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Themen am 23.10.2017Navigationselement
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© pr Lupe
Colm Tóibíns Porträt der Muttergottes - Provokation oder nicht?
Menschliche Ikone
Colm Tóibíns Porträt der Muttergottes
Ein Affront für gläubige Christen? Der Roman "Marias Testament" des Iren Colm Toíbín erhitzt die Gemüter. Er habe mit der Muttergottes das gleiche getan wie Dan Brown mit Jesus in "Sakrileg" - er habe Maria zur Projektionsfläche für Obsessionen gemacht, stand es in einem bissigen Artikel in einem christlichen Amtsblatt.
Das kann man überprüfen: Maria erzählt bei Colm Tóibín eine alternative Version der Passionsgeschichte, als Überlebende, die in Ephesos vor der Verfolgung von Jesus' Angehörigen und Anhängern Schutz gefunden hat. Als Bürgerin der Stadt, in der sie Jahrhunderte später von einem Konzil offiziell zur "Muttergottes" erklärt werden wird, wo jene Verehrung durch die Christen beginnt, die bis heute ungebrochen weiterwirkt. Maria erzählt als alte Frau, die von Evangelisten befragt wird. Doch sie erzählt von einem Sohn, den sie nicht versteht, und von den Sorgen einer Mutter, die ihr Kind nicht retten kann. Sie sieht die Differenz zwischen Glaubenslehren und erlittenem Leben.

Colm Toíbín hat "Marias Testament" zunächst als Theaterstück geschrieben und dann zum Roman umgearbeitet. Es ist das Porträt einer Zweifelnden, vergleichbar mit den Büchern, die er über Henry James oder über eine junge irische Exilantin in Brooklyn veröffentlicht hat. Diese Maria erzählt als Jüdin, als Frau in einer jüdischen Welt. "Wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war", erklärt Maria im Roman denjenigen, die Jesus' Geschichte aufschreiben wollen, um zukünftig eine Kirche darauf zu bauen. Und sie staunt über den Ehrgeiz der Apostel und über die Unschuld von deren Glauben.

Kulturzeit-Gespräch ...
© ZDFVideo... mit Hubert Winkels, Literaturkritiker
(04.06.2014)
Buch
© HanserLupe"Marias Testament"
von Colm Tóibín
Übersetzung: Ditte Bandini und Giovanni Bandini
Hanser 2014
ISBN-13: 978-3446244849