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Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dpa Lupe
Petra Kelly war eine Idealistin, die auch an der eigenen Rigorosität scheiterte.
Lichtgestalt der Friedensbewegung
Das Leben der Aktivistin Petra Kelly
Im Oktober 1992 wurde Petra Kelly tot aufgefunden - erschossen von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian, der einst mit ihr um den Frieden gestritten hatte. Die Tat blieb drei Wochen unentdeckt. Es war das tragische Ende einer Frau, die die Republik bewegte. Saskia Richter widmet sich Petra Kelly in der ersten wissenschaftlichen Biografie mit dem Titel: "Die Aktivistin".
"Es ist ein hervorragender Zeitpunkt, sich mit Petra Kelly zu befassen", erklärt Saskia Richter. "Man sollte den Aktivismus und die Bürgerinitiativen der 1970er Jahre genau betrachten, um herauszufinden, was Demokratie jenseits der Wahlentscheidung ausmacht: Wieviel Bürger-Beteiligung, Bürger-Initiative und ziviles Engagement braucht eine Demokratie?" Das sind Fragen, die Petra Kelly einst aufgeworfen hat. Und die sich heute all jene wieder stellen, die aufbegehren gegen eine Politik, die nicht mehr die ihre ist.

Sie wurden mobilisiert von einer Partei, die vor rund 30 Jahren - von der Straße kommend - und unter der Führung ihrer medialen Lichtgestalt Petra Kelly als "Anti-Parteienpartei" ins Parlament zog, wo ihre Mitglieder mit ihrer bunten Kleidung und individuellen Aufmachung auffielen. "Das sollte die Buntheit der Bewegung symbolisieren", so Marieluise Beck. "Diese Ideen kamen von Petra. Sie hat ganz früh verstanden, dass es um Bilder geht. Inzwischen machen das alle, aber Petra hat schon immer Bilder produziert."

Das agitatorische Handwerk lernte sie in den USA
© ap Lupe
Petra Kelly bündelte den Protest und wurde zur Lichtgestalt der Bewegung.
Friedrich Nowottny, der als Journalist in Bonn dabei war, als die Grünen 1983 ins Parlament einzogen, erinnert sich genau an Petra Kelly: "Sie musste schon am ersten Tag auffallen", erinnert er sich, "denn sie war eine herausragende Figur: Sie war attraktiv und eine bewegungsstarke Persönlichkeit." Petra Kelly hatte das agitatorische Handwerk als Elite-Studentin in den USA gelernt. Dort knüpfte sie erste internationale Netzwerke und machte Wahlkampf für Robert Kennedy. Doch vor allem der Tod ihrer krebskranken Halbschwester Grace, die nach einer kräftezehrenden Strahlenbehandlung im Alter von elf Jahren starb, war ein Trauma, das Petra Kelly entscheidend prägte. "So hat sie angefangen, sich für ionisierende Strahlungen zu interessieren, dann für Atomkraft und für die Friedensbewegung", sagt Richter. "Diese sehr persönliche und biografische Begründung ihrer eigenen Politik war ein großer Bestandteil ihres Erfolgs."

Petra Kelly war eine Politikerin ihrer Zeit, die die Ängste der Menschen um den Weltfrieden angesichts der bis zu den Zähnen bewaffneten Supermächte artikulierte. Sie bündelte den Protest gegen neue Raketen-Stationierungen und wurde zur Projektionsfläche kollektiver Erlösungswünsche. "Es war eine unglaublich aufgeladene Emotionalität in weiten Teilen der Gesellschaft", so Marieluise Beck. "Insgesamt waren es fast 500.000 Menschen, darunter viele Kirchenmitglieder, Pax Christi-Anhänger und normale Bürgerinnen und Bürger, die im Bonner Hofgarten zusammenkamen, um zu demonstrieren. Da wurde sie fast zu einem Medium."

Sie hatte sich ganz der Sache verschrieben
© dpa Lupe
1983 kam Petra Kelly endlich im Bundestag an.
Als Beamtin der Europäischen Gemeinschaft pendelte Kelly jahrelang zwischen Bürokratie und Bewegung, arbeitete hart und erwartete das auch von ihren Mitarbeitern. Als sie 1983 im Bundestag ankommt, ist sie eigentlich schon völlig erschöpft. "Ich sehe sie noch ans Rednerpult des Bundestages gehen", sagt Friedrich Nowottny. "Da ging oft genug eine Leidende: erst mager, dann hager, dann ausgezehrt. Bei ihr hatte man den Eindruck, dass sie sich ganz der Sache verschrieben hatte." Im Parlament verlor die Bewegungspolitikerin rasant an Strahlkraft. Sie hielt den Reaktionen nicht Stand, die sie mit ihrem moralischen Rigorosität ausgelöst hatte. Sie eckte an - im Bundestag ebenso wie in der eigenen Partei, die sich in Flügelkämpfen aufrieb.

"Es ist auch richtig, dass Petra Kelly extrem genervt hat", so Autorin Saskia Richter. "Sie war vehement in ihren politischen Positionen, aber auch in der Arbeitsweise. Viele ehemalige Mitarbeiter haben geklagt, dass Petra Kelly nicht delegieren konnte. Sie wollte immer alles sofort, gleich und jetzt haben. Petra Kelly war auf sich selbst zentriert und hat sehr egozentrisch gearbeitet. Das ist der Nachteil oder die Kehrseite dieser politischen Überzeugung." Am Ende ist sie allein. Allein mit dem ehemaligen Friedensgeneral, der die 44-Jährige in jener Bonner Nacht aus dem Leben reißt. Es bleibt die Erinnerung an eine mutige Visionärin, die die Welt retten wollte, an eine Idealistin, die nicht zuletzt an ihrer Unbedingtheit gescheitert ist.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
© DVA SachbuchLupeSaskia Richter
"Die Aktivistin - Das Leben der Petra Kelly"
DVA 2010
ISBN-13: 978-3-421-04467-9