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© dpa
T.C. Boyle ist zurzeit auf Lesereise durch Deutschland.
Endzeitstimmung
T.C. Boyles neuer Roman zum Thema Ökologie
T.C. Boyles neuer Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist" handelt vom erbitterten Kampf zweier Fraktionen von Umweltschützern. Es ist nicht sein erster Roman über ökologische Fragen, aber er ist noch effektvoller als andere zuvor. Zynischer hat der US-amerikanische Schriftsteller dieses Thema selten inszeniert - nämlich als erbarmungslosen Zusammenprall von radikalen Naturschützern mit abwägenden Wissenschaftlern beim Ringen um das ökologische Gleichgewicht auf einer Insel vor der kalifornischen Küste.
Wir sind zusammen mit T.C. Boyle auf Lesereise in Deutschland, per Eisenbahn. Als Gepäck hat Tom Coraghessan - kurz "T.C." Boyle - zwei Taschen dabei und darin sind: Unterhosen. Für mehr ist kein Platz. "Ich bin ein rastloser Krieger", beschreibt sich der Kultautor selbst. "Literaturpunk", "Bad Boy", "Genie": Vieles ist über T.C. Boyle schon gesagt worden. 63 Jahre ist er alt, 22 Bücher hat er geschrieben, alle sind Kult. Und wenn er nun sein Image selbst wählen dürfte? "Dann wäre ich ein bemalter Leichnam", antwortet T.C. Boyle. "Nach dieser Tour gehe ich direkt ins Krankenhaus. Nein, das ist nur Spaß, aber Sie müssen wissen: Für so viel Publikum wie gestern brauche ich allein zwei Stunden, nur um Bücher zu signieren. Ich will jetzt sofort mit meinem Kanu auf diesen Fluss. Wie kriege ich das hin?"

"Nicht viel Hoffnung für unsere Spezies"
Um die unauslöschlichen Spuren des Menschen in der Natur geht es in T.C. Boyles neuem, furiosem Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist". Die Protagonisten: ein Tierschützer gegen eine Umweltschützerin im Kampf "Gut gegen Gut". Der Freund von T. C. Boyles Tochter, ein Filmemacher, hat einen Videotrailer zum Buch produziert. "Diese beiden Menschen, Mann und Frau, sie waren einmal zum Date verabredet", so T.C. Boyle. "Sie hätten auf jede mögliche Weise zusammen sein können. Nur kämpfen sie stattdessen gegeneinander. Das gehört zur Umweltbewegung: ideologische Kämpfe: Wer hat Macht? Wer hat Recht? Wessen Ideen werden siegen? Alles, was ich bisher geschrieben habe, ist apokalyptisch. Ich habe nicht viel Hoffnung für unsere Spezies. Wer ein Freund der Erde ist, muss ein Feind des Menschen sein. Wir dominieren alles. Und genau das ist doch das Problem der Umweltbewegung: Niemand interessiert sich wirklich dafür, weil sie sich eigentlich gegen uns richtet: gegen den Menschen."

"Wenn das Schlachten vorbei ist" ist große Literatur, über Generationen erzählt. Lauter gebrochene Figuren und fast alle Frauen in diesem Roman verlieren ihren Mann. "Jane Austen wäre damit nicht einverstanden, klar", sagt der Autor. "In ihren Büchern kriegt jede Frau ihren Mann. Vielleicht, weil sie nie verheiratet war, endet alles immer mit der Hochzeit. Was danach kommt, erfährt niemand. Vielleicht Kannibalismus? In meiner Geschichte geht es um Verluste, um persönliche Verluste und um Verluste in der Natur." Boyle verbringt oft Wochen und Tage alleine in der Wildnis von Kalifornien. Das macht gelassen, auch gegenüber Kritikern. Was Boyle diesen gegenüber wohl sagt? "Gut, sage ich: Ich bin ein Darwinist, ein Evolutionsanhänger. Und Sie müssen wissen: Evolution hat den Elefanten hervorgebracht - das größte Lebewesen, schön, intelligent, wunderbar. Aber da Evolution auch ökologische Nischen produziert, ist die Schmeißfliege ebenso entstanden, um sein Blut zu trinken."

Die Sucht nach Literatur rettet ihn
Kritiker als Kollateralschaden der Evolution - was kann da überhaupt noch Schlimmes passieren? Ein Hungergefühl in der Magengrube, doch vor dem Lunch müssen wir den Zug wechseln. Vor seinem Schriftstellerleben hatte Boyle ein erstes, ein Drogenleben. Die Kindheit war hart, der Vater depressiv, die Mutter Alkoholikerin. Es war eine wilde Jugend mit allen Arten von Rauschgift. Es ist die Sucht nach Literatur, die ihn am Ende rettet. "Einen 'Affen schieben' als Entzugserscheinung - das ist wie bei den Drogen", sagt T.C. Boyle. "Man ist süchtig. Viele Schriftsteller sind Süchtige. Es ist derselbe Rausch aus Erregung, Befriedigung und Freude. Wenn du siehst, dass alles gut ist, dass es zusammen passt und du dich dann diesem letzten Satz näherst."

Letzter Satz, dann kommen die Lesereisen, der Ruhm und das Fernsehen. "Fernsehen fühlt sich für mich an wie der Tod der Welt", so der Autor. "Denn das Fernsehen ist der natürliche Feind des Buchs. Die Leute sehen fern, statt mein Buch zu lesen. Aber ich arbeite an einer Lösung, in meinem Kellerlabor zuhause in Kalifornien: ein spezieller Röntgenstrahl, der alle TV-Übertragungen auf der Welt zerstört - für immer. Also, nehmt euch in Acht!". Das Ende ist nah. Wir wissen es längst. Danke, T.C. Boyle.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© HanserLupeT.C. Boyle
"Wenn das Schlachten vorbei ist"
Übersetzer: Dirk van Gunsteren
Hanser 2012
ISBN-13: 978-3446237346
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