Friedrich Nowottny, der als Journalist in Bonn dabei war, als die Grünen 1983 ins Parlament einzogen, erinnert sich genau an Petra Kelly: "Sie musste schon am ersten Tag auffallen", erinnert er sich, "denn sie war eine herausragende Figur: Sie war attraktiv und eine bewegungsstarke Persönlichkeit." Petra Kelly hatte das agitatorische Handwerk als Elite-Studentin in den USA gelernt. Dort knüpfte sie erste internationale Netzwerke und machte Wahlkampf für Robert Kennedy. Doch vor allem der Tod ihrer krebskranken Halbschwester Grace, die nach einer kräftezehrenden Strahlenbehandlung im Alter von elf Jahren starb, war ein Trauma, das Petra Kelly entscheidend prägte. "So hat sie angefangen, sich für ionisierende Strahlungen zu interessieren, dann für Atomkraft und für die Friedensbewegung", sagt Richter. "Diese sehr persönliche und biografische Begründung ihrer eigenen Politik war ein großer Bestandteil ihres Erfolgs."