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Ungarns einziger Literatur-Nobelpreisträger bekommt in seiner Heimat ein eigenes Institut.
Ungarns einziger Literatur-Nobelpreisträger bekommt in seiner Heimat ein eigenes Institut.
Ungarn: Nachlass von Imre Kertész an regierungsnahe Stiftung
Kulturzeit-News vom Donnerstag, 22.12.2016
Der Nachlass des Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Imre Kertész (1929-2016) geht an eine regierungsnahe ungarische Stelle. Die Stiftung für die Erforschung der Geschichte und Gesellschaft Mittel- und Osteuropas (KTTKK) werde ein Imre-Kertész-Institut gründen, hieß es in der Mitteilung der Einrichtung, die die staatliche Nachrichtenagentur MTI am 21. Dezember 2016 veröffentlichte. Der Autor von "Roman eines Schicksallosen" war im März 2016 gestorben.
Das neue Institut werde von 2017 an das Andenken an Kertész pflegen. Insbesondere werde es die im Kertész-Archiv der Berliner Akademie der Künste aufbewahrten Handschriften aufarbeiten und für die Publikation vorbereiten. In der Budapester Wohnung, in der Kertész von 1954 bis 1995 lebte, soll ein Museum eingerichtet werden. Er schuf dort sein Jahrhundert-Werk "Roman eines Schicksallosen".

Die Berliner Akademie der Künste als Bewahrerin zahlreicher Manuskripte, Tagebücher, Briefe und Fotografien des ungarischen Literatur-Nobelpreisträgers hat die geplante Schaffung eines Kertész-Museums und -Instituts in Budapest begrüßt. "Der schriftliche Nachlass von Imre Kertesz befindet sich auf Wunsch des Schriftstellers seit 2002 im Archiv der Akademie der Künste in Berlin und steht hier der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung", teilte Archiv-Direktor Werner Heegewaldt am 22. Dezember 2016 auf Anfrage mit. Die Formulierung "aufarbeiten" ließ indes offen, ob die Budapester Stiftung Ansprüche auf den Nachlass-Bestand im Archiv der Berliner Akademie erhebt. Dieser sei "inzwischen weitgehend erschlossen", betonte Heegewaldt. "Über die näheren Umstände der Museumseinrichtung und die Trägerstiftung ist uns nichts bekannt", fügte er hinzu.

Historikerin wird für eine Verfechterin von Geschichtsklitterung gehalten
Die Übernahme des Nachlasses erfolge auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Witwe des Schriftstellers, Magda Kertész, die selbst etwa ein halbes Jahr nach ihrem Mann gestorben war, heißt es in der Mitteilung der Stiftung für die Erforschung der Geschichte und Gesellschaft Mittel- und Osteuropas (KTTKK ). Die KTTKK wird von der umstrittenen Historikerin Maria Schmidt kontrolliert, die dem rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahesteht. Schmidt meldet sich immer wieder öffentlich mit Thesen zu Wort, die die Verantwortung Ungarns für die Ermordung hunderttausender ungarischer Juden in der Zeit des Nationalsozialismus leugnen.

Kertész, ein Überlebender des Holocaust, ist Ungarns einziger Literatur-Nobelpreisträger. Sein "Roman eines Schicksallosen" ( auf Deutsch 1996 erschienen), der die Todesmaschinerie in den KZs Auschwitz und Buchenwald aus der Perspektive eines 14-Jährigen beschreibt, gilt als eines der wichtigsten literarischen Zeugnisse über die Shoah. Kertész, der von 2002 bis 2012 in Berlin lebte, hatte den wiederauflebenden Nationalismus in Ungarn lange Zeit scharf kritisiert und dabei auch die Rolle der von 1998 bis 2002 und seit 2010 amtierenden Orban-Regierungen angesprochen. Die Medien der ungarischen Rechten hatten ihn dafür häufig verunglimpft.

Nach seiner Rückkehr nach Ungarn schloss Kertész allerdings seinen persönlichen Frieden mit der Orban-Regierung. Zur Bestürzung vieler Freunde und Leser nahm er 2014 den Stephansorden an. Dieser stammt aus der Zeit der rechts-autoritären Horthy-Herrschaft vor und während des Zweiten Weltkriegs. Die Orban-Regierung führte ihn als höchste staatliche Auszeichnung wieder ein. Seine Zuerkennung an Kertesz soll auf eine Idee von Orbans "Leib-Historikerin" Schmidt zurückgegangen sein.

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