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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© Knesebeck Lupe
"Zahra's Paradise" war ursprünglich ein iranischer Comic-Blog im Internet.
Bilder der Revolution
Die iranische Graphic Novel "Zahra's Paradise"
In Iran im Juni 2009 verabredeten sich eine Million Iraner im Internet. Sie demonstrierten gegen Mahmud Ahmadinedschad und gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen. Das Internet trägt den Protest in die Welt. Jeder kann jetzt sehen, wie der Gottesstaat zuschlägt. Doch die schlimmsten Bilder sind die, die man nicht sieht. Die zeigt die Internet-Graphic Novel "Zahra's Paradise", das Tagebuch einer Suche nach verschwundenen Kindern im Iran.
Amir, ein Exil-Iraner und Journalist, und Khalil, ein Araber, haben "Zahra's Paradise" entwickelt und ins Netz gestellt. "Auch wenn wir nicht mehr im Iran leben, sind wir im ständigen Kontakt mit unseren Familien", sagt Amir. "Unsere Familien wissen, dass wir sie nie im Stich lassen. In den vergangenen 30 Jahren haben wir gemeinsam der Islamischen Republik widerstanden. Wir wollen nicht, dass unsere Kultur getötet wird. Dagegen kämpfen wir an, genauso wie gegen das Lügen, das Morden, das Vergewaltigen. Unser Comic 'Zahra’s Paradise' ist ein Zeichen unserer Solidarität mit der grünen Revolution."

Internet als Sprachrohr der Revolution
Im Netz wurde die Graphic Novel zum vielbeachteten Phänomen. Sie startete vier Tage nach dem Wahlbetrug mit 14.000 Klicks täglich. Jetzt erscheint sie in elf Sprachen als Buch. Jasmin Tabatabai verfolgt das Comic-Tagebuch seit 2010. "All diese Bilder, die uns 2009 so aufgebracht und die grüne Bewegung ins Ausland gebracht haben, hat es letzten Endes wegen des Internets gegeben. 1986 zum Beispiel wussten wir alle, wie die Islamische Republik tickt, es war eigentlch bekannt. Ich sage 'eigentlich', denn wenn dir die Bilder fehlen, kannst du dir den Mund fusselig reden. Das kommt nicht so an."

© Knesebeck Lupe
Mehdi verliert seine Freunde in den Menschenmassen.
Im Kharisak-Gefängnis sitzen die politischen Häftlinge des Mullah-Regimes. Das Gebäude, eine Festung der Diktatur, darf nicht abgebildet werden. Khalil hat es gezeichnet und bricht das Tabu. Und er zeigt Bilder von Folter, die die Welt nicht sehen soll. Am Anfang der Revolution stand ein Handyfilm von der Ermordung der Studentin Neda. Amir und Khalil protokollierten das Geschehen. Ihr Buch will nur eines: Die Erinnerung an die Opfer wach halten. "Es gab Zeiten, da war es sehr schwierig für mich zu zeichnen", sagt Khalil. "Bei meiner Recherche musste ich mir hunderte Bilder von Gefolterten und Getöteten anschauen. Manchmal konnte ich nichts essen oder trinken. Das war schon sehr hart."

"Ja, manchmal denkst du, es geht nicht mehr", sagt auch Amir. "Aber im Netz surft man auf einer enormen Energiewelle. Weil Millionen Menschen draußen verfolgen, was du tust. Und die sagen dir dann: Du tust das Richtige. Mach weiter. Sie geben dir das Gefühl, dass du nichts falsch machen kannst. Du kannst gar nicht scheitern." Als Journalist weiß Amir, wie rasch politische Ereignisse wieder aus dem Scheinwerferlicht der Medien verschwinden. "Zahra's Paradise" will dazu beitragen, dass der Aufstand im Iran präsent bleibt. Die Grüne Revolution hat gerade erst begonnen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
© KnesebeckLupeAmir, Khalil
"Zahra's Paradise. Die Grüne Revolution im Iran und die Suche einer Mutter nach ihrem Sohn"
Knesebeck
V.Ö.: 16.09.2011
ISBN-13: 978-3-86873-103-3
Info
© KnesebeckLupeDie Identität der Comic-Autoren muss anonym bleiben. Sie haben Angst, dass ihren Familien dasselbe zustößt wie ihrer verschleppten Hauptfigur Mehdi. Auch zwei Jahre nach dem Revolutionsversuch, 2011, verschwinden immer noch Menschen im Iran.