Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Archiv & Vorschau
Juni 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
31
01
02
0304050607
08
09
1011121314
15
16
1718192021
22
23
24
25
26
27
28
29
30
Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
NavigationselementNavigationselement
© Thomas Wedmann Lupe
Mo Yan ist Chinas wohl bekanntester Schriftsteller.
Leben und Leiden der Volksrepublik
Chinesische Autoren - Teil 1: Mo Yan
Mo Yan, 1955 als Bauernsohn geboren, verließ, während der Kulturrevolution, nach der fünften Klasse die Schule und arbeitete in einer Fabrik. Mit 20 ging er als Soldat zur Armee, konnte studieren, schrieb seine ersten Erzählungen, kam zur Literaturabteilung der Armee und wurde Chinas populärster Schriftsteller.
Im September 2009 erscheint sein Roman "Die Sandelholzstrafe" auf Deutsch, eine Geschichte aus dem Jahre 1899, die in seinem Heimatdorf Gaomi spielt.

 

Literaturnobelpreis 2012 geht an Mo Yan
© reuters
Der Nobelpreis für Literatur geht 2012 Jahr an Mo Yan aus China. Das teilte die Schwedische Akademie am 11. Oktober in Stockholm mit. Der wichtigste Literaturpreis der Welt ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert
weiter ...

 

China ist das Land der Superlative: 1,3 Milliarden Bürger, 2,5 Millionen Soldaten, 350 Millionen Bauern gibt es hier. Es ist ein Land im Wandel. China zwischen Mao und Gucci. Chinas bekanntester Schriftsteller, Mo Yan, erzählt die Geschichte seines Landes.

Schonungslos und drastisch
Lupe
China - das Land der Superlative: Shanghai
In "Der Überdruss" schildert er auf 800 Seiten Leben und Leiden in der Volksrepublik. "Der Roman beschreibt auf leichte, humorvolle Weise ernsthafte politische, historische und gesellschaftliche Probleme", erklärt der Autor. "Auch Leser, die mit der modernen chinesischen Geschichte nicht vertraut sind, entdecken eine Vielfalt interessanter und unterhaltsamer Details. 'Der Überdruss' ist das beste Buch, das ich je geschrieben habe."

Elf Romane hat der 53-Jährige bisher geschrieben. Der Durchbruch gelang ihm 1987 mit "Das rote Kornfeld". Seine Themen sind mal historisch, mal aktuell. Sein Stil ist schonungslos und oft drastisch. "Die Sprache meiner Romane, besonders in den frühen Werken, ist hart und direkt", erklärt Mo Yan. "Jedes Zeichen kommt wie aus der Pistole geschossen, mit tödlicher Kraft. Diese Sprache ist aber keine Erfindung von mir. Ich habe diese Ausdrucksweise im Alltagsleben, in der Umgangssprache meiner Heimatprovinz gelernt. "

Mo Yan erzählt von den Dörflern
© AP Lupe
Das Leben der chinesischen Bauern ist mühsam
Mo Yans Heimat ist Gaomi in der Provinz Shandong. Dort wächst er als Sohn eines Bauern auf. Sein Heimatdorf ist bis heute der Fixpunkt seines literarischen Schaffens. Auch "Der Überdruss" erzählt von den Umwälzungen der chinesischen Geschichte anhand des Schicksals der Menschen aus seinem Dorf. Den Roman hat Mo Yan mit der Hand geschrieben. Nicht wie sonst mit dem Computer, der die lateinischen Lettern in chinesische Schriftzeichen umwandelt. "Mit der Hand schreibt mein Herz", sagt er. "Der Prozess ist direkter. Ich denke nicht an die Transformation der Zeichen. Ich konzentriere mich ganz auf die Handlung, die Figuren und die Sprache."

In China wurde der Roman schon 200.000 Mal verkauft. Die Geschichte der Dörfler - von der Kollektivierung der Landwirtschaft über die Kulturrevolution und die Reformpolitik bis heute sollte auch westliche Leser ansprechen. "Als chinesischer Schriftsteller schreibe ich natürlich erst einmal für die chinesischen Leser", sagt er. "Chinesen, die sich für die Geschichte und Politik Chinas interessieren. Aber jeder Schriftsteller sollte auch für die Menschen auf der ganzen Welt, für die Menschheit, schreiben."

Schonungslose Abrechung
Schonungslos rechnet Mo Yan mit Fehlern und Verbrechen der chinesischen Politik ab. Noch in den 1990ern wurde einer seiner Romane deshalb verboten. Heute fürchtet er die Zensur nicht mehr. "Auch wenn mein Roman der Regierung oder der Zensurbehörde nicht gefällt, weil das Buch nicht der offiziellen Linie entspricht, werden sie die Veröffentlichung nicht verhindern", sagt der Autor. "Deshalb ist mir die Reaktion von offizieller Seite egal. Zumindest meine Romane werden publiziert."

Die rasante Entwicklung Chinas hat Peking nach 60 Jahren Volksrepublik zu einer kapitalistischen Metropole heranreifen lassen. "Die offizielle Formel dafür lautet: Das ist Sozialismus chinesischer Prägung", sagt Mo Yan.

Bis heute Mitglied der kommunistischen Partei
Über diesen Sozialismus schreibt Mo Yan seit 30 Jahren. Nach fünf Jahren Schulunterricht ging er in die Fabrik, mit 20 als Berufssoldat zur Armee. Dort wurde er Mitglied der kommunistischen Partei und begann zu schreiben. "Voraussetzung für einen Schriftsteller ist, dass man als Mensch ein soziales Gewissen hat", sagt der Schriftsteller. "Man muss ein gesellschaftliches Gerechtigkeitsgefühl und Mitleid mit den einfachen Menschen haben. Dann spürt man in sich eine Wut auf die Unterdrücker und Ausbeuter. Diese Empathie und Wut verdaue und verwandle ich dann in Literatur."

Seit 20 Jahren lebt Mo Yan in Peking. Sein Lieblingsort aber ist das Teehaus eines Freundes aus der Heimatprovinz. Mitten in der Hauptstadt findet er hier ein kleines Stück alte Heimat. "Ich bin noch immer ein Mensch aus dem Dorf Gaomi, aus der Provinz Shandong", sagt Mo Yan. "Peking ist nur der Ort, wo ich arbeite. Hier fühle ich mich wie ein Gast."

Mo Yan: Der Kommunismus bleibt ein schönes Ideal
Mit der Volksbefreiungsarmee, als Angehöriger der Literaturabteilung, ist Mo Yan seinerzeit in die Hauptstadt gekommen. Den Militärdienst hat er vor zwölf Jahren beendet. Mitglied der kommunistischen Partei ist der kritische Autor noch heute. "In der Theorie ist der Kommunismus eine faszinierende und schöne Vorstellung", sagt er. "Allen soll es besser gehen und alle sollen gleichberechtigt sein. Deshalb bleibt der Kommunismus für mich ein schönes Ideal. Vor diesem Hintergrund, denke ich, es ist besser auch weiterhin in dieser Partei zu bleiben." Und mit seinen Büchern will er dem Kommunismus ins Gewissen reden.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Info
"Chinesische Autoren"
jeweils donnerstags in Kulturzeit

10.09.2009: Mo Yan
17.09.2009: Zhang Jie
24.09.2009: Alai
01.10.2009: Lu Min
08.10.2009: Xu Zechen
Reihe
Chinesische Autoren: Zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2009
Chronik
Ehrengast China - Irrungen und Wirrungen im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 2009
Buchtipps
Mo Yan
"Der Überdruss"
Übersetzt von Martina Hasse
Horlemann 2009
ISBN-13: 978-3895022722

"Die Sandelholzstrafe"
Übersetzt von Karin Betz
Insel 2009
ISBN-13: 978-3458174462

"Das rote Kornfeld"
Übersetzt von Peter Weber-Schäfer
Unionsverlag 2007
ISBN-13: 978-3293203839

"Die Schnapsstadt"
Übersetzt von Peter Weber-Schäfer
Unionsverlag 2005
ISBN-13: 978-3293203204

"Die Knoblauchrevolte"
Übersetzt von Adreas Donath
Unionsverlag 2009
ISBN-13: 978-3293204546
Schwerpunkt
Wie tickt China? Eine "Kulturzeit"-Reihe zum 3sat-China-Schwerpunkt 2008
Kulturzeit extra
Auftritt China: Zum 3sat-Thementag am 1. November 2005