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Themen vom 20.07.2017Navigationselement
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© dpa Lupe
Müssen wir unser Beuys-Bild revidieren?
Alles Lüge?
Kratzer am Mythos Joseph Beuys
Am Anfang der Künstlerlegende Beuys steht ein Mythos. Der Autor Hans-Peter Riegel hält den allerdings für ziemlich sicher erfunden. Mehr als zwei Jahre lang hat er Beuys' Leben recherchiert und eine 600-seitige Biografie geschrieben. Sein Fazit: Den Künstler Beuys hat die braune Vergangenheit sein Leben lang begleitet.
Und so begann dieser Mythos: Der junge Bordfunker Joseph Beuys wird im Zweiten Weltkrieg über der Krim-Halbinsel abgeschossen. Tataren finden ihn, reiben ihn mit Fett ein und packen ihn in Filz - er überlebt. Filz und Fett werden zum Markenzeichen seines Werkes. Der geläuterte Hitler-Soldat wird zum Künstler.

Aufgewachsen ist Joseph Beuys in Nazi-Deutschland. Er ist aktives Mitglied der Hitlerjugend und meldet sich freiwillig für Hitlers Krieg. Er will Flieger werden und dient dann bis zu seinem Absturz 1944 als Bordfunker. Nach dem Krieg wird er Künstler. Seine frühen öffentlichen Auftritte sind eine Art schamanische Ritulale. Mit Gold und Honig eingerieben, erklärt er beispielsweise einem toten Hasen die Welt.

Völkische Esoterik
Hans-Peter Riegel sieht in Beuys' Aktionen eine Art völkische Esoterik, vor allem beeinflusst vom antroposophischen Denken Rudolf Steiners. Auch der Werkstoff Fett stamme nicht vom Beuysschen Kriegstrauma, sondern spiele bei Steiner eine wichtige Rolle. Beuys habe sich dessen These vom Übergang des Geistes zur Materie für seine Fettskulpturen zu Eigen gemacht. War der Fettstuhl also keine radikale Geste der Kunst, sondern eine antroposophische Illustration?

Josef Beuys habe sich immer als Wissenschaftler dargestellt, sagt Hans-Peter Riegel. Beuys - ein Visionär, Revolutzer, Utopist. Doch in seinem Hang zum Okkulten holte ihn seine Vergangenheit immer wieder ein. Riegel beweist in seinem Buch, dass sein näheres Umfeld aus den 1970er Jahren aus Alt-Nazis bestand. Sein persönlicher Sekretär Karl Fastabend war ein Ex-SS-Mann erster Stunde. Beuys hatte sich noch vor der Gründung der Grünen für die Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher aufstellen lassen, eine Partei mit klar rechtsnationalem Gedankengut.

Der progressive Beuys im Kleid des Rechtsradikalen? "Es ist sehr auffällig, dass im Umfeld von Beuys eine sehr hohe Zahl von NS-belasteten Menschen zu finden sind", sagt Hans-Peter Riegel. 7000 Eichen wollte Beuys auf der "Dokumenta 7" pflanzen - Naturschutz, okkultes Ganzheitsdenken oder forciertes Symbol für Deutschtum? Nach der neuen Biografie von Hans-Peter Riegel muss man sich diese Fragen wieder stellen.

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© ZDFVideoDas Kulturzeit-Gespräch mit dem Kunsthistoriker Stefan Koldehoff (27.05.2013)
Buch
© Aufbau VerlagLupeHans-Peter Riegel
"Beuys: Die Biographie"
Aufbau-Verlag 2013
ISBN-13: 978-3351027643
Kulturzeit extra
© APBeuys und Beuys
Zwischen Fettstuhl und sozialer Skulptur