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Der italienische Kulturminister Dario Franceschini äußerte sich enttäuscht über das Urteil.
Der italienische Kulturminister Dario Franceschini äußerte sich enttäuscht über das Urteil.
Urteil in Italien setzt mehrere Museumsleiter vor die Tür
Kulturzeit-News vom Freitag, 26.05.2017
Ein Verwaltungsgericht in Rom hat die Ernennungen mehrerer Museumsdirektoren in Italien gekippt. Es bemängelte die Transparenz des Besetzungsverfahrens, die Auswahlkriterien sowie die Zulassung ausländischer Bewerber und erklärte fünf von insgesamt 20 Leitungsbesetzungen aus dem Jahr 2015 für ungültig.
Unter ihnen ist nach offiziellen Angaben der Österreicher Peter Assmann als Leiter des Palazzo Ducale in Mantua. Desweiteren geht es um die Archäologischen Museen von Neapel (Paolo Giulierini), Taranto (Eva Degl'Innocenti) und Reggio Calabria (Carmelo Malacrino) sowie die Gallerie Estensi von Modena (Martina Bagnoli). Kulturminister Dario Franceschini äußerte sich enttäuscht. Er kündigte an, Berufung beim Obersten Verwaltungsgericht, dem Consiglio di Stato in Rom, einzulegen. Entgegen ersten Meldungen betrifft die Entscheidung nicht den deutschen Direktor des Archäologischen Parks Paestum, Gabriel Zuchtriegel, wie das Kulturministerium am 25. Mai 2017 in Rom betonte.

Unklar, ob weitere ausländische Direktoren betroffen sind
Unklar scheint, ob mit dem Urteil auch die Berufungen anderer nichtitalienischer Direktoren staatlicher Museen in Italien anfechtbar sind. Zu ihnen gehören etwa der Kulturhistoriker Eike Schmidt an der Spitze der Uffizien und Cecilie Hollberg an der Galleria dell'Accademia in Florenz, beide aus Deutschland - sowie der Österreicher Peter Aufreiter als Direktor der Galleria Nazionale delle Marche in Urbino, der Brite James Bradburne von der Pinakothek Brera in Mailand und der Franzose Sylvain Bellenger vom Museo Capodimonte in Neapel.

Franceschini bekundete Befremden darüber, dass europäische Bürger als Ausländer eingestuft würden. Dies sei "verfehlt"und in Widerspruch zur Auffassung des Europäischen Gerichtshofs, erklärte er laut der Zeitung "Il Sole 24 Ore". Er sorge sich auch darum, dass "eine Sache, für die Italien sich hat loben lassen, zur Diskussion gestellt wird", sagte er mit Blick auf das internationale Profil italienischer Kultureinrichtungen.

Franceschini: Gesetz "sehr restriktiv" ausgelegt
Sein Ministerium wandte sich in der später veröffentlichten Pressemitteilung gegen die Kritikpunkte der Staatsangehörigkeit, der Transparenz und der Bewertungskriterien für die Kandidaten. So lege das Gericht ein Gesetz zum Öffentlichen Dienst "sehr restriktiv" aus und lasse Fortschritte des italienischen wie des europäischen Rechts im Blick auf Freizügigkeit außer Acht. Das Besetzungsverfahren sei "transparent und öffentlich" verlaufen.

Der Direktor von Paestum, Zuchtriegel, wurde am 25. Mai von italienischen Medien mit den Worten zitiert, er hoffe, die Forschung, der Schutz und die Erschließung von Kulturgütern in italienischen Museen gingen weiter, "mit oder ohne Zuchtriegel". Wichtig sei, dass die positive Entwicklung von Paestum nicht von Personalien beeinträchtigt werde.

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