Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
010203
04
05
0607080910
11
12
1314151617
18
19
2021222324
25
26
27
28
29
30
31
01
02
Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
NavigationselementNavigationselement
Lupe
Der Besuch bei Prostituierten befreie ihn von der Last einer romantischen Zweierbeziehung, sagt der bekennende Freier und Comic-Zeichner.
Schamlos, offen, radikal
Chester Browns Comic zum Thema Prostitution
Der Comic-Autor Chester Brown nimmt kein Blatt vor den Mund. In seinem neuen Buch "Ich bezahle für Sex - Aufzeichnungen eines Freiers" berichtet er von Erfahrungen mit Prostituierten im kanadischen Toronto.
Männer sprechen selten über Sex, selten über ihre Wünsche, Fantasien und geheimen Lüste. Käufliche Liebe, Sex mit Prostituierten - darüber spricht man nicht. Oder doch? "Es ist nicht so unüblich mit Freunden über Sex zu reden", sagt Chester Brown. "Ich genieße mein Sex-Leben. Sex mit Prostituierten hat sich nicht groß unterschieden zum Sex mit meinen Partnerinnen." Die düsteren Seiten wie Frauenhandel oder Zwangsprostitution sind dabei nicht sein Thema. Chester Brown erzählt seine persönliche Geschichte, verblüffend schamlos, offen und radikal.

Lust und Liebe fürs Detail
Lupe
Chester Brown ist seine eigene Hauptfigur.
"Wenn man ehrlich ist, wird alles erst richtig interessant", sagt Brown. Chester Brown selbst ist die Hauptfigur. Sein Liebesleben der vergangenen 14 Jahre ist das Thema des Comics. Die horizontale Welt betrachtet er - mit viel Lust undLiebe fürs Detail - aus rein männlicher Perspektive. "Es gibt viele Bücher aus dem Blickwinkel von Prostituierten und nur ganz wenige aus der Perspektive des Kunden", so Brown. "Kunden erzählen nie viel und es ist offensichtlich, warum. Wir, die meisten Freier, schämen sich für das, was sie tun. Sie wollennicht, dass die Welt davon erfährt und wollen es niemandem gegenüber bekennen. Normalerweise bleibt das ein Geheimnis."

Und so fing alles an: "Wir müssen reden", sagt Chesters Freundin. Chester ahnt schon, was nun kommen wird. "In der ersten Szene macht meine Freundin mit mir Schluss", so Brown. "Die meisten Männer wären in so einer Situation sauer geworden: 'Meine Freundin will eine sexuelle Beziehung mit einem anderen Mann'. Aber ich habe gemerkt, dass mich das nicht aufregt, ich war nicht eifersüchtig. Ich war sogar glücklich, dass ich von der Last einerromantischen Liebesbeziehung befreit werde, auch wenn ich diese Frau geliebt habe."

Die Zweierbeziehung hat für ihn ausgedient
Von der klassischen Zweierbeziehung hat Chester nun die Nase voll. Auch von Flirts und anderen Versuchen, als Single auf dem freien Liebesmarkt einen Partner zu ergattern, will er nichts wissen."Die meisten Leute spüren diesen Hunger nach einer romantischen Liebe", sagt der Comic-Zeichner. "Wenn sie das in einer Beziehung nicht finden, werden sie unglücklich. Das ist einer der Hauptgründe für Konflikte in einer Zweierbeziehung. Wenn man aber nicht verliebt ist, dann sucht man sehnsüchtigst nach dem nächsten Partner für eine romantische Beziehung, wohingegen ich von all dem befreit bin. Das ist nicht mehr die Welt, in der ich mich bewege."

Stattdessen entdeckt er die Welt der käuflichen Liebe und beschreibt sie nüchtern, direkt, ohne falschen Ton. Es geht um Sex, nur umSex. Chester kennt kein Tabu. Realistisch zeigt er auch die Problemzonen des geschlechtlichen Verkehrs. Chesters Interesse geht über den puren Sex hinaus. Er will wissen, wer die Prostituierten sind, will hinter die Kulissen blicken. "Es gab schon auch Geschichten, in denen mir die Frauen von unangenehmen Erfahrungen berichtet haben", so Brown. "Und obwohl das ein Aspekt war, dem ich mehr Platz im Buch einräumen wollte, ging das leider nicht, weil ich die Privatsphäre der Frauen schützen musste. Deshalb mussteich vieles davon streichen."

Andere Form für Sex, Partnerschaft, Freundschaft
Chester Brown hat einen Comic gezeichnet, der auch ein Plädoyer für Prostitution ohne gesetzliche Beschränkungen sein will, wie es sie in Kanada gibt. Gleichzeitig entwirft er eine Lebensform, in der Sex, Partnerschaft und Freundschaft unabhängig voneinander gelebt werden können und die nicht im All-Inclusive-Kuschel-Angebot einer romantischen Liebesbeziehung beinhaltet sind. "Ich habe begriffen, dass die Erfahrung einer romantischen Liebesbeziehung sich wie eine Bürde in meinem Leben angefühlt hat, wie eineArt Druck", sagt Chester Brown. "Sex mit Prostituierten ist viel weniger kompliziert, allerdings auch weniger leidenschaftlich. Mit Prostituierten küsst man sich oft gar nicht. Diese Seite von Sexualität erlebt man kaum,wenn man für Sex bezahlt."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© Walde+GrafLupeChester Brown
Übersetzung: Stephan Pörtner
"Ich bezahle für Sex -Aufzeichnungen eines Freiers"
Walde+Graf 2012
ISBN-13: 978-3-03774-045-3