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Eine verheerende Bilanz
Thema der hitec-Sendung "Die verpackte Republik"
Die Dämmung begünstigt das Wachstum von Algen auf der Fassade. Im Innern des Hauses droht Schimmel. Die Baukultur leidet. Und die Frage der Entsorgung der Dämmstoffe ist ungelöst. Wie steht es nun um die Energieeinsparung? Wiegt sie die Nachteile auf?
Christoph Mäckler:
"Die Industrie spricht von Energieeinsparungen von "bis zu" 60 Prozent. Das heißt, es sagt eigentlich gar nichts aus. Weil: Sie wissen nicht, wovon hier die Rede ist. Wenn sie ein Sperrholzhaus haben, mag es sein, dass sie sogar 100 Prozent Energieeinsparung durch die Fassade haben, wenn sie nur dick genug Wärmedämmung drauf machen. Sie brauchen einen Bauphysiker, der ihnen erst mal sagt: Wie sind denn meine Wärmeverluste in der Außenwand? Und dann können sie davon sprechen, wie viel Einsparung sie denn wirklich über die Wärmedämmung haben."

Der Blower-Door-Test
Was bringt die energetische Sanierung? Der Energieberater Oliver Gebhard will diese Frage beantworten. Er vergleicht zunächst die Wärmebilder eines frisch gedämmten Hauses im hessischen Taunusstein mit den Bildern vor der Sanierung. Ein Unterschied ist deutlich erkennbar. Aber die Wärmebildkamera liefert nur erste Indizien. Wie dicht das Haus wirklich verpackt ist, will der Energieberater mit einem sogenannten Blower-Door-Test herausfinden.

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Dafür müssen alle Türen und Fenster geschlossen bleiben - bis auf eine. Hier wird Oliver Gebhard später einen Ventilator einbauen. Das Gerät soll im Haus einen Unterdruck erzeugen und so helfen, undichte Stellen aufzuspüren. Der Eigentümer hat das Haus mit Polystyrol von außen gedämmt und die Fenster ausgetauscht. Auf eine Dachdämmung hat er aus Kostengründen verzichtet.

Der Blower-Door-Test wird zeigen, an welchen Stellen noch warme Luft nach außen entweicht. Diese Erkenntnis lässt sich der Hauseigentümer rund 500 Euro kosten. Die Kellertür ist eine neuralgische Stelle. Auch das ungedämmte Dach sorgt für erheblichen Wärmeverlust.

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Mit einer Nebelmaschine macht Oliver Gebhard den Energieverlust sichtbar. Durch die undichte Decke im Obergeschoss zieht der Rauch unters Dach. Genau das gleiche geschieht an kühlen Tagen mit großen Mengen der Heizwärme im Haus: Sie steigt nach oben und entweicht in die Atmosphäre. Die Fassadendämmung ändert daran nichts.

Berechnungen des Bundesbauministeriums zeigen, wo bei Gebäuden das meiste Einsparpotential besteht. Ein Beispiel: Eine unsanierte Doppelhaushälfte von 1972. Wo geht Energie verloren? Am meisten durch die Heizungsanlage: 24 Prozent. Die oberste Geschossdecke verliert 22 Prozent. Die Außenwände sorgen nur für 14 Prozent der Energieverluste. Kaum mehr als die Warmwasserbereitung und die Fenster.

Christoph Mäckler:
"Wenn ich nun sehe, dass diese Fassaden überhaupt nur 14 - 17 Prozent vielleicht an Energieverlusten für das Gesamtbauwerk ausmachen, dann muss ich einfach sagen, gehe ich mit der Fassade in der Sanierung vorsichtig um, und nutze erst mal die ganzen technischen Möglichkeiten, die wir haben, um Energie einzusparen. Wir sollten dort etwas tun, wo wir wirklich schon hervorragende Ergebnisse haben und das liegt eben nicht im Bereich der Außenfassade."

Eine Null-Energie-Siedlung
Erste Modellprojekte für vorbildliche Sanierung gibt es bereits. Ein Beispiel: Der ehemalige Fliegerhorst in Bad Aibling. Aus einer Geisterstadt soll hier die Energiespar-Siedlung der Zukunft entstehen. Die alten Kasernen werden aufwendig saniert. Dabei kommen konventionelle Wärmedämmverbundsysteme zum Einsatz, aber auch alternative Dämm-Methoden.

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Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Das Ziel: Eine Null-Energie-Siedlung. Eine neuartige Holzfassade besteht aus Fertigelementen, die vor das alte Mauerwerk gesetzt werden. Die Fassade wirkt nicht nur wärmedämmend, sondern enthält sogar eine Wandheizung, die für ein behagliches Raumklima sorgt. Gespeist wird sie von Solarzellen auf dem Dach. Alle Gebäude besitzen Lüftungsanlagen. Die Häuser sind thermisch so gut isoliert, dass der Luftaustausch künstlich hergestellt werden muss.

Das Herz des Lüftungssystems ist eine Wärmerückgewinnungsanlage. Sie sorgt dafür, dass verbrauchte, warme Luft die von außen zugeführte Frischluft erwärmt. Nur mit ständiger Kontrolle und Wartung kann das Nullenergiekonzept aufgehen. Das gilt auch für die Technik zur Stromerzeugung. Ein Photovoltaik-Feld mit 2.000 Quadratmetern Kollektorfläche wird schon bald bis zu 2 Megawatt Leistung liefern.

Gleich daneben: eine Plantage aus Pappeln und Weiden. Auch sie wird der Energieerzeugung dienen. Das Holz soll künftig alljährlich für eine komplette Heizperiode reichen. Es wird in einer Holzschnitzel-Heizung am Rande der Wohnanlage verfeuert. Das Mini-Kraftwerk kann das Gelände über ein Nahwärmenetz mit Heizenergie versorgen: 16 Gebäude mit insgesamt 25.000 Quadratmetern Wohnfläche. Mit dieser Anlage soll der Wohnpark von Heizenergie-Lieferungen von außen unabhängig werden.

Sendedaten
13.10.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.01.2012
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