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© dpa Lupe
Eine junge Schriftstellerin und die Mühlen des Kommerz' - Marlene Streeruwitz' Roman "Nachkommen" ist eine Abgesang auf den Literaturbetrieb.
Gelungene Lebenswut
Marlene Streeruwitz' "Nachkommen"
Ihre Literatur ist ein Aufbegehren gegen verordnetes Denken und angepasstes Fühlen. Mit ihrem neuen Roman "Nachkommen" legt Marlene Streeruwitz nun abermals ein Buch vor, in dem sie wenig gemütlich der Zustand unserer Welt seziert - anhand des Literaturbetriebs.
"Eine Geschichte zu schreiben, bedeutet, auf Wahrheit zu drängen", sagt Marlene Streeruwitz. So ist auch ihr Roman "Nachkommen" eine Wahrheitsforschungsreise. Privates und Politisches sind darin untrennbar miteinander verbunden. Unser aller "geltende Schlachtordnung", wie es im Roman heißt, also das Gesellschaftssystem, in dem wir leben, wird am Beispiel einer jungen Frau Anfang 20 auseinander genommen. Sie hat ihre Mutter, die Schriftstellerin und Feministin war, früh verloren. Der Vater hat sich nie um das Kind gekümmert. Die Tochter tritt in die Fußstapfen der Mutter und landet mit ihrem Debütroman, der mit einer Welt abrechnet, in der das Geld das Sagen hat, auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Dominanz statt Kritik
"Nachkommen" ist nicht zuletzt ein Abgesang auf einen Literaturbetrieb, in dem betriebswirtschaftliche Überlegungen die alles Dominierenden sind. Kunst samt Kritik sind in diesem Zusammenhang längst obsolet geworden, dienen höchstens zur Komplettierung eines Lebensstils. "Wir müssen schon sehen, dass die Hegemonien der letzten 30 bis 40 Jahre nichts unternommen haben, um der kommenden Generation eine Welt zu übergeben, die funktionieren kann", so Streeruwitz. "Es ging immer nur um Einzel- und Kleininteressen."

Ihre Hauptfigur Nelia Fehn steht für jene titelgebenden Nachkommen, die die Bereitschaft, Verantwortung dafür zu übernehmen, was die Generationen davor angerichtet haben, nicht mehr habe. An einer Stelle sagt Nelia: "Ich kritisiere nicht. Ich lehne ab. Ich lehne jede Verantwortung für alle diese Erbschaften ab, mit denen ich belastet werde. Jede Verantwortung." In diesem Roman ist viel von Wut die Rede, von Weltwut und Lebenswut. Doch auch, wenn darin ein großes Unglück beschrieben wird, wie es ist, "regiert zu werden in bösen Zeiten", ist es zugleich ein Text über ein Gelingen und ein großes Glück.

Buch
© SLupe"Nachkommen"
von Marlene Streeruwitz
S. Fischer 2014
ISBN-13: 978-3100744456
Kulturzeit-Gespräch mit ...
VideoIna Hartwig, Literaturkritikerin
(24.26.2014)