© dpa
Hauptgrund für seinen Rückzug sei seine Professur für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, sagte Josef Haslinger. Außerdem sei der Wunsch groß, wieder selbst zu schreiben.
Hauptgrund für seinen Rückzug sei seine Professur für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, sagte Josef Haslinger. Außerdem sei der Wunsch groß, wieder selbst zu schreiben.
P.E.N.-Präsident Josef Haslinger gibt Amt ab
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 20.04.2017
Der Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger, tritt nicht mehr an. Er werde auf der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung am 28. April 2017 in Dortmund nicht mehr für eine weitere zweijährige Amtszeit zur Verfügung stehen, sagte der 61-jährige österreichische Autor ("Opernball", "Jáchymov") am 20. April 2017 in Darmstadt dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Hauptgrund für seinen Rückzug sei seine Professur für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, die er seit 1996 innehat. Außerdem sei der Wunsch groß, wieder selbst zu schreiben. Haslinger ist seit Mai 2013 P.E.N.-Präsident. Für seine Nachfolge stünden in Dortmund mehrere Kandidaten bereit, sagte der Pressesprecher der Schriftstellervereinigung, Felix Hille. Auch der Vizepräsident und "Writers-in-Prison/Writers-at-Risk-Beauftragte" Sascha Feuchert (Gießen) und der "Writers for Peace"-Beauftragte Hans Thill (Heidelberg) kandidierten in Dortmund nicht mehr für einen Platz im Präsidium.

Haslinger lebt in Wien und Leipzig. Er habe es nicht mehr geschafft, seine Lehrtätigkeit in Sachsen, das Pendeln zu seiner Familie in Österreich und das Ehrenamt als P.E.N.-Präsident "unter einen Hut zu bringen", sagte der Autor. Es sei aber auch wichtig, regelmäßig am Sitz des P.E.N. in Darmstadt präsent zu sein und die Kontakte zur Stadtpolitik, den Kulturinstitutionen und Medien vor Ort zu halten.

Zusätzliche Arbeitsbelastung seit Putschversuch
Haslinger verwies auch auf die zusätzliche Arbeitsbelastung im deutschen P.E.N.-Zentrum seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016. So habe sich die Schriftstellervereinigung seitdem um zahlreiche Kulturschaffende und Journalisten aus dem Land am Bosporus kümmern müssen, ihnen finanzielle Hilfen gewährt und Kontakte zu Medien und Verlagen vermittelt. Außerdem habe das Zentrum zahlreiche Stellungnahmen zur Situation in der Türkei verfasst und Podiumsdiskussionen organisiert.

Als besonderen Erfolg wertete Haslinger das 1999 mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung ins Leben gerufene "Writers-in-Exile-Programm". In aktuell vier Städten habe der P.E.N. Wohnungen für sieben Exilschriftsteller angemietet. Sie erhielten ein zunächst auf ein Jahr befristetes, maximal zweimal verlängerbares Stipendium. Die Wohnung werde manchmal von der gastgebenden Gemeinde, manchmal ebenfalls aus dem Writers-in-Exile-Programm bezahlt. Außerdem unterstützen die P.E.N.-Mitglieder die Stipendiaten bei den Problemen des Alltags und der Kontaktaufnahme zu Verlagen, Übersetzern und Redaktionen.

Das P.E.N.-Zentrum - der Name steht für "Poets, Essayists, Novelists" (Dichter, Essayisten, Schriftsteller) - versteht sich nach eigenen Angaben als Anwalt des freien Worts und als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller. Das deutsche Zentrum ist eine von 140 P.E.N.-Vereinigungen weltweit und hat derzeit rund 800 Mitglieder. Mitglied kann nur werden, wer aufgrund schriftstellerischer Leistungen ausgewählt wird.

Zurück zur Übersicht
Weitere News vom Donnerstag, 20.04.2017
Mediathek
© ZDFVideoBUCHMESSE LEIPZIG
Josef Haslinger und Franziska Sperr zu Gast am 3sat-Stand (24.03.2017)