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© dpa Lupe
Im Juli 1959, am Tag, als der Suhrkamp Verlag seinen Roman "Mutmaßungen über Jakob" veröffentlichte, verließ Uwe Johnson die DDR.
Uwe-Johnson-Nachlass geht nach Rostock
News vom Mittwoch, 11.07.2012
Herber Verlust für das Deutsche Literaturarchiv in Marbach: Das vor knapp drei Jahren mit den Archiven der Verlage Suhrkamp und Insel aus Frankfurt an den Neckar gekommene Autorenarchiv des Schriftstellers Uwe Johnson (1934-1984) muss an die Universität Rostock abgegeben werden.
Das DLA könne die Übernahme jetzt nicht finanzieren, bestätigte DLA-Direktor Ulrich Raulff im Deutschlandradio Kultur. "Liebend gerne" hätte er das Archiv dieses "Jahrhundertautors" in Marbach behalten, sagte Raulff. Es sei aber "nicht integraler Teil der Archive von Suhrkamp und Insel, um die es uns in erster Linie ging". Das Johnson-Archiv war 2009 zusammen mit den Archiven von Suhrkamp und Insel sowie dem Siegfried-Unseld-Archiv nach Marbach gekommen. Diese drei Teile seien inzwischen bezahlt, hieß es. Experten schätzen den Gesamtwert auf sieben Millionen Euro.

Manuskripte, Materialien, Möbelstücke
Das Johnson-Archiv sei in Rostock sicher gut aufgehoben, betonte Raulff. Johnson ("Jahrestage", "Mutmaßungen über Jakob", "Zwei Ansichten") hatte dort Germanistik studiert, an der Uni gibt es eine Johnson-Stiftungsprofessur. Nach Angaben aus Marbach besteht der Nachlass aus 111 Archivkästen mit Manuskripten, Korrespondenzen und Materialien. Dazu kommt eine 7900 Bände umfassende Arbeitsbibliothek sowie Einrichtungsgegenstände, Möbelstücke und Erinnerungsgegenstände aus seiner Wohnung in Sheerness-on-Sea (Großbritannien).

In Rostock soll nun am 17. Juli 2012 mit einer Absichtserklärung der Beteiligten der Grundstein für eine erste Johnson-Werkausgabe gelegt werden, wie der Suhrkamp Verlag am 10. Juli 2011 ankündigte. Der Unternehmer Ulrich Fries habe das Johnson-Archiv von der Peter Suhrkamp Stiftung (nicht vom Verlag) übernommen. Dies ermögliche, dass es der Uni Rostock und der Uwe-Johnson-Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erschließung zur Verfügung stehe. Die Hansestadt habe sich in den vergangenen Jahren zum Zentrum der Johnson-Forschung entwickelt, heißt es weiter. "Wenn das Archiv nun nach Rostock kommt und hier aufbewahrt und aufgearbeitet wird, schließt sich ein Kreis in der deutsch-deutschen Geschichte", erklärte Prof. Holger Helbig, der die Professur mit Johnsons Namen innehat.

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