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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Hazel und Gus heißen die Protagonisten bei John Green. Ihr gemeinsamer Augenblick gehört zum ehrlich Schönsten, was man über die Liebe lesen kann.
Suche nach ehrlicher Hoffnung
John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"
"Ich wollte unbedingt ein Buch schreiben, das Hoffnung gibt, kein doofes Krebsbuch", sagt John Green. Ein Buch ohne billige Ermutigungssprüche, ein hoffungsvolles, aber ehrliches Buch, eines, von dem sogar Todkranke sagen können: Es ist wahr, aber nicht gefühlsduselig. Das ist Green mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelungen.
Seine Heldin heißt Hazel. Ihr ständiger Begleiter ist Philip - so nennt sie ihr Sauerstoffgerät, "weil meine Lunge einfach grottenschlecht in ihrem Job war". Sie ist 16 und hat mit 13 Krebs gekriegt. Seitdem lebt Hazel damit, früh zu sterben. Aufgegeben hat sie vor allem aus einem Grund nicht: "Ich wollte meine Eltern glücklich machen. Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist als mit 16 an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt." Und dann ist da noch Gus. Auch er hat Krebs, ist gerade 17 und hat laut Hazel "eine Professur im Fachbereich 'Leicht-schiefes-Lächeln' und eine Stimme, bei der sich meine Haut mehr wie Haut anfühlt."

"Billiger Trost tröstet nicht"
"Wir haben diesen Zwang, auf Leiden immer mit Rührseligkeit und Gefühlsschmalz zu reagieren", sagt John Green. "Aber wie Hazel sagt: 'Billiger Trost tröstet nicht.' Meine Helden suchen nach einer ehrlichen Hoffnung, die sie wirklich aufrecht hält. Meine Meinung: All diese sentimentalen Krebsgeschichten helfen doch keinem am Ende."

Ausgerechnet in einer Selbsthilfegruppe, die sie beide ganz schön dämlich finden, lernen sie sich kennen. Sich aber finden sie ziemlich gut. In die Arme fällt sich hier trotzdem erst einmal niemand. Kann man das denn - ganz normal lieben, wenn man sich selbst eine "tickende Zeitbombe" nennt? "Für immer und ewig" gibt es für sie nicht. Statt Liebesschwüren reicht ihnen ein "Okay". "Ich finde es besser, wenn traurige Geschichten mit Humor erzählt werden", sagt Green. "Solange wir leben, in jedem Moment, sind wir dazu in der Lage, witzig zu sein, zu lachen. Und ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Todkranke sogar in ihren letzten Minuten sehr lustig sein können - das ist doch großartig", sagt der Autor. "Ich finde, wir sollten das feiern: unseren Sinn für Humor, die Fähigkeit, Freude an den seltsamsten Orten zu finden. Und genau das wollte ich in meinem Buch auch drinhaben."

Zauber des Anfangs
John Green ist kein Jugendbuchautor, er ist ein kultisch verehrter Literaturstar, ein Phänomen. Er versteht Jugendliche und sie lieben ihn dafür. Sein Internet-Blog hat mehr als eine Million Abonnenten. Und Hazel und Gus? Die fliegen nach Amsterdam, um ihren Lieblingsautor zu treffen. Zum ersten Mal Abenteuer. Zum ersten Mal verliebt. "Und so fielen wir ineinander wie das entzweite Haus, das allein nicht stehen konnte, glorreiche, verdammte Liebende, die wir waren", heißt es im Buch. "Es gibt diese Leidenschaft des 'Etwas-zum -ersten-Mal-Machens'. Die kommt nie wieder. Aber weil ich für Teenager schreibe, darf ich immer wieder und wieder zurück zu diesem intensiven Gefühl", schwärmt Green: "erste Liebe, erster Verlust, die ganzen großen Fragen. Und das ist toll, darum liebe ich das Schreiben."

Hazel und Gus sind zwei, die monströses Pech hatten - und gleichzeitig das Glück, sich zu finden. Ihr gemeinsamer Augenblick gehört zum ehrlich Schönsten, was man über die Liebe lesen kann. Sie sind beide todkrank und haben, so sagt Hazel, eben nur eine "kleine Ewigkeit" miteinander. "Alle Liebesgeschichten haben ein vorhersehbares Ende, weil wir alle sterben werden. 'Für immer' gibt es nicht, das ist ein inkorrektes Konzept, wie Hazel sagt - und ich stimme ihr zu", so Green. "Das heißt aber nicht, dass es Liebe nicht gibt, oder dass sie nicht letztendlich wichtiger ist als der Tod. Ich wollte eine Geschichte schreiben, in der wir sehen, wie etwas von dieser Liebe überlebt - sogar den Tod." Und das hat John Green geschafft: Er hat uns eines der bewegendsten Liebespaare der Literatur geschenkt. Eines, das man herzlich vermisst. Schon vor der letzten Seite.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© HanserLupeJohn Green
"Das Schicksal ist ein mieser Verräter"
Hanser 2012
ISBN-13: 978-3446240094
NDR-Mediathek
Der "Kulturjournal"-Beitrag als Video