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44 Jahre nach dem Tod von J.R.R. Tolkien ist eine neue Tolkien-Geschichte erschienen.
44 Jahre nach dem Tod von J.R.R. Tolkien ist eine neue Tolkien-Geschichte erschienen.
Wenig Neues in Mittelerde
Tolkiens letzter Streich "Beren und Luthién"
Jedesmal, wenn wieder ein bislang nicht veröffentlichtes Werk aus der Feder von Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien erscheint, ist die Fangemeinde in Aufruhr. Nun hat Tolkiens Sohn Christopher das Werk "Beren und Luthién" herausgegeben, 44 Jahre nach dem Tod des berühmten Schriftstellers und Schöpfers des Universums Mittelerde. 3sat-Redakteur und Tolkien-Kenner Markus Peick hat das Werk gelesen. Doch lohnt sich die Lektüre?
Es sei wenig neues Material in "Beren und Luthién", dem jüngst erschienenen letzten Werk aus dem Nachlass des "Herr der Ringe"-Autoren John Ronald Reuen Tolkien, sagt sein Sohn und literarischer Nachlassverwalter Christopher Tolkien, der den Band herausgegeben hat. Und leider behält er damit Recht. "Beren und Luthién" ist eine Liebesgeschichte, die viel Wandel erfahren hat im Lauf der Zeit. Luthiéns Vater stellte Beren einst eine unmögliche Aufgabe: Ihre Hand sollte er nur erhalten, wenn er einen Silmaril aus Morgoths Krone schneiden solle - ein Edelstein, magisch geschmiedet von kunstvollen Elben im Land der Valar, der Götter Mittelerdes. Dabei ist Morgoth das personifizierte Böse.

J.R.R. Tolkien hat diese Geschichte immer wieder umgeschrieben, wie der geneigte Fantasy-Fan weiß: Vom "Buch der verschollenen Geschichten", der frühesten Version der Legende über die "Nachrichten aus Mittelerde" bis hin zum "Silmarillion" wandelte sich die Konstellation immer wieder. Am Schluss war Beren ein sterblicher Mensch und Luthién eine unsterbliche Elfin. Eine bis zum "Herr der Ringe" einmalige Konstellation in den drei Zeitaltern Mittelerdes, in denen Tolkien seine Erzählung angesiedelt hat. Luthién konnte sich wie ihre Nachkommen entscheiden, ob sie als Elf leben oder als Mensch sterben will, aber wieder mit dem verschiedenen Beren vereint.

Von der zaubermächtigen Katze bis zu Sauron
© Klett-Cotta Die Illustrationen sind von Alan Lee.
Die Illustrationen sind von Alan Lee.
Einen Wandel der Geschichte hat auch dessen Diener erfahren: Die zaubermächtige Katze Tevildo der ersten Fassung wurde bald zu Morgoths Diener Thû und anschließend zu Sauron, dem "Herrn der Ringe" im gleichnamigen Buch. Das alles wissen Tolkiens Fans. Sie haben sich durch die Anmerkungen gelesen, die den größten Teil des "Buchs der verschollenen Geschichten" ausmachen. Neu sind nur - für deutschsprachige Leser - die Übersetzungen der Quenta Noldorinwa und des Leithan-Lieds. Für Leser der Originalfassung gilt, was Christopher Tolkien selbst schreibt: "Aber dieses Buch bietet keine einzige Seite an bislang unbekanntem Material." Es gehe ihm vielmehr darum, die Entwicklung nachzuzeichen. "Es ist ein Versuch, aus einem riesigen Werk von außerordentlicher Tiefe und Komplexität einen Erzählstrang herauszulösen." Es ist nur zum Teil eine Erzählung. Kommentare, Überleitungen und Querverweise verdeutlichen Entstehung und Wandel der Legende. Auch, wenn Christopher Tolkien die Leser mit seinen Anmerkungen durch den Wandel der Geschichte führt: Der Leser wird sich viele Namen merken oder häufig im Glossar nachschlagen müssen. Damit hat das Buch für Kenner nur dann einen Wert, wenn sie ihre Sammlung auch auf Deutsch vollständig haben wollen, denn es ist Christopher Tolkiens letzte Veröffentlichung der Werke seines Vaters, wie er in der Einleitung schreibt; schließlich ist er selbst nunmehr 93 Jahre alt.

Doch auch, wer bisher nur den "Herr der Ringe" und den "Hobbit" kennt, wird eine gewisse Enttäuschung nicht vermeiden können, spielt doch "Beren und Luthién" im ersten Zeitalter Mittelerdes. Damit fehlen die Eindrücke aus einer Zeit davor, die dem "Herr der Ringe" Tiefe verleihen.

Zur Person
Markus Peick
Der 3sat-Redakteur ist hauptberuflich in der Wissenschaftsredaktion "nano" beheimatet, hat aber auch eine ausgeprägte Vorliebe für Literatur, vor allem für J.R.R. Tolkien und Terry Pratchett.
Buch
© Klett-CottaLupe"Beren und Lúthien"
von J.R.R. Tolkien
Übersetzung: Helmut W. Pesch und Hans-Ulrich Möhring
Hrsg.: Christopher Tolkien
Illustration: Alan Lee
Klett-Cotta 2017
ISBN-13: 978-3608961652
Porträt
Vater der Fantasy
Vor 125 Jahren wurde "Herr der Ringe"-Autor J. R. R. Tolkien geboren (03.01.2017)