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© dpa Lupe
Die Fifa im Visier: Thomas Kistner hat über die Geschäfte der Fifa geschrieben.
Fußball-Sumpf
Thomas Kistners Buch über die "Fifa-Mafia"
Der milliardenschwere Weltfußballverband Fifa brüstet sich gerne mit seinen Verdiensten um die globale Völkerverständigung. Jetzt will er der Stadt Zürich an seinem Hauptsitz gar ein glamouröses Fußballmuseum schenken. Trotz wiederkehrender Korruptionsvorwürfe konnte sich die Clique rund um Präsident Sepp Blatter bisher unbeschadet halten. Doch jetzt bläst ein deutscher Sportjournalist zum Sturmangriff: Thomas Kistners fulminante Anklageschrift trägt den provokanten Titel "Fifa-Mafia".
Fußball regiert die Welt und mittendrin sonnt sich Fifa-Präsident Sepp Blatter. Kurz vor der Europameisterschaft 2012 ist die Fußball-"Familie" unter sich. Vergessen ist das Damoklesschwert der permanenten Korruptionsvorwürfe. Der Autor Thomas Kistner ist selbst begeisterter Fußballer. Als Journalist bei der "Süddeutschen Zeitung" recherchiert er die Machenschaften der Fifa seit 20 Jahren. Da geht es um Filz, wechselseitige Abhängigkeiten und Korruption. "Fifa Mafia" ist darum der provokante Titel von Kistners Buch.

Die Fifa ist "not amused"
"Die Sprachregelung geht generell in diese Richtung: Man hat die 'Omertà'", sagt Kistner. "Eine Familie regelt ihre Probleme intern. Wir brauchen keine Assistenz von außen und müssen das innerhalb der Familie regeln." Der Weltfußballverband reagiert gereizt. Da wische sich einmal mehr jemand an der Fifa die Füße ab, ohne Beweise zu liefern. Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio hat das Buch gelesen. Mit seinen italienischen Wurzeln empfindet er den Mafia-Vergleich besonders problematisch. "Mafia heißt: mehrere tausend Tote in letzten 20 Jahren, das bedeutet Kinderprostitution, Waffenschieberei. Münzt man das auf den Fußball, dann bagatellisiert man das Problem der organisierten Kriminaltität."

Ist die Fifa kriminell? "Die Fifa hat nachweislich kriminelle Elemente in ihren Reihen, auf oberster Ebene angesiedelt", sagt Thomas Kistner. "Allein in den letzten anderthalb Jahren wurden von Fifa-Vorständlern ungefähr die Hälfte suspendiert. Andere stehen in ihren Heimatländern unter Ermittlungsdruck. Es gibt also genügend Leute, die so oder so mit kriminellen Machenschaften in Verbindung stehen. Da ist genügend Substanz zu sagen, hier handelt es sich um ein mafiöses Netzwerk."

"Was ist Bestechung?"
Die Fifa hat den Ruf eines Selbstbedienungsladens für korrupte Funktionäre. Die Vorwürfe gehen bis ganz hoch an die Spitze. Das geht von erkauften Wahlen bis zur Vergabe von Weltmeisterschaften in Regionen mit wenig demokratischen Strukturen, aber mit vielen finanziellen Mitteln. Und will einer auspacken, wie Jack Warner vom karibischen Verband, dann zieht er kurz darauf alles wieder zurück. Das ist sehr dubios. "Was ist Bestechung?", fragt Kistner. "Nur dann, wenn ich jemandem ein Geldkuvert zuschiebe und nur wenn ich es persönlich mache? Oder auch, wenn ich Dinge durch Dritte ausführen lasse? Wenn ich Leute mit Versprechungen ködere, wenn ich Jack Warner die karibischen Fernsehrechte für einen Dollar oder später für 2,50 Dollar 'schenke', wenn sie schon 20 Millionen wert sind?"

"Geschenke" haben neben Jack Warner weitere hohe Fifa-Funktionäre angenommen. Allein im Zuger Prozess um die Vermarktungsagentur ISL ging es um 140 Millionen Franken Schmiergelder. Die Fifa beruft sich aber auf eine veränderte Gesetzeslage und verneint Korruption. "Bis 2001 waren das Provisionszahlungen, heute Schmiergeld", so Walter De Gregorio, "wenn der Herr Kistner schreibt, der Präsident hätte zur Polizei rennen sollen, hätte sie ihm höchstens gesagt, er solle das ordentlich versteuern, denn bis 2001 konnte man Provisionen von den Steuern abziehen. Im Nachhinein mit Ellenmaßen von heute die Vergangenheit zu beurteilen, das ist schwierig."

Blatter war 40 Jahre bei der Fifa
© ZDF, Jens Weinreich Lupe
Eine Langzeitbeziehung: Sepp Blatter und die Fifa
"Mag sein, dass das damals nach Gesetz nicht expressis verbis verboten war" so Kistner. "Nur was heißt das für den Funktionär, für den Verband? Das heißt, dass diese Leute Missmanagement betrieben haben. Dass das Konsequenzen haben muss, gerade wenn man ein Ehrenamt ausübt, ist sonnenklar." Unbeschadet hielt sich bis heute der Fifa-Präsident. Zum Ende seiner vierten Amtszeit wird er 40 Jahre der Fifa angehört haben. Sein kumpelhaftes Auftreten steht im Widerspruch zu seinem Ruf, Interessen knallhart zu verfolgen und nur zuzugeben, was er muss. Seinen Lohn beziffert er denn auch vage auf "eine Million Dollar - vielleicht ein bisschen mehr".

"Wir wissen nicht, was er verdient, was er bewegen kann auf eigene Rechnung", so Thomas Kistner. "Ein Milliardenunternehmen, ein Mann, der allein unterschriftenberechtigt ist: Das sagt eigentlich schon alles. Da braucht es Transparenz und die liegt in keiner Weise vor." Das Buch "Fifa-Mafia" bringt Licht ins Dunkel der milliardenschweren Fußballunterhaltungsmaschine. Es liefert zwar keine neuen Fakten, aber eine spannende Enthüllungsgeschichte für alle Fans der schönsten Nebensache der Welt.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© DroemerLupeThomas Kistner
"Fifa-Mafia: Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball"
Droemer 2012
ISBN-13: 978-3426275863
Schwerpunkt
Faszination Fußball
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