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Moderation
CLIP: Vivian Perkovic
Themen am 20.10.2017Navigationselement
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Einsam am Abgrund
Die Kulturzeit-Krimibuchtipps im Januar 2014
Tage des letzten Schnees
© Galiani Berlin Lupe
Ein einziger Augenblick, nur einen Herzschlag lang, und das Leben läuft aus dem Ruder - wie bei Lasse, der mit dem Auto verunglückt. Er überlebt, aber seine kleine Tochter auf dem Rücksitz stirbt. In Jan Costin Wagners Kriminalroman "Tage des letzten Schnees" steht das Leben und dessen Zerbrechlichkeit im Mittelpunkt. Auch Unto - als Schüler gemobbt und ausgegrenzt - verirrt sich immer mehr in Einsamkeit. Aus seiner Verzweiflung wird Hass und die Verehrung für den Amokläufer Anders Breivik. Wie dieser schafft sich auch Unto seine eigene, gefährliche Realität. Als die Prostituierte Réka ermordet in der Wohnung eines Geliebten liegt, muss dieser die Leiche verschwinden lassen. Seine bürgerliche Fassade wankt - auch er steuert ungebremst auf den Abgrund zu. Fast sinnbildlich für alle anderen drapiert der Autor die Leiche auf einer Parkbank, als müsse sich Réka nur kurz ausruhen - nur einen einzigen Augenblick - doch der dauert eine Ewigkeit lang. Kimmo, der ermittelnde Kommissar, hetzt durch all diese Einsamkeiten - ohne zu wissen, wie sehr er persönlich mit diesen Menschen verbunden ist. Jan Costin Wagners Kriminalroman "Tage des letzten Schnees" ist wie eine lange, melancholische Reise. Wie fallender Schnee verbinden sich leise Sätze zu einer festen, alles bedeckenden Fläche. Kalt, aber dennoch mit Hoffnung auf Frühling.
Buch
"Tage des letzten Schnees"
von Jan Costin Wagner
Galiani-Berlin 2014
ISBN-13: 978-3869710174

Eifel-Krieg
© KBV Verlag Lupe
Auch der Krimiautor Jacques Berndorf spielt mit der Einsamkeit. In den weitläufigen Wäldern der Eifel treibt ein Heckenschütze sein Unwesen. Sucht er seine Opfer zufällig aus? Liegt er im Hinterhalt tagelang auf der Lauer? Eines ist klar, er verwendet Hohlmantelgeschosse, die beim Auftreffen zersplittern und größtmöglichen Schaden bei den Opfern anrichten. Die Spuren führen den Journalisten Siggi Baumeister zum Eulenhof. Was nach außen romantisch klingt und auch den sauberen Anschein einer Pension für betuchte Gäste erweckt, entpuppt sich als Nest der braunen Pest und dient als "Erholungsheim" für Nazis aus der ganzen Republik. Hinter den Mauern werden Lesungen von "Mein Kampf" zelebriert, Kameradschaftsabende gepflegt und "Fortbildungen" durchgeführt. Doch die wahren Bosse tragen keine Glatze. Die wahren Bosse tragen Anzug und Krawatte. Zentrale Figur: Veit Glaubrecht, ausgewiesener Marketingchef und laut interner Einschätzung der Kriminalpolizei "sehr gefährlich". Und Glaubrecht ist gut in seinem Job. Gerede über den Hof erstickt er im Keim. Das bekommt auch Baumeister zu spüren, der dem Heckenschützen scheinbar entschieden zu nahe kommt. In seinem Kriminalroman "Eifel-Krieg" legt Jacques Berndorf den Finger in die ewig nässende und entzündete Wunde unserer Gesellschaft. Gewohnt unaufgeregt, aber mit entscheidendem Nachdruck.
Buch
"Eifel-Krieg"
von Jacques Berndorf
KBV-Verlag 2013
ISBN-13: 978-3942446976