuppel, weil das Gebäude einen geschichtlichen Zusammenhang mit christlicher Symbolik aufweise. "Man sollte diesen Kontext nicht verschleiern oder zwanghaft abschaffen." Er könne sich nicht vorstellen, dass Besucher aus muslimischen Ländern sich gestört fühlten.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, plädierte in der Debatte für Gelassenheit. Eine Gesellschaft könne sich nur dann über positive und negative Seiten der Religionen verständigen, "wenn man souverän mit ihrer öffentlichen Sichtbarkeit umgeht", erklärte Claussen in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel". Bislang sei die Bedeutung der Religionsfrage für das im Schloss untergebrachten Humboldt Forum nicht ausreichend diskutiert worden.

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Berlin
© dpaDas Kreuz mit der Kuppel
Debatte um Berliner Humboldt-Forum