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Gewassertes Riesenraumschiff und Oasenstadt in einem: der Louvre Abu Dhabi.
Wettkampf der Museen
Die Medicis vom Arabischen Golf
Architektur war immer ein Mittel, mit dem man Eindruck schinden kann. Ein Mittel, das die eigene Größe zum Ausdruck bringt. Das nutzten die Herrscher früher genauso wie heute. Eine neue Dimension erreicht der Wettlauf um das größte, schönste, beste Gebäude der Welt gerade am Persischen Golf: Dort geht es nicht mehr um Schlösser, Kathedralen, Moscheen oder Wolkenkratzer. Die neuen Prestigeobjekte sind Museen.
Wie im Florenz der Renaissance wird in den reichen Emiraten am Golf in Kunst und Prunkbauten investiert. Koste es, was es wolle: Die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi, gebaut vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel, setzte im November den Höhepunkt des Wettlaufs in diesem Jahr. Ein Museum, dessen Architektur größte Anerkennung verdient. Schon nächstes Jahr wird im Nachbar-Emirat Katar ein weiteres Museum der Superlative öffnen. Ersonnen hat das ebenso einzigartige Gebäude wieder Jean Nouvel. Es ist dabei ganz anders als der Louvre Abu Dhabi, der eine Riesenkuppel besitzt und von fern aussieht wie ein gewassertes Riesenraumschiff, aus der Nähe sich aber als Oasenstadt mit vielen Einzelgebäuden entpuppt. Das National Museum von Katar dagegen sieht aus wie eine gewaltige Wüstenrose. Sie umrahmt ein historisches Gebäude, das schon früher als Museum gedient hat. Moderne und Tradition sollen auch hier einander auf vorteilhafte Art begegnen.

Kultureller Boom
Jean Nouvel, der französische Architekt gilt seit seinem "Institute du monde arabe" als Experte für stilvolle Orientalistik am Bau. Auch für die einmalige Skyline von Katars Hauptstadt Doha hat er einen Wolkenkratzer geliefert, der seinesgleichen nicht findet. Verantwortlich für den kulturellen Boom in Doha ist I.E. Sheikha Al Mayassa bint Hamad al Thani. Sie gehört zur herrschenden Familie des absolutistischen Staates Katar. Die Hoheit gilt als die vielleicht mächtigste Frau der internationalen Kunstszene. Sie investiert jedes Jahr hunderte von Millionen Euro in neue Museen, Kunstwerke für die Sammlungen Katars und in den Unterhalt der heimischen Künstlerszene.

Dialoge in Gang bringen
© dpa Museum für Islamische Kunst
Museum für Islamische Kunst
Richard Serra zum Beispiel hat für Katar ein monumentales Landart-Projekt realisiert: "East West/West East". Es deutet einen Weg an, denn Katar möchte mit Kunst und Museen Verbindungen schaffen, Brücken bauen, Dialoge in Gang bringen. Der amerikanisch-chinesische Architekt I.M. Pei hatte mit dem vor knapp zehn Jahren eröffneten Museum für Islamische Kunst in Doha das erste dieser weltweit Aufsehen erregenden Großprojekte am Golf vollendet. Jean Nouvels National Museum wird Ende 2018 eröffnet werden. Es soll das kommende Jahr in der Kunst so prägen wie jetzt die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi. Man darf gespannt sein.

Krise zwischen Katar und den Emiraten
Doch auch in Abu Dhabi plant man weitere Museen, unter anderem ein von Frank Gehry entworfenes Guggenheim Museum und ein National Museum aus der Hand des Stararchitekten Norman Foster. Aber ob das wirklich alles zustande kommt, steht in den Sternen. Noch immer ist mit den seit Jahren geplanten Bauten nicht begonnen worden. Der Wettlauf der Medicis vom Golf um die große Kunst erfährt Brisanz dadurch, dass Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit eine Krise durchmachen. Grund dafür sind auch gegenseitige Vorwürfe, man unterstütze den Terrorismus. Diesen Sommer wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen den Nachländern eingestellt. Die Medicis vom Golf bauen mit ihren Museen Brücken in die Welt. Aber sie selbst reden zurzeit nicht miteinander.

Sendedaten
Donnerstag, 28.12.2017, 5.50 Uhr
Samstag, 3.2.2018, 19.30 Uhr
Ein Film von Frank Eggers