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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© PR Senckenbergmuseum Video
Schwarzangler - geheimnisvolle Kreaturen in der Tiefe
Das dunkle Paradies
Antje und Henning Boetius ergründen die Tiefsee
Nur wenige Meter unter dem Meeresspiegel beginnt ewiges Dunkel: die Tiefsee, ein fast unerforschter Kosmos. Die Meeresbiologin und Leibniz-Preisträgerin Antje Boetius widmet sich gemeinsam mit ihrem Vater, dem Schriftsteller Henning Boetius, der Erforschung der "terra incognita" in einem Buch.
Zwei Drittel der Erde sind von Meeren bedeckt. Die Tiefe ist ein Ort der Furcht. Der Schriftsteller Henning Boetius erklärt es anhand eines Vergleichs: "Schwimmen Sie mal im flachen Wasser, in der Nordsee vor Sylt, mit drei Metern unter sich. Das tun Sie gelassen, obwohl Sie ertrinken könnten. Versuchen Sie dasselbe mal mitten im Atlantik, mit 3000 Metern Tiefe unter sich. Sie werden völlig anders schwimmen. Sie werden sich wie ein Tragflächenboot bewegen, also ganz schnell und hastig. Weil dieser Abgrund Sie verunsichert. Das ist irrational."

Unbekanntes und Unbegreifliches
© dpa Lupe
In der Tiefsee gibt es noch viel zu entdecken: etwa einen Oktopus.
Die Tiefsee ist ein dunkles Paradies. Die Meeresforschung schätzt, dass hier bis zu zehn Millionen, zumeist unbekannte Arten leben. Woher kommt das Leben? Und woher kommt das Wasser? Ein kroatisches Sprichwort sagt: "Stecke einen Finger ins Meer und du bist mit der ganzen Welt verbunden." Die Welt stellt Fragen. Doch wie gibt man ihr Antworten? "Es geht um das Unbekannte und teilweise das Unbegreifliche", sagt die Meeresbiologin Antje Boetius. "Ich habe gerade etwas zum ersten Mal gesehen. Wie kann ich es dem nächsten überhaupt erklären? Ich habe es es nur ein Mal gesehen, ich werde es nie wieder sehen. Wir haben mit der Tiefseeforschung, weil es das Erforschen von völlig unbekannten Prozessen, Lebewesen und Räumen ist, auch mit dem einfachen Moment des Entdeckens zu tun."


Im Bohrkernlager der Universität Bremen liegen 140 Kilometer Bohrerde aus allen Meeren der Welt. Die Bohrkerne sind eine Bibliothek der Erde. Über sie lässt sich der Aufbau unseres Planeten verstehen. "Will ich zum Beispiel wissen, wie produktiv die Meere vor einer Million Jahre waren", so Antje Boetius, "dann kann ich mir ein Segment aus dem Kern heraussuchen und durch chemische Analysen herausfinden, wieviel Plankton es damals gab. War es nährstoff-limitiert? Wie kalt war das Wasser? All diese Dinge verraten mir die Ablagerungen aus der Vergangenheit."

© dpa Lupe
Leopardenhai in der Tiefsee
Die Tiefseeforschung ist eine junge Disziplin. Erst im 20. Jahrhundert fanden wagemutige Forscher Wege, um hinabzutauchen. Die Urfrage der Meeresforschung ist die nach der Tiefe. Keiner tauchte tiefer als der Schweizer Jacques Piccard. Mit seinem Tauchboot Triest bezwang er am 20. Januar 1960 das Challenger-Tief im Marianengraben. Doch der Erdkern ist davon noch mehr als 6000 Kilometer entfernt. Trotz aller Bemühungen kratzt unser bisheriges Wissen noch nicht einmal am Rand des Planeten.

Wie kann man das Meer in Zukunft schützen?
Alle sind auf der Jagd nach den Erdressourcen Öl und Gas. Durch die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon strömten 2010 bis zu einer Million Tonnen Öl ungeschützt in den Golf von Mexico. Die Folgen der Katastrophe auf das Biosystem sind immer noch nicht vollständig absehbar. Wie kann man in Zukunft schützen, was man bislang nur in Ansätzen kennt? Vater und Tochter Boetius, ein Schriftsteller und eine Naturwissenschaftlerin, suchen eine gemeinsame Sprache. "Ich bin in erster Linie Autor, wollte aber Physiker werden und das hat mich nie losgelassen", sagt Henning Boetius. "Ich bin nach wie vor einer, der sich ständig updated, der versucht, immer mitzukommen." Antje Boetius lacht und wirft ein: "Mir hört ja keiner zu, keiner versteht mich."

Für ihren Vater liegt das Problem darin, dass die Wissenschaftler zu spezialisiert werden müssten. "Das geht nicht anders", sagt er. "Die Gelder, die da fließen, das kann sich keiner leisten, so eine allgemeine großangelegte Forschung zu betreiben. Man muss den Bohrkern in seiner Branche vorantreiben. Das ist ein gewisses Handicap. Das liegt in der Natur der Sache." Die Literatur inspirerte nicht nur die Forschung. 1954 zeigte der Film "20.000 Meilen unter dem Meer" nach dem Buch von Jules Verne erstmalig den Traum von der Unterwasserwelt im Kino. Der Film öffnete der Fantasie ein Fenster in unbekanntes Land, in einen Kulturraum unendlichen Ausmaßes. Das größte Versprechen der Tiefe ist wohl, dass sie noch alle Geheimnisse bereit hält.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© BertelsmannLupe"Boetius, Antje und Henning
"Das dunkle Paradies. Die Entdeckung der Tiefsee"
Bertelsmann 2011
ISBN-13: 978-3570100523
Bildergalerie
© ReutersDas Meer in der Literatur
Mediathek
© Pam SpitzVideoInterview mit Antje und Henning Boetius
(geführt von Lotar Schüler)
nano
© Dr. Julian Finn, Museum VictoriaIn den Ozeanen tummelt sich vielfältiges Leben
"Cenus of Marine Life" zeigt Verteilung der Arten