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Der belgische Museumsmann Chris Dercon löst das Volksbühnen-Urgestein Frank Castorf ab.
Chris Dercon: Volksbühne am Programm messen
Kulturzeit-News vom Dienstag, 16.05.2017
Mit Künstlern aus Syrien, Deutschland, Frankreich und Thailand startet Chris Dercon in seine erste Saison als Intendant der Berliner Volksbühne. "Wir wollen am Programm gemessen werden", sagte Dercon (58) am 16. Mai 2017. "Endlich müssen wir nicht mehr über mich reden", so der Theaterchef, der sich in den vergangenen Monaten heftiger Kritik aus der Kulturszene ausgesetzt sah. Dercon sagte, die Volksbühne werde "Stadttheater ohne Grenzen" bieten.
Zum Auftakt am 10. September lässt der französische Choreograph Boris Charmatz die Zuschauer auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof tanzen. Das Projekt "Fous de danse - Ganz Berlin tanzt" gibt den Startschuss zu einer vierwöchigen Premierenserie am temporären Tempelhofer Spielort der Volksbühne.

Statement von Chris Dercon ...


 

16 Premieren bis Ende Januar 2018
Bis Ende Januar stehen dann insgesamt 16 Premieren auf dem Programm. Davon seien 13 Eigenproduktionen der Volksbühne, so Dercon und Programmdirektorin Marietta Piekenbrock. Künstler wie die Syrer Mohammad Al Attar und Omar Abusaada, die Deutsche Susanne Kennedy, der Thailänder Apichatpong Weerasethakul und die Dänin Mette Ingvartsen inszenieren an der Volksbühne.

Der Belgier Dercon ist Nachfolger von Volksbühnen-Intendant Frank Castorf (65), der das Theater nach 25 Jahren verlässt. Der gebürtige Belgier war zuletzt Direktor des Londoner Museums Tate Modern. Seine Berufung durch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und den damaligen Kulturstaatssekretär Tim Renner (beide SPD) stieß in der Kulturszene und im Ensemble der Volksbühne auf Widerstand. Kritiker warfen Dercon fehlende Theatererfahrung vor. Er wolle die Volksbühne zu einer "Eventbude" machen.

Dercon: Politische Gemengelage unterschätzt
Nach seiner zweiten Personalversammlung mit dem Ensemble sagte Dercon am 16. Mai, er habe die politische Gemengelage in der Stadt unterschätzt. Aber jetzt gehe es nicht mehr um ihn, sondern "um Inhalte, Kunst und neue Formate". Piekenbrock warnte davor, die im Sommer startende Intendanz von Dercon als "feindliche Übernahme" oder "Entkernung" der Volksbühne zu interpretieren: "Das Gegenteil könnte der Fall sein."

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