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Themen am 28.06.2017Navigationselement
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© Kate Brooks Lupe
Bei einem Autobombenanschlag am Grabmal des Imam Ali in Nadschaf im Irak verloren schätzungsweise 135 Menschen ihr Leben.
9/11 - zehn Jahre danach
Kate Brooks fotografische Spurensuche
Zehn Jahre lang folgte die US-amerikanische Fotojournalistin Kate Brooks im Nahen Osten den Spuren der Anschläge des 11. September 2001. Sie dokumentierte die Auswirkungen der US-amerikanischen Außenpolitik auf die Zivilbevölkerung der Region ebenso wie die Jagd auf Osama bin Laden und die Invasion der US-Truppen in den Irak. Sie besuchte den Iran, war in Gaza, im Libanon, im Jemen, in Ägypten und Libyen. Jetzt erscheint ihr fotografisches Tagebuch "Im Licht der Dunkelheit".
Als sich am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center bohrten, hielt die Welt den Atem an. Die Bilder der brennenden Zwillingstürme haben sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. 9/11 veränderte nicht nur die Supermacht USA. Die Anschläge von New York und Washington markierten den Beginn einer neuen Ära in den internationalen Beziehungen und führten in der ohnehin konfliktgeschüttelten Region des Nahen und Mittleren Ostens zu einer neuen Welle der Gewalt.

Auf den Spuren des 11. September 2001
© Newsha Tavakolian Lupe
Kate Brooks folgt den Spuren von 9/11
Auch für die Fotojournalistin Kate Brooks bedeuteten die Terroranschläge von New York und Washington eine Zäsur. "Ich habe zehn Jahre lang die Folgen des 11. September fotografiert: Das ist fast ein Drittel meines Lebens. Das hat mich stark geprägt", sagt sie. Kate Brooks verfolgte in Moskau live auf CNN, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Center flog. Bis spät in die Nacht saß sie entsetzt und gebannt vor dem Fernseher, um die Ereignisse zu verfolgen. Schnell war der 23-Jährigen klar, dass sich die USA zum Krieg rüsteten. Und ebenso klar war ihr, dass sie über den heraufziehenden Konflikt berichten wollte.

Am 2. Oktober 2001 verließ sie mit einem Auftrag des "People Magazin" Moskau in Richtung Pakistan. Es war der Beginn einer zehnjährigen Odyssee, bei der sie vor allem die Frage antrieb, wie der Alltag in einem Kriegsgebiet aussieht. "Ich wollte das leisere Drama der alltäglichen Probleme dokumentieren", sagt sie. "Wie hält eine Gesellschaft zusammen, wenn der Krieg alles zerstört?" Ihre Reise führte sie vom afghanischen Tora Bora über Pakistan, Irak, Iran, Gaza, Libanon bis nach Ägypten, wo sie zuletzt den Aufstand und den Sturz des Präsidenten Hosni Mubarak fotografisch festhielt.

Kate Brooks vielfach ausgezeichnete Bilder, die in Zeitungen wie "Time", "Newsweek", "The New Yorker" und "The Wall Street Journal" veröffentlicht wurden, zeigen nicht nur die raue Schönheit und den schneidenden Schmerz einer von andauernden Konflikten erschütterten Region, sondern sie dokumentieren ebenso die Aufstände, den Eingriff der amerikanischen Truppen und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Fotografisches Tagebuch
Eine Auswahl ihrer eindrucksvollsten Aufnahmen ergänzt durch ihre schriftlichen Aufzeichnungen erscheint jetzt unter dem Titel "Im Licht der Dunkelheit" im Benteli Verlag. Kate Brooks fotografisches Tagebuch ist ein sehr persönliches Zeugnis, in dem sich ihre Erfahrungen als junge Fotografin in der arabischen Welt widerspiegeln. Dass sie als Frau durch die Region reiste, erwies sich dabei nicht als Schwierigkeit - im Gegenteil, sagt sie. "In meinem Beruf hilft es, eine Frau zu sein. Ich habe es nie erlebt, dass mir jemand sagte: 'Das können Sie nicht fotografieren, weil Sie eine Frau sind.' Ich denke, man hat einen Vorteil, auch in arabischen Ländern. Reporterinnen werden als weniger politisch, weniger gefährlich eingeschätzt. Das einzige Problem: In Menschenmengen wird das oft ausgenutzt. Man wird von Männern begrabscht."

"Im Licht der Dunkelheit" gewährt Einblicke in den Alltag eines Kriegsberichtserstatters und reflektiert zugleich die problematischen Seiten eines Berufs, bei dem Lebensgefahr, Tod und Gewalt zum Geschäft gehören und der unter Umständen zur Droge werden kann. Nach zehn Jahren an immer neuen Kriegs- und Krisenschauplätzen hatte Kate Brooks schließlich genug. Ihr ein Jahrzehnt währendes Nomadendasein hat sie dennoch nie bereut. "Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich diese Reise wieder genauso machen", schreibt sie am Ende ihres Buches. Denn: "Wenn wir nicht nah genug herankommen und nicht deutlich genug wahrnehmen, was passiert, wie soll man das erst jenen vermitteln, die gar nicht dabei sein können?"

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
ARD-Mediathek
Der Bericht von Brigitte Kleine und Gabriella Spierer
Buchtipp
© Benteli VerlagLupeKate Brooks
"Im Licht der Dunkelheit. Ein fotografisches Tagebuch seit 9/11"
Benteli 2011
ISBN-13: 978-3716517000
Schwerpunkt
© reuters photobaseTerror-Akte: Kulturzeit berichtet über den 11. September und die Folgen