Was damals viele überzeugte, erscheint heute in einem anderen Licht, zum Beispiel die Internatsfamilie. Lehrer und Schüler wohnen zusammen in einem Haus - eigentlich die glückliche Heimat der Kinder. Lernen in Geborgenheit und lebensnahes Lernen sind reformpädagogische Ideen die bereits 1910, zur Gründerzeit der Odenwaldschule, eingeführt wurden, wie auch der erlebnispädagogische Ausflug. Es gibt enge Bezüge zu den Lehrern, Schüler sollen sich ohne Angst entfalten können. In Wirklichkeit haben sich bis heute mehr als 130 Opfer aus der "Ära Becker" gemeldet. Er und mindestens vier Lehrkräfte, so Füller, haben diese Instrumente systematisch für ihre Zwecke genutzt. "In der Odenwaldschule wurde dieser pädagogische Zweig, diese Idee wirklich missbraucht", sagt Christian Füller. "Das ist eine wunderbare Tarnkappe. Wenn ein Pädophiler seine tastenden Annäherungsversuche rechtfertigen will, muss er nur sagen: Ich bin ein Reformpädagoge."