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Arthur Ketzer versteckte Juden (u.a. Walter Frankenstein mit Frau und Kind)
Arthur Ketzer versteckte Juden (u.a. Walter Frankenstein mit Frau und Kind)
Einsame Helden
Lebensretter in Zeiten des Todes
Seit Spielbergs "Schindlers Liste" steht Oskar Schindlers Rettungsaktion, die jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod bewahrte, für Zivilcourage angesichts des verstaatlichten Massenmords.
Weniger bekannt dagegen sind die zahlreichen anderen "Schindlers", deren Geschichte diese Dokumentation erzählt. Ihnen zu Ehren wurden die Bäume entlang der "Allee der Gerechten" in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gepflanzt.
Die Bäume von Jerusalem bezeugen ihre Taten der Mitmenschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Unter ihnen waren Funktionsträger, die den mörderischen Staatsapparat sabotierten, ebenso wie spontane Helfer aus der Mitte oder auch vom Rand der Gesellschaft. Allein in Berlin fanden so etwa 7000 Verfolgte Unterschlupf. Mit Zeugenaussagen von unmittelbar Beteiligten schildert die Dokumentation ihre oft abenteuerlichen Rettungsaktionen.
Unter den Porträtierten ist der seinerzeit populäre Filmschauspieler Hans Söhnker ("Große Freiheit Nr. 7"). Zeitlebens schwieg er darüber, dass er in aller Stille verfolgte Juden verborgen hielt, während er öffentlich im Scheinwerferlicht des NS-Kinobetriebs glänzte. In diesem Jahr wird Söhnker für seine Taten posthum als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

© privat Hans Rosenthal mit seinem Bruder Gert
Hans Rosenthal mit seinem Bruder Gert
Zwei andere Größen der Unterhaltungskunst, der Showmaster Hans Rosenthal und der Schauspieler Michael Degen, überstanden die tödliche Gefahr mit wagemutiger Unterstützung couragierter Frauen, die weniger von ausgeprägt politischen Motiven, sondern schlicht von menschlichem Mitgefühl geleitet waren.
Dies bewegte auch Maria Rimkus, geborene Nickel, die sich beim Anblick der hochschwangeren jüdischen Zwangsarbeiterin Ruth Abraham spontan entschied, der von der Deportation bedrohten Frau beizustehen. Sie ließ sich einen Ausweis ausstellen und gab ihn Ruth Abraham, versehen mit deren Foto, damit diese untertauchen konnte. Am Tag ihres geplanten Abtransports brachte Ruth Abraham im Verborgenen eine Tochter zur Welt, die sie mit Maria Nickels tatkräftiger Unterstützung in wechselnden Quartieren über die Zeit der Verfolgung rettete.

Auch Walter Frankenstein gelang es, auf schier unglaubliche Weise seine Familie samt zweier im Untergrund geborener Kinder vor dem Tod zu bewahren – dank einer Reihe von Helfern, vom Fabrikdirektor bis zur Prostituieren, und mit ungeheurer Chuzpe.
Berthold Beitz, der spätere Generalbevollmächtigte des Stahlkonzerns Krupp, schützte in seiner Funktion als Manager einer Ölfirma in Galizien während des Krieges jüdische Zwangsarbeiter vor der Abschiebung ins Vernichtungslager.

© privat Edith Berlow versteckte zahlreiche Juden und vermittelte Hilfe  (u.a. für Walter Frankenstein)
Edith Berlow versteckte zahlreiche Juden und vermittelte Hilfe (u.a. für Walter Frankenstein)
Wie er, machten die meisten Retter nach dem Krieg kein Aufsehen um ihren mutigen Einsatz unter Gefahr von Todesstrafe oder sozialer Ächtung. Zudem galten die in Zeiten der Diktatur "illegalen" Hilfsaktionen in weiten Bevölkerungskreisen immer noch als eine Art von Verrat und Verstoß gegen die Ordnung.
Dieses Unbehagen hing möglicherweise auch damit zusammen, dass die Saboteure des Vernichtungsplans unübersehbar ein Zeichen gesetzt hatten, auch an die Adresse von Millionen Mitläufern, dass selbst in einer Diktatur Anpassung oder Wegsehen nicht die einzigen Optionen bleiben. Aber es waren nur wenige, die mit ihrer Zivilcourage den Mordplan zu durchkreuzen versuchten.

Hans Rosenthal und sein Bruder Gert mit Mutter, 1940 © Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, Archiv (CJA) Hans Rosenthal und sein Bruder Gert mit Mutter, 1940
Hans Rosenthal und sein Bruder Gert, 1940 © Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, Archiv (CJA) Hans Rosenthal und sein Bruder Gert, 1940
Hans Rosenthal und sein Bruder Gert am Grab des Vaters, 1938 © Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, Archiv (CJA) Hans Rosenthal und sein Bruder Gert am Grab des Vaters, 1938

Sendedaten
Dienstag, 15. Mai 2018 um 22:25 Uhr
Erstausstrahlung
Ein Film von Peter Hartl
3sat-Themenschwerpunkt
© akg-images70 Jahre Israel
Am 14. Mai 1948 hat David Ben-Gurion den Staat Israel ausgerufen. Wie hat sich das Land seitdem entwickelt? Wie leben die Israelis heute und welche Ängste, Sorgen und Hoffnungen haben sie? Und warum kommt der Nahe Osten einfach nicht zur Ruhe?Mit ausgewählten Filmen und Dokumentationen sowie einem multimedialen Webspecial wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen.